Doppelte Premiere zum Filmfest-Start: Christian Friedel sieht eigenen Film erstmals im Kino

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Hamburg - Nach einem Jahr Planung war es am Donnerstagabend wieder so weit: Das 34. Filmfest Hamburg ist gestartet, mit einem neuen Logo "mit mehr Schwung" und der Europapremiere von "The Idiot(s)" der polnischen Regisseure Małgorzata Szumowska (53) und Michał Englert (51). Die beiden ließen es sich nicht nehmen, ihren neuen Film persönlich in der Hansestadt vorzustellen. Mit dabei waren auch Teile des Casts, darunter Christian Friedel (47, "The White Lotus"), der den Film selbst zum ersten Mal sah, wie er TAG24 verriet.

Christian Friedel (47) beim Eröffnungsabend des Filmfests Hamburg. In "The Idiot(s)" schlüpft er in die Rolle des russischen Schriftstellers Iwan Turgenjew (†1883).
Christian Friedel (47) beim Eröffnungsabend des Filmfests Hamburg. In "The Idiot(s)" schlüpft er in die Rolle des russischen Schriftstellers Iwan Turgenjew (†1883).  © Madita Eggers/TAG24

Eigentlich habe es bereits zwei Screenings gegeben, zu denen Friedel jedoch nicht kommen konnte.

Die Regisseure hätten ihm den Film anschließend auch zuschicken können. Doch gemeinsam habe man sich entschieden, passend zum FilmFEST, ihn lieber im Kino auf einer großen Leinwand als zu Hause "still und allein" zu sehen.

Für den gebürtigen Dresdner war der Abend auch noch aus einem anderen Grund besonders: "Wir hatten vor über zehn Jahren die große Chance, mit meiner Band 'Woods of Birnam' das Filmfest musikalisch zu eröffnen. Und jetzt in einem Eröffnungsfilm dabei zu sein, [...] ist ein Full-Circle, der hoffentlich nie endet!"

Vom "Kino-Retter" zum Mega-Flop: Tom Cruise erlebt bitterste Pleite seiner Karriere an Seite von deutschem Film-Star
Kino & Film News Vom "Kino-Retter" zum Mega-Flop: Tom Cruise erlebt bitterste Pleite seiner Karriere an Seite von deutschem Film-Star

In ihrer Adaption der Biografie "The Gambler Wife" porträtieren Szumowska und Englert in "The Idiot(s)" den Schriftsteller Fjodor Dostojewski (†1881) und seine Frau Anna (†1918), die sich auf ihrer Hochzeitsreise in Baden-Baden niederlassen, wo auch der Schriftsteller Iwan Turgenjew (†1883) seine Sommerfrische verbringt, hier gespielt von Christian Friedel.

Während Fjodor das wenige Geld des Paares im Casino verspielt, anderen Frauen nachsteigt und jeden kreativen Impuls hinauszögert, zieht Anna im Hintergrund die Strippen. Mit Unterstützung Turgenjews setzt sie alles daran, Dostojewskis Vision zur Vollendung zu bringen: den Roman "Der Idiot".

"Der Film ist fantastisch, weil es auch darum geht, dieses männliche Genie ein bisschen zu dekonstruieren", so Festivalleiterin Malika Rabahallah (56) über die Auswahl des Eröffnungsfilms.

Auch Friedel sieht darin eine der Stärken des Films. Besonders deutlich werde das an der Figur der Anna: "Ich glaube, dass viele Partnerinnen von berühmten Männern immer wieder vergessen wurden." Seine Kollegin Aimee Lou Wood (32, "Sex Education") spiele diese starke Frauenfigur "fantastisch".

Gute Stimmung auf dem Roten Teppich: "Ich habe die beiden wunderbaren, crazy Regisseure seit einem Jahr nicht mehr gesehen und habe mich riesig gefreut, sie wiederzusehen“, so Friedel gegenüber TAG24.
Gute Stimmung auf dem Roten Teppich: "Ich habe die beiden wunderbaren, crazy Regisseure seit einem Jahr nicht mehr gesehen und habe mich riesig gefreut, sie wiederzusehen“, so Friedel gegenüber TAG24.  © Madita Eggers/TAG24

Christian Friedel über "The Idiot(s)": "Viele finden vielleicht meine Darstellung nicht so toll"

Aimee Lou Wood und Johnny Flynn als Anna und Fjodor Dostojewski in "The Idiot(s)" (ein offizieller Kinostart steht noch nicht fest). Viele Szenen seien laut Christian Friedel improvisiert worden, was es mitunter schwer gemacht habe, nicht zu lachen.
Aimee Lou Wood und Johnny Flynn als Anna und Fjodor Dostojewski in "The Idiot(s)" (ein offizieller Kinostart steht noch nicht fest). Viele Szenen seien laut Christian Friedel improvisiert worden, was es mitunter schwer gemacht habe, nicht zu lachen.  © The Match Factory

Ein weiterer Grund "The Idiot(s)" im Kino zu sehen, ist für Friedel die Frage, die der Film über die Geschichte der beiden Schriftsteller und Anna Dostojewski hinausstellt: "Wie weit kannst du die Persönlichkeit von der Kunst trennen?"

