"Benedetta": Lesbische Liebe zwischen zwei Nonnen samt heißem Sex sprengt alle Tabus!

Deutschland - Der Erotikdrama-Spezialist meldet sich zurück! "Benedetta", das neueste Werk von Regie-Altmeister Paul Verhoeven (83, "Basic Instinct", "Show Girls"), startet am 2. Dezember in den deutschen Kinos und ist ein interessanter, aber auch polarisierender Film geworden. Die TAG24-Kritik.

Paul Verhoeven (83, l.) sorgt mit seinem lesbischen Nonnendrama für reichlich Gesprächsstoff.
Paul Verhoeven (83, l.) sorgt mit seinem lesbischen Nonnendrama für reichlich Gesprächsstoff.  © PR/capelight Pictures/Koch Films

Er beruht auf wahren Begebenheiten und behandelt die Geschichte der real existierenden Nonne Benedetta Carlini (Elena Plonka, 14/Virginie Efira, 44). Diese kommt aus einer wohlhabenden Familie und fällt schon früh auf, weil sie Wunder vollbringen kann.

So hält sie berittene Soldaten etwa davon ab, ihrer Mutter Midea (Clotilde Courau, 52) eine Goldkette zu stehlen, weil sie "nachweist", dass sie mit der Heiligen Jungfrau im Bunde ist, was die Männer verschreckt.

Die Familie und ihre Begleiter können daher ungestört weiter durch die Toskana des 17. Jahrhunderts reisen und kommen im Kloster von Pescia an, wo Äbtissin Felicita (Charlotte Rampling, 75) Benedettas Vater Giuliano (David Clavel, 49) klarmacht, dass sie seine Tochter nur gegen eine großzügige "Spende" aufnimmt.

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Das widerstrebt ihm zwar, doch er akzeptiert die Gegebenheiten, denn Benedetta will Gott und speziell Jesus dienen. Schließlich wurde sie schon nach ihrer Geburt wie durch ein Wunder gerettet und hat überlebt. Sie gewöhnt sich deshalb schnell an das Nonnenleben und rettet 18 Jahre später Bartolomea (Daphne Patakia, 29) vor ihrem gewalttätigen Vater, der sie nach dem Pesttod der Mutter zur Frau nahm und auch sexuell mit ihr verkehrte - wie ihr Bruder hinter dessen Rücken.

Benedetta ist entsetzt, fühlt sich aber sehr zu der jungen Dame hingezogen. So entwickelt sich zwischen beiden eine prickelnde lesbische Liebe, die aber jederzeit aufzufliegen droht. Denn Felicita und ihre Tochter Christina (Louise Chevillotte, 26) sind eifersüchtig auf Benedetta, die offenbar immer wieder mit Gott und Jesus spricht ...

Deutscher Trailer zu "Benedetta" mit Virginie Efira, Charlotte Rampling und Lambert Wilson

Paul Verhoeven überfrachtet "Benedetta", weshalb dem Erotikdrama mitunter der Fokus fehlt

Äbtissin Felicita (Charlotte Rampling, 75, r.) behält die Geschehnisse um Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44, 2.v.r.) genau im Blick.
Äbtissin Felicita (Charlotte Rampling, 75, r.) behält die Geschehnisse um Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44, 2.v.r.) genau im Blick.  © PR/capelight Pictures/Koch Films

Diese Geschichte hat Verhoeven ("Total Recall", "Black Book", "RoboCop") annehmbar, aber mit Schwächen umgesetzt. So setzt er zwar auf viel nackte Haut und einige durchaus explizite Sexszenen, überfrachtet sein Werk allerdings mit zu vielen Aspekten, die dann nur kurz angerissen werden.

Blasphemie, Glauben, (sexuelle) Selbstbestimmung, Freiheit und Fantasien, die schönen, aber auch niederträchtigen Gefühle sowie Handlungen der Menschen, Machtmissbrauch von Kirchenleuten, Selbstgeißelung, Folter, Hexenverbrennung oder die Pest: Verhoeven stopft seinen Film voll und verliert dabei immer wieder den Fokus.

