"Der perfekte Chef": Affäre von älterem Boss mit junger Praktikantin sorgt für Chaos!

Deutschland - Einer der großen Hits der Award-Saison! Mit "Der perfekte Chef" läuft am 28. Juli eine Satire über die moderne Arbeitswelt in den deutschen Kinos an. Weshalb das Werk von Fernando Leon de Aranoa (54) so überzeugend geraten ist, erfahrt Ihr folgend in der TAG24-Filmkritik.

Julio Blanco (Javier Bardem, 53) stellt mit seiner Firma Industriewaagen her und ist in seinem Bereich führend. Diesen Status möchte er natürlich beibehalten.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53) stellt mit seiner Firma Industriewaagen her und ist in seinem Bereich führend. Diesen Status möchte er natürlich beibehalten.  © PR/Alamode Filmverleih

Zu Beginn werden einige arabische Jugendliche im Park gezeigt, die von gleichaltrigen Spaniern überfallen werden. Unter anderem von Salva (Martin Paez), der mit seinen Leuten sogar noch auf einen am Boden liegenden Mann eintritt. Nur die eintreffende Polizei verhindert schlimmere Folgen. Salva wird geschnappt und landet im Gefängnis.

So bittet sein Vater Fortuna (Celso Bugallo, 75) seinen Chef Julio Blanco (Javier Bardem, 53), ein gutes Wort für Salva einzulegen, schließlich sei er "ein guter Junge". Da für Julio alle Probleme seiner Mitarbeitenden auch seine eigenen sind und er sie alle als seine Kinder betrachtet, bekommt er Salva frei und verschafft ihm einen Job.

Der junge Mann darf vor der Boutique von Blancos Frau Adela (Sonia Almarcha, 50) aufpassen, lungert da aber mehr herum und verprellt die Kundschaft. Das ist aber nicht Julios einziges Problem.

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Sein langjähriger Freund und Produktionschef Mirallas (Manolo Solo, 58) steckt in einer Ehekrise, was sich auch auf seine Arbeit auswirkt, die immer fehlerhafter wird. Darüber hinaus ist sein Logistikleiter Khaled (Tarik Rmili, 41) aufmüpfig und schläft mit vielen Frauen der Belegschaft. Zudem musste Blanco aus Kostengründen einige Leute entlassen. Jose (Oscar de la Fuente, 46) zählt dazu, ist deshalb verzweifelt und protestiert mit einem Megafon vor dem Fabrikgelände, beschimpft seinen Ex-Chef mit mehr oder weniger gelungenen Reimen.

Auch sein Wachmann Roman (Fernando Albizu, 58) strapaziert seine Nerven. Aber nicht so sehr wie die neue Praktikantin Liliana (Almudena Amor, 24), mit der er eine Affäre beginnt, durch die er und seine Firma endgültig im Chaos versinken. Dabei will er von der Regierung doch den Preis für exzellente Unternehmensführung bekommen. Und die zuständige Kommission hat ihren Besuch bereits angekündigt ...

Deutscher Trailer zu "Der perfekte Chef" mit Javier Bardem, Manolo Solo und Almudena Amor

"Der perfekte Chef" beleuchtet die moderne Arbeitswelt kritisch, aber auch unterhaltsam

Julio Blanco (Javier Bardem, 53, l.) ist von der charmanten Liliana (Almudena Amor, 24) hingerissen.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53, l.) ist von der charmanten Liliana (Almudena Amor, 24) hingerissen.  © PR/Alamode Filmverleih

Diese Geschichte hat de Aranoa ("A Perfect Day", "Loving Pablo", "Montags in der Sonne") klasse umgesetzt. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent entfaltet die ganze Kraft seines erstklassig durchdachten Werkes dank seiner puzzleteilartigen Platzierung von Details sowie Wendungen nach und nach.

Dadurch nimmt der Film schnell Fahrt auf und hält das Publikum über die gesamten 120 Minuten Laufzeit bei der Stange. Das liegt auch am hintergründigen, präzisen Skript, das mehrere Ebenen hat. Es entlarvt mit geschliffenen und oft doppeldeutigen Dialogen viele Probleme der modernen Arbeitswelt auf unterhaltsame Weise und stellt sie dennoch ernst dar, weshalb man sich noch weit nach dem Ansehen mit ihnen beschäftigt und vor allem identifizieren kann.