Die Frage sei schließlich sehr aktuell und lasse sich auch auf Künstler wie Michael Jackson übertragen, so Friedel.

Dabei seien die Figuren im Film bewusst frei interpretiert: "Der ganze Film ist ein sehr radikales Bild, wie Kunst entsteht oder wie die Menschen hinter der Kunst sind. Viele, die Turgenev lieben, finden vielleicht meine Darstellung nicht so toll."

Drei Jahre nach ihrem letzten Auftritt: Für diesen Film macht Esther Ofarim eine seltene Ausnahme
Kino & Film News Drei Jahre nach ihrem letzten Auftritt: Für diesen Film macht Esther Ofarim eine seltene Ausnahme

Doch gerade diese Reibung mit den bekannten Bildern der berühmten Schriftsteller sei interessant. 

Der Film zeige die Künstler nicht nur als große Genies, sondern auch als widersprüchliche und zutiefst menschliche Figuren. "Und ich glaube, dass das auf so eine unterhaltsame Weise gezeigt wird, ist sehr spannend", so Friedel.

Filmfest Hamburg gestartet: "Pessimismus ist ein Privileg"

Von links nach rechts: Dr. Peter Tschentscher (60, SPD), Malika Rabahallah (56), Małgorzata Szumowska (53), Christian Friedel (47) und Michał Englert (51).
Von links nach rechts: Dr. Peter Tschentscher (60, SPD), Malika Rabahallah (56), Małgorzata Szumowska (53), Christian Friedel (47) und Michał Englert (51).  © Georg Wendt/dpa

Traditionell wurde es bei der Eröffnung des Filmfests auch politisch. Rabahallah warb in ihrer Rede für Optimismus, Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Perspektive immer wieder zu hinterfragen.

"Pessimismus ist ein Privileg", zitierte sie einen Satz, der sie seit einiger Zeit beschäftige. Sie wolle sich diesem Privileg bewusst verweigern und neugierig bleiben.

Gerade das Kino könne dabei helfen. Für zwei Stunden sehe man die Welt durch die Augen eines anderen Menschen, so die 56-Jährige.

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (60, SPD) betonte in seinen Grußworten, dass der Film neben Kultur, Lebensqualität sowie wirtschaftlicher Kraft, auch "eine besondere Bedeutung für unsere Demokratie" habe. Dabei gelte: "Die Freiheit der Kunst gilt auch für den Film."

Um das Festival möglichst niedrigschwellig zu gestalten und Kino für alle erlebbar zu machen, sind am 3. Oktober, dem Tag des freien Eintritts, auch in diesem Jahr alle Vorstellungen wieder kostenlos. Rabahallah rief das Publikum dazu auf, "zusammenzusitzen, zu weinen und zu lachen".

Filmfest Hamburg: Promi-Aufgebot auf dem Roten Teppich

Das Filmfest Hamburg ist auch ein alljährliches Branchentreffen: Die beiden Ausnahmeschauspielerinnen Nicole Heesters (89, l.) und Mechthild Großmann (77) standen nach eigenen Angaben bereits 1969 zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.
Das Filmfest Hamburg ist auch ein alljährliches Branchentreffen: Die beiden Ausnahmeschauspielerinnen Nicole Heesters (89, l.) und Mechthild Großmann (77) standen nach eigenen Angaben bereits 1969 zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.  © Madita Eggers/TAG24
Unter den prominenten Gästen waren auch die Schauspielbrüder Fridolin (39) und Merlin Sandmeyer (36).
Unter den prominenten Gästen waren auch die Schauspielbrüder Fridolin (39) und Merlin Sandmeyer (36).  © Georg Wendt/dpa
Als Vertreter des diesjährigen Binnenalster-Filmfests ließen sich auch Frank Otto (69) und Sandra Quadflieg (47) die Eröffnung nicht entgehen. "Der Eröffnungsfilm ist immer etwas Besonderes", so Otto. Für Schauspielerin Quadflieg ist das Filmfest ohnehin ein Pflichttermin: "Ich habe hier immer auch tolle Aufträge bekommen, weil wir so ein tolles Netzwerk sind."
Als Vertreter des diesjährigen Binnenalster-Filmfests ließen sich auch Frank Otto (69) und Sandra Quadflieg (47) die Eröffnung nicht entgehen. "Der Eröffnungsfilm ist immer etwas Besonderes", so Otto. Für Schauspielerin Quadflieg ist das Filmfest ohnehin ein Pflichttermin: "Ich habe hier immer auch tolle Aufträge bekommen, weil wir so ein tolles Netzwerk sind."  © Madita Eggers/TAG24

Bis zum 3. Oktober zeigt das Filmfest Hamburg 114 Filme aus 64 Ländern. Passend zum Thema des Eröffnungsfilms wurden 49 davon von Frauen oder in Co-Regie mit Frauen inszeniert. "The Idiot(s)" wird am Samstag noch einmal im CinemaxX Dammtor gezeigt. Restkarten und das vollständige Programm gibt es unter filmfesthamburg.de.

Titelfoto: Madita Eggers/TAG24

Mehr zum Thema Kino & Film News: