Jung und kriminell: Immer mehr Kinder in Thüringen werden gewalttätig

Von Marie-Hélèn Frech

Erfurt - Die Zahl politisch motivierter Straftaten ist im vergangenen Jahr in Thüringen zurückgegangen. Allerdings geraten mehr Kinder ins Visier der Polizei.

Thüringens Innenminister Georg Maier (58, SPD) hat die neueste Kriminalstatistik in Thüringen vorgestellt.  © Martin Schutt/dpa

Im Vergleich zum "Superwahljahr" 2024 - mit Kommunalwahlen, Europa- und Landtagswahl - registrierte die Polizei 1029 Fälle weniger, nämlich insgesamt 4205.

"Wir haben letztes Jahr kein Wahljahr gehabt", erklärte Innenminister Georg Maier (58, SPD) bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Entsprechend habe es weniger Gelegenheiten gegeben, Sachbeschädigungen zu begehen. "Wenn keine Wahlplakate da sind, können sie nicht beschädigt werden." Der SPD-Politiker betonte trotzdem, dass politisch motivierte Kriminalität dennoch nicht zu vernachlässigen sei.

2414 Straftaten (2024: 2839) stuften die Ermittler als rechts motiviert ein, als politisch links ordneten sie 960 Fälle ein (2024: 759). Mit 1549 handelt es sich bei einer Großzahl der Fälle demnach um sogenannte Propagandadelikte (2024: 1785).

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Dazu zählt etwa die Verbreitung oder das Verwenden von Kennzeichen von verfassungswidrigen und terroristischen Organisationen.

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Zahl der tatverdächtigen Kinder steigt

Die Zahl der tatverdächtigen Kinder in Thüringen ist angestiegen. (Symbolfoto)  © Rick Rycroft/AP/dpa

Bemerkenswert mit Blick auf die Tatverdächtigen: Die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg von 111 auf 130. Bei Jugendlichen sank sie von 471 auf 353, bei Heranwachsenden von 241 auf 229 und bei Erwachsenen von 1879 auf 1527. Insgesamt registrierte die Polizei 2239 Tatverdächtige.

Der Anstieg bei der Zahl tatverdächtiger Kinder in diesem Bereich sei nicht so signifikant, als dass von einem expliziten Problem gesprochen werden könne, sagte Maier. "Radikalisierung setzt immer früher ein", räumte er ein.

Er sehe vor allem den Konsum entsprechender Inhalte auf digitalen Plattformen als Grund dafür. Er sprach sich dafür aus, Einschränkungen für besonders junge Nutzer zu prüfen.

Insgesamt ging auch die Zahl der erfassten Straftaten in Thüringen 2025 im Vergleich zum Vorjahr zurück: Die Polizei registrierte insgesamt 145.167 Fälle und damit rund 11.000 weniger als 2024. Die Aufklärungsquote blieb mit 61,2 Prozent auf dem Niveau von 2024. Damals betrug sie 60,9 Prozent.

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