Von Stefan Hantzschmann
Erfurt - Solidarische Landwirtschaft ist in Thüringen noch ein Nischenthema in der Agrarwirtschaft. Dem Thüringer Landwirtschaftsministerium sind neun Betriebe bekannt, die nach dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft arbeiten, wie aus einer Kleinen Anfrage der Thüringer Linke-Abgeordneten Anja Müller (53) hervorgeht. Darunter seien Gemüse- und Obstbetriebe sowie ein Betrieb, der ökologischen Gartenbau betreibt.
Nur ein Betrieb bewirtschafte mehr als einen Hektar und kann damit Anträge für Direktzahlungen stellen, hieß es. Ein Hektar entspricht ungefähr der Größe von eineinhalb Standard-Fußballfeldern.
Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft sieht vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher den jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb mitfinanzieren, indem sie dessen Produkte garantiert abnehmen.
Üblicherweise werden die Produktionskosten des Betriebes für ein Jahr geschätzt, die Verbraucher zahlen dann meist eine monatliche Abgabe und erhalten im Gegenzug jeweils einen Teil der Ernte - etwa in wöchentlichen Erntekisten. Damit wird auch das Risiko bei der Produktion geteilt.
Das Netzwerk solidarische Landwirtschaft listet für den Freistaat zwölf Betriebe auf. "Die Solawi spielt in Thüringen aufgrund der geringen Anzahl der Betriebe (Betriebe sind darüber hinaus sehr klein) nur eine untergeordnete Rolle (Nische)", schreibt das Agrarministerium in seiner Antwort.
Ein stärkeres Wir-Gefühl durch Solawi
Müller bezweifelte, dass dem Ministerium tatsächlich alle Solawi-Betriebe im Freistaat bekannt sind. "Und wir müssen das viel stärker bewerben", forderte sie.
Durch solidarische Landwirtschaft in der Nähe würden die Menschen wieder ein stärkeres Gefühl dafür bekommen, wie wertvoll die Ackerflächen seien, sagte Müller. "Ich glaube, das ist etwas, was man mit der Koalition auch auf den Weg bringen kann - diese Form der Landwirtschaft zu stärken."