Im Kern geht es nämlich um Menschen, ihre Fehler, ihr Scheitern und die Widerstände, die sie überwinden müssen, um doch mal erfolgreich zu sein. Gezeigt wird all das am Beispiel eines Bosses, der es am liebsten allen recht machen will, aber feststellen muss, dass das nicht möglich ist und er nicht alles kontrollieren kann.

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Darüber hinaus zeigt de Aranoa deutlich, wie viel in der Großzahl von Unternehmen nur schöner Schein ist. Auch Blancos Betrieb glänzt nur an der Oberfläche. Gräbt man ein wenig tiefer, erkennt man viele Missstände und Probleme. Wie gründlich de Aranoa all diese Dinge beobachtet hat und mit Klischees wie der Affäre spielt, ist großes Autorenkino! Glücklicherweise gelingt es ihm auch noch, sie fließend in seine spannende und mitunter auch witzige Handlung einzuweben.

Spanischer Originaltrailer zu "El Buen Patron" von Fernando Leon de Aranoa mit Oscar de la Fuente

"Der perfekte Chef" wurde in Spanien für 20 Goyas nominiert

Julio Blanco (Javier Bardem, 53, l.) ist ambitioniert und will auch den nächsten Preis für seine unternehmerische Tätigkeit gewinnen.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53, l.) ist ambitioniert und will auch den nächsten Preis für seine unternehmerische Tätigkeit gewinnen.  © PR/Alamode Filmverleih

Trotz der vielen Charaktere ist die Komödie keineswegs überfrachtet. Denn die Figuren stehen allesamt symbolisch für eine größere Menschengruppe, weshalb sie im Zusammenspiel sehr gut funktionieren. Außerdem bekommen alle gute Szenen spendiert, weshalb auch viele kleine Auftritte in Erinnerung bleiben.

Dabei überragt besonders Bardem ("Wege des Lebens - The Roads Not Taken", "Dune", "James Bond: Skyfall"), der für seine irrwitzige und schauspielerische Weltklasse-Performance mehrfach ausgezeichnet wurde - wie auch die Satire an sich.

"Der perfekte Chef" hat in Spanien nämlich einen Rekord gebrochen und wurde als erster Film für 20 Goyas nominiert, von denen er sechs gewann, allesamt in den Hauptkategorien.

Weltweit kommt er auf 30 Preise sowie 47 Nominierungen und ging als spanischer "Oscar"-Kandidat ins Rennen, schaffte es bis in die Vorauswahl, aber nicht den Sprung unter die besten fünf Filme. Eine umstrittene Entscheidung, weil beispielsweise "The Hand of God" nur von durchwachsener Qualität war.

Doch der spätere Sieger "Drive My Car" war ein Ausnahmefilm, der norwegische Beitrag "Der schlimmste Mensch der Welt" ebenfalls grandios. Und letztlich schafften es sogar Spitzenwerke wie "A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani" oder "Große Freiheit" nicht über die Vorauswahl hinaus.

Julio Blanco (Javier Bardem, 53) lässt bei all dem Stress auch mal die Sau raus.
Julio Blanco (Javier Bardem, 53) lässt bei all dem Stress auch mal die Sau raus.  © PR/Alamode Filmverleih
Adela (Sonia Almarcha, 50, l.) ahnt nichts von der Affäre, die ihr Mann und Liliana (Almudena Amor, 24) haben, und kleidet die junge Dame in ihrer Boutique sogar noch besonders schön ein.
Adela (Sonia Almarcha, 50, l.) ahnt nichts von der Affäre, die ihr Mann und Liliana (Almudena Amor, 24) haben, und kleidet die junge Dame in ihrer Boutique sogar noch besonders schön ein.  © PR/Alamode Filmverleih

Zusammengenommen lohnt sich "Der perfekte Chef" als intelligente Komödie mit Tiefgang, die kurzweilig, interessant sowie mitreißend daherkommt und viele Probleme der modernen Arbeitswelt auf amüsante Weise behandelt. Dank der schönen Kostüme, der exzellenten Kameraführung und der abwechslungsreichen Locations gibt es viele Schauwerte. Deshalb ist er ein sehenswerter Film geworden, der sich auch auf der großen Leinwand lohnt!

Titelfoto: PR/Alamode Filmverleih

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