Deswegen ist "Benedetta" zwar über die gesamten 131 Minuten interessant und aufgrund der bewusst skandalösen Themen sogar abgedreht, reißt emotional aber nicht wirklich mit, weil Tiefgang und Ausgewogenheit fehlen.

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Zudem wirkt die Handlung stellenweise unglaubwürdig und zu gewollt, wobei man hier erwähnen muss, dass sich Verhoeven das 1988 in Deutschland erschienene Buch "Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in Italien zur Zeit der Renaissance" von Judith Cora Brown (75) zur Vorlage nahm.

Daher beruht das Geschehen auf wahren Ereignissen. Die weiß der erfahrene Regisseur glücklicherweise gut zu inszenieren. Wie aus seinen vorherigen Arbeiten gewohnt spielt er mit dem Verlangen, Sehnsüchten und Wünschen der Zuschauer, setzt wieder auf Intrigen und berechnendes Verhalten seiner Figuren, was einige Gründe für seinen anhaltenden Erfolg sind.

Originaltrailer zu "Benedetta" von Paul Verhoeven mit Daphne Patakia und Olivier Rabourdin

Chemie zwischen Virginie Efira und Daphne Patakia ist die größte Stärke von "Benedetta"

Der Nuntius Alfonso Giglioli (Lambert Wilson, 63, l.) will Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44) loswerden.
Der Nuntius Alfonso Giglioli (Lambert Wilson, 63, l.) will Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44) loswerden.  © PR/capelight Pictures/Koch Films

So setzt er mit seiner Crew auf atmosphärisch ausgesuchte und detailliert ausgestattete Locations, eine ruhige Kameraführung voll starker Bilder, zeitversetzende Kostüme, erstklassiges Make-up, stimmige Kirchenchorklänge und treibt auch seinen Cast zu guten Leistungen an.

Efira ("Bis an die Grenze", "Sibyl - Therapie Zwecklos", "Ein Becken voller Männer") füllt ihre ambivalente Rolle mit all ihrer darstellerischen Qualität sowie Erfahrung aus und beweist dabei durchaus Mut, weil sie mehrfach komplett und oft halb nackt zu sehen ist.

Auch Schauspielgrößen wie Rampling ("Dune", "Red Sparrow", "Swimming Pool"), Wilson ("Matrix Reloaded", "Jacques - Entdecker der Ozeane", "Babylon A.D.") und Rabourdin ("96 Hours - Taken", "Midnight in Paris", "Monsieur Chocolat") demonstrieren ihre über Jahrzehnte nachgewiesenen Qualitäten hier ein weiteres Mal.

Das gilt ebenso für die junge Garde um Patakia ("Djam") und Chevillotte ("Synonymes"), die ihren wichtigen Parts Substanz verleihen, was auch mit dem Drehbuch und der Regieführung zusammenhängt. Die Charaktere sind dabei problemlos auseinanderzuhalten, weil alle Eigenheiten und unterschiedliche Ansichten haben, die klar herausgearbeitet werden. Die wohl größte Stärke des Films ist aber die Funken sprühende Chemie zwischen Efira und Patakia, die sich die Bälle gekonnt zuwerfen und gemeinsam mitreißen.

Bartolomea (Daphne Patakia, 29, l.) und Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44) fühlen sich zueinander hingezogen, müssen ihre lesbische Liebe aber geheim halten.
Bartolomea (Daphne Patakia, 29, l.) und Benedetta Carlini (Virginie Efira, 44) fühlen sich zueinander hingezogen, müssen ihre lesbische Liebe aber geheim halten.  © PR/capelight Pictures/Koch Films

Zusammengenommen ist "Benedetta" ein grundsolides Verhoeven-Erotikdrama geworden, das einen erstklassigen Cast versammelt, aber storytechnisch etwas zu viel möchte, sodass hier Balance und Tiefe fehlen. Wer sich auf ein abgedrehtes Themenfeuerwerk rund um Sex, Pest, Brutalität und Kirche einlassen möchte, ist trotz der Schwächen an der richtigen Stelle.

Titelfoto: PR/capelight Pictures/Koch Films

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