Doppelte Premiere zum Filmfest-Start: Christian Friedel sieht eigenen Film erstmals im Kino
Hamburg - Nach einem Jahr Planung war es am Donnerstagabend wieder so weit: Das 34. Filmfest Hamburg ist gestartet, mit einem neuen Logo "mit mehr Schwung" und der Europapremiere von "The Idiot(s)" der polnischen Regisseure Małgorzata Szumowska (53) und Michał Englert (51). Die beiden ließen es sich nicht nehmen, ihren neuen Film persönlich in der Hansestadt vorzustellen. Mit dabei waren auch Teile des Casts, darunter Christian Friedel (47, "The White Lotus"), der den Film selbst zum ersten Mal sah, wie er TAG24 verriet.
Eigentlich habe es bereits zwei Screenings gegeben, zu denen Friedel jedoch nicht kommen konnte.
Die Regisseure hätten ihm den Film anschließend auch zuschicken können. Doch gemeinsam habe man sich entschieden, passend zum FilmFEST, ihn lieber im Kino auf einer großen Leinwand als zu Hause "still und allein" zu sehen.
Für den gebürtigen Dresdner war der Abend auch noch aus einem anderen Grund besonders: "Wir hatten vor über zehn Jahren die große Chance, mit meiner Band 'Woods of Birnam' das Filmfest musikalisch zu eröffnen. Und jetzt in einem Eröffnungsfilm dabei zu sein, [...] ist ein Full-Circle, der hoffentlich nie endet!"
In ihrer Adaption der Biografie "The Gambler Wife" porträtieren Szumowska und Englert in "The Idiot(s)" den Schriftsteller Fjodor Dostojewski (†1881) und seine Frau Anna (†1918), die sich auf ihrer Hochzeitsreise in Baden-Baden niederlassen, wo auch der Schriftsteller Iwan Turgenjew (†1883) seine Sommerfrische verbringt, hier gespielt von Christian Friedel.
Während Fjodor das wenige Geld des Paares im Casino verspielt, anderen Frauen nachsteigt und jeden kreativen Impuls hinauszögert, zieht Anna im Hintergrund die Strippen. Mit Unterstützung Turgenjews setzt sie alles daran, Dostojewskis Vision zur Vollendung zu bringen: den Roman "Der Idiot".
"Der Film ist fantastisch, weil es auch darum geht, dieses männliche Genie ein bisschen zu dekonstruieren", so Festivalleiterin Malika Rabahallah (56) über die Auswahl des Eröffnungsfilms.
Auch Friedel sieht darin eine der Stärken des Films. Besonders deutlich werde das an der Figur der Anna: "Ich glaube, dass viele Partnerinnen von berühmten Männern immer wieder vergessen wurden." Seine Kollegin Aimee Lou Wood (32, "Sex Education") spiele diese starke Frauenfigur "fantastisch".
Filmfest Hamburg gestartet: "Pessimismus ist ein Privileg"
Traditionell wurde es bei der Eröffnung des Filmfests auch politisch. Rabahallah warb in ihrer Rede für Optimismus, Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Perspektive immer wieder zu hinterfragen.
"Pessimismus ist ein Privileg", zitierte sie einen Satz, der sie seit einiger Zeit beschäftige. Sie wolle sich diesem Privileg bewusst verweigern und neugierig bleiben.
Gerade das Kino könne dabei helfen. Für zwei Stunden sehe man die Welt durch die Augen eines anderen Menschen, so die 56-Jährige.
Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (60, SPD) betonte in seine Grußworten, dass der Film neben Kultur, Lebensqualität sowie wirtschaftlicher Kraft, auch "eine besondere Bedeutung für unsere Demokratie" habe. Dabei gelte: "Die Freiheit der Kunst gilt auch für den Film."
Um das Festival möglichst niedrigschwellig zu gestalten und Kino für alle erlebbar zu machen, sind am 3. Oktober, dem Tag des freien Eintritts, auch in diesem Jahr alle Vorstellungen wieder kostenlos. Rabahallah rief das Publikum dazu auf, "zusammenzusitzen, zu weinen und zu lachen".
Filmfest Hamburg: Promi-Aufgebot auf dem Roten Teppich
Bis zum 3. Oktober zeigt das Filmfest Hamburg 114 Filme aus 64 Ländern. Passend zum Thema des Eröffnungsfilms wurden 49 davon von Frauen oder in Co-Regie mit Frauen inszeniert. "The Idiot(s)" wird am Samstag noch einmal im CinemaxX Dammtor gezeigt. Restkarten und das vollständige Programm gibt es unter filmfesthamburg.de.
Titelfoto: Madita Eggers/TAG24

