"Chase": Verzweifelter Ehemann richtet brutales Blutbad an

Deutschland - Lahmes Gemetzel statt "rasantem Thriller"! In "Chase - Nichts hält ihn auf" versucht ein betrogener Ehemann seine entführte Frau zu retten. Der Film läuft ab dem 15. September in den deutschen Kinos, ist aber leider ein neuer Tiefpunkt in Gerad Butlers (52) Karriere als Action-Star. Die TAG24-Kritik.

In "Chase - Nichts hält ihn auf" will Will (Gerad Butler, 52) seine Frau retten.
In "Chase - Nichts hält ihn auf" will Will (Gerad Butler, 52) seine Frau retten.  © Leonine

Für Will (Gerad Butler, "Gamer", "London Has Fallen") bahnt sich der wohl grausamste Tag seines Lebens an. Gemeinsam mit seiner Frau Lisa (Jaimie Alexander, 38) ist er unterwegs zu seinen Schwiegereltern.

Denn Lisa braucht Abstand. Obwohl sie es war, die ihren Mann betrogen hat, ist sie es auch, die ihre Beziehung auf unbestimmte Zeit pausieren möchte. Deswegen will sie einige Zeit bei ihren Eltern verbringen, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Doch dazu kommt es nicht. An einer Tankstelle ist Lisa plötzlich verschwunden - Will merkt schnell, dass irgendetwas nicht stimmt. Doch die Polizei scheint die Notlage falsch einzuschätzen.

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Die Ermittlungen starten behäbig, doch Will glaubt längst zu wissen, dass seine Frau entführt wurde. Also entschließt er sich, selbst nach ihr zu suchen.

Dabei schreckt er weder vor dem Gesetz noch vor seinen brutalen Gegenspielern zurück.

Der deutsche Trailer zu "Chase - Nichts hält ihn auf" mit Gerard Butler

"Chase" ist "Spurlos verschwunden" für Arme

Will und Lisa (Jaimie Alexander, 38) machen grade eine schwere Zeit in ihrer Beziehung durch.
Will und Lisa (Jaimie Alexander, 38) machen grade eine schwere Zeit in ihrer Beziehung durch.  © Leonine

Was Regisseur Brian Goodman (59, "What Doesn’t Kill You") mit seiner Mischung aus "Spurlos verschwunden" und "Taken" für Gefühle beim Publikum hervorrufen wollte, lässt sich auch für den größten Liebhaber stumpfer Action-Filme vermutlich nur schwer nachvollziehen.

Der brutale Thriller (der diesen Titel eigentlich nicht verdient hat) bedient sich an einer Story, die man schon dutzende Male gesehen hat - allerdings meist spannender, komplexer und cleverer inszeniert.

Frau wird entführt, Mann, der zur Selbstjustiz greifen muss, wird zum Helden.

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So weit, so langweilig. Doch der vermeintliche Twist, den Goodman seinem Film verpasste, macht das Ganze noch schlimmer: Will wurde von seiner Frau Lisa betrogen und verlassen - und nun soll ausgerechnet er sie retten.

Wer deswegen nun auf einen Kampf mit der Moral, einen vielschichtigen, fehlerhaften Protagonisten oder unerwartete Plot-Entwicklungen hofft, der wird bitterlich enttäuscht.

Gerard Butler im englischen Trailer zu "Chase" (Originaltitel "Last seen alive")

"Chase" hat eine mittelalterlich wirkende Message

Will muss Ermittler Paterson (Russell Hornsby, 48, r.) von seiner Unschuld überzeugen.
Will muss Ermittler Paterson (Russell Hornsby, 48, r.) von seiner Unschuld überzeugen.  © Leonine

Stattdessen bedient sich "Chase" grauenhafter Klischees. Der allem Anschein nach makellos maskuline Mann muss seine schwache, untreue Frau retten. Natürlich zögert er nicht eine Minute. Denn erst durch den Beweis seiner Stärke wird er in den Augen der Frau wieder zu einer guten Partie. Das 15. Jahrhundert hat angerufen, es will seine Heldengeschichten zurück...

Ein bisschen Selbstjustiz, Misstrauen gegenüber den Behörden und völlig irrationale Entscheidungen darf ein US-amerikanischer Action-Streifen natürlich auch nicht missen.

Was fehlt, sind allerdings eine intelligente oder wenigstens interessante Rahmenhandlung und packende Action-Sequenzen. Dafür, dass der Film recht brutal und kurz ist, ist er beeindruckend lahm. Die gesamte Story spielt sich hauptsächlich an zwei Orten ab - der Tankstelle, an der Lisa entführt wird, und einem Drogen-Labor im Wald.

Zwischendurch wird noch ein bisschen Auto gefahren, Polizeiwache gespielt und es werden irgendwelche Rückblenden von Will und Lisa gezeigt, die jedoch überhaupt nichts mit der weiteren Handlung zu tun haben.

Für seine Frau schreckt Will auch nicht vor einem brutalen Rachefeldzug zurück.
Für seine Frau schreckt Will auch nicht vor einem brutalen Rachefeldzug zurück.  © Leonine

Insgesamt wirkt "Chase" eher wie ein Low-Budget-Film, daran kann auch ein maximal mittelmäßig spielender Gerald Butler nichts ändern. Immerhin: Die musikalische Untermalung ist eines Action-Thrillers würdig und sorgt hier und da für einen Anflug von Spannung.

Ansonsten ist der Film wirklich nur denen zu empfehlen, die gern fast 90 Minuten lang einen in die Jahre gekommenen Butler ansehen wollen und die an einen Action-Thriller keinerlei Ansprüche - außer ein bisschen Gekämpfe und Geballer - stellen.

Titelfoto: Leonine

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