Drei Jahre nach ihrem letzten Auftritt: Für diesen Film macht Esther Ofarim eine seltene Ausnahme

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Hamburg - Esther von Sell, besser bekannt als Esther Ofarim, lebt seit mehreren Jahren sehr zurückgezogen in ihrer Wahlheimat Hamburg. 2023 stand die israelische Sängerin zum letzten Mal auf einer Bühne. Sie will nicht mehr auftreten. Sich zu zeigen, mache sie nervös. Doch am Donnerstagabend machte die 85-Jährige eine Ausnahme und wagte sich sogar kurz auf den roten Teppich. Obwohl sie auch kein Fan von Fotos ist. Der Grund: Es gibt eine neue Doku über sie, die im Rahmen des Filmfest Hamburg ihre Deutschlandpremiere feierte.

Ein seltenes Bild: Die fotoscheue Esther (l.), Shaked Goren (39) und Filmfestleiterin Malika Rabahallah (56).
Ein seltenes Bild: Die fotoscheue Esther (l.), Shaked Goren (39) und Filmfestleiterin Malika Rabahallah (56).  © Madita Eggers/TAG24

Das bewegende Porträt "Esther" stammt vom israelischen Dokumentarfilmer Shaked Goren (39). Für ihn begann die Idee zum Film mit seiner Großmutter.

"Sie war einer ihrer größten Fans in Israel. Ich stand meiner Oma sehr nahe und immer wenn ich bei ihr war, lief Esthers Stimme im Hintergrund. Ich bin mit ihr aufgewachsen", verriet der 39-Jährige am Donnerstag im anschließenden Q&A.

Doch erst während einer "persönlichen Krise" begann er, sich erstmals für die Frau hinter den Liedern zu interessieren und zu recherchieren: "Ich wollte die Geheimnisse um sie lüften!"

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Eine erste Anfrage an ihre Managerin blieb allerdings erfolglos. Goren ließ sich davon nicht abhalten. Er reiste nach Hamburg, besuchte eines ihrer Konzerte und gelangte mithilfe von Freunden hinter die Bühne: "Ich war wie ein Stalker, aber wir hatten ein sehr herzliches Gespräch."

Ein Ja zum Film gab es zunächst jedoch dennoch nicht. Aber auch kein Nein. Es folgten über 50 Stunden Telefongespräche über mehrere Jahre. Sie bilden den roten Faden der Dokumentation, denn Esther wollte auch dafür nicht vor die Kamera. "Es ist natürlich seltsam, dass sie nicht zu sehen ist, aber es passt zu ihrer DNA und das macht es interessant", so Goren.

Die Künstlerin selbst hatte zeitlebens ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Ruhm. Gerade das Interesse an ihrem Privatleben, das sie strikt aus der Öffentlichkeit heraushält, habe sie nie verstanden. Oft habe sie nach Auftritten gedacht: "Never again" und gleichzeitig habe sie immer Sängerin sein wollen, um nicht sie selbst sein zu müssen, wie sie im Film erzählt.

Trailer zu "Esther"

Daumen hoch vom Popstar für neue Doku

Ein gefeierter Popstar, der oft nur allein sein wollte.
Ein gefeierter Popstar, der oft nur allein sein wollte.  © Prisma by Dukas Presseagentur GmbH / Alamy Stock Photo

Statt aktueller Aufnahmen zeigt der Film Bilder aus Esthers bewegter Karriere und lässt Weggefährten zu Wort kommen.

Die Wahl-Hamburgerin wurde in den 1960er-Jahren mit dem Duo "Esther & Abi Ofarim" ("Cinderella Rockefella") zum internationalen Popstar, später startete sie als Solo-Künstlerin durch und feierte auch in Deutschland große Erfolge.

1963 belegte sie den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest 1963 für die Schweiz.

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Zugleich entfremdete sie sich zunehmend von ihrer Heimat. Ihre Karriere in Deutschland führte in Israel zunächst sogar zu einem Boykott ihrer Musik. Sie habe sich nie irgendwo wirklich zu Hause gefühlt, sagt sie im Film. Sie sei "wurzellos".

Gerade diese Frage nach Zugehörigkeit interessierte Goren. "Esther transportiert in ihrer Stimme, in ihrer Präsenz, in ihrer Musik ein Gefühl des Nicht-Zugehörens. Ich denke, das ist der Grund, warum viele Menschen sich mit ihr identifizieren können."

Für Goren ist der Film deshalb nicht nur ein Porträt über die Sängerin. "Es ist auch ein Film über uns. Wo wir herkommen, wer wir sind und dass wir nicht immer ein Zuhause brauchen." In Israel sei Esthers Musik für viele zu einem Zuhause geworden und zu einer Erinnerung an ein Land, das es in dieser Form aufgrund des Krieges nicht mehr gebe.

Während der Premiere saß Esther still im Publikum, drehte sich ab und zu um und lächelte. Beim Schlussapplaus zeigte sie kurz den Daumen nach oben. Auf die Bühne wollte sie nicht. Sie lasse lieber ihre Musik für sich sprechen.

"Esther" läuft am 2. Oktober noch einmal im Rahmen des Filmfest Hamburg. Mehr Infos unter filmfesthamburg.de.

Titelfoto: Madita Eggers/TAG24

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