Bei Premiere im Stadtpark: Dick Brave verrät die Geschichte hinter seinem Nachnamen

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Hamburg - "Guess who’s back, back again?" hallt es um Punkt 20 Uhr durch den Hamburger Stadtpark. Kurz denkt man an Eminem, doch statt Slim Shady steht Dick Brave auf der Bühne. Das Rockabilly-Alter-Ego von Sänger Sasha (54) feiert in diesem Jahr nach zwölf Jahren Pause sein Comeback, mit seinem Doppelalbum "Back for Good" und gleich zwei Tourneen: erst durch die Clubs, jetzt über die Open-Air-Bühnen. Das Konzert beim "Stadtpark Open Air" war dabei vor allem eins: eine Ode an die Live-Musik und an die Idee, dass man manchmal einfach eine Weile vergessen möchte, welches Jahr gerade ist.

Dick Brave alias Sasha (54) im April beim Tourauftakt in Kiel. Gemeinsam mit seiner Band "The Backbeats" interpretiert er bekannter Pop- und Rockhits in der Rockabilly-Variante um.
Dick Brave alias Sasha (54) im April beim Tourauftakt in Kiel. Gemeinsam mit seiner Band "The Backbeats" interpretiert er bekannter Pop- und Rockhits in der Rockabilly-Variante um.  © Marcus Brandt/dpa

Das "grüne Wohnzimmer" war an diesem Sonntagabend pickepackevoll. Für Brave war es sein erster Auftritt im Hamburger Stadtpark. Empfohlen habe ihm die "wunderschöne" Location sein guter Freund Sasha, der in der Hansestadt seine Wahl-Heimat gefunden hat.

Die Show war seit Monaten ausverkauft, und das Publikum hatte sich dem Anlass entsprechend herausgeputzt: Lederjacken, Petticoats, Pomade, Schmalzlocken.

Wer sich noch nicht ganz 1950er-tauglich fühlte, konnte sich an einer Friseurstation vor Ort kurzerhand den passenden Retro-Look verpassen lassen.

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Der selbsternannte Kanadier eröffnete mit dem Titelsong seines Comeback-Albums, dem Take-That-Cover "Back For Good", selbstverständlich in der Rockabilly-Version. Später folgten unter anderem Pinks "Get the Party Started", Elton Johns "I’m Still Standing", A-has "Take On Me" und Taylor Swifts "Shake It Off".

Bei Swift konnte Brave sogar eine persönliche Anekdote erzählen. Bei einem Treffen in Nashville habe er ihr einmal geraten, die Sorgen um den musikalischen Kurswechsel einfach selbstbewusst "abzuschütteln": "Darling … why don't you just … shake it off?"

Ob Swift diesen Rat tatsächlich so dringend brauchte, sei dahingestellt. Aber er passt hervorragend in die teils sehr absurde Welt von Dick Brave. Und hier darf seine Band "The Backbeats" natürlich nicht fehlen, schließlich sei er ohne diese "nichts", wie er selbst am Sonntag betonte. Auf seinen abenteuerlichen Reisen um die Welt habe er diese nach und nach zusammengestellt.

Andy, den Schlagzeuger, habe in einem Rockclub in Transsilvanien kennengelernt. Pianist "Max Sugar Harburger" sei ihm in Las Vegas über den Weg gelaufen, Gitarrist Tony habe er über die Mafia in Boston kennengelernt und Bassist "Fearless Frank" wiederum soll wie der 54-Jährige selbst aus der Welt der Stuntshows stammen. Daher habe er auch seinen Nachnamen: Brave [dt.: mutig].

"Eine Dick-Brave-Show ist eine Mitmach-Show", kündigte der Sänger bereits zu Beginn an – und bezog das Publikum immer wieder mit ein: mal beim Kanon, mal beim Klatschen im Takt. Textsicher waren die Fans ohnehin.
"Eine Dick-Brave-Show ist eine Mitmach-Show", kündigte der Sänger bereits zu Beginn an – und bezog das Publikum immer wieder mit ein: mal beim Kanon, mal beim Klatschen im Takt. Textsicher waren die Fans ohnehin.  © Fabian Lippke

Dick Brave beim Stadtpark-Gig: "Das ist nicht normal!"

Kurzerhand legte Dick Brave sogar einen Kopfstand auf dem Klavier hin.
Kurzerhand legte Dick Brave sogar einen Kopfstand auf dem Klavier hin.  © Fabian Lippke

Neben all den haarsträubenden Anekdoten wird Brave zwischendurch auch emotional. "Ich möchte Danke sagen [dem Publikum]. Das ist nicht normal", so der Sänger mit stark inszeniertem, kanadischem Akzent.

"Ich bin voller Dankbarkeit, Demut, alles was man haben kann. Weil ich bin zwölf Jahre nicht da und ich komme zurück und mache zweimal Große Freiheit und einmal Stadtpark ausverkaufen. Das ist crazy."

Wie zu lesen ist, ist Braves Deutsch weiterhin eher mittelprächtig. In den zwölf Jahren Pause hat sich daran offenbar wenig geändert.

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Dafür beherrscht er die Sprache des Rock’n’Roll mit jeder Faser: Elvis-Hüftschwünge, Step-Einlagen und sogar ein Kopfstand auf dem Klavier gehören ebenso zum Programm wie der treibende Rockabilly-Sound.

Zwischendurch verschwand Brave zwar kurz hinter der Bühne, schließlich sei er "nicht mehr der Jüngste", nur um sich wenige Minuten später wieder so zu bewegen, als hätte jemand seine Gelenke geölt.

Der Abend war ein Beispiel dafür, was Live-Musik im besten Fall ausmacht: unmittelbare Energie, echte Spielfreude und dieser besondere Moment, in dem Künstler und Publikum für ein paar Stunden zu einer Einheit werden.

Passend zum letzten Song vor der laut verlangten Zugabe gab es Depeche Modes "Just Can’t Get Enough" auf die Ohren und Hüften. Im Grande Finale folgten unter anderem Michael Jacksons "Black or White" und Aerosmiths "Walk This Way", bevor um kurz vor 22 Uhr dann Schluss war.

Warum Sasha – beziehungsweise natürlich Dick Brave – sein Alter Ego gerade jetzt wieder auferstehen ließ, erklärte er bereits im Mai im Podcast "Here To Get Heard": "Ich habe selber das Gefühl, die Zeit für Nostalgie, für die Freude, für diese Unbeschwertheit […], die ist gerade ganz gut." Und offenbar soll diese Unbeschwertheit noch ein wenig bleiben. Brave verabschiedete sich mit einem Versprechen: "Bis nächstes Jahr!"

Bis Ende September ist er mit seiner "Back For Good"-Tour noch in Deutschland unterwegs; für einige Städte sind noch Restkarten erhältlich.

Titelfoto: Fabian Lippke

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