"Gretel & Hänsel": Kannibalen-Hexe sorgt für Ekel!

Deutschland - Der US-Horrorfilm "Gretel & Hänsel" sorgt mehrfach für Ekel! Denn wie hier das Essen im Hexenhaus zubereitet wird, ist wahrlich widerlich. Das Werk von Regisseur Osgood "Oz" Perkins ("Die Tochter des Teufels") beruht auf dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm und läuft am 9. Juli in den deutschen Kinos an. 

Gretel (Sophia Lillis) ist erleichtert, dass sie mit ihrem Bruder endlich einen (vermeintlich) sicheren Unterschlupf bei einer alten Frau mitten im Wald gefunden hat.
Gretel (Sophia Lillis) ist erleichtert, dass sie mit ihrem Bruder endlich einen (vermeintlich) sicheren Unterschlupf bei einer alten Frau mitten im Wald gefunden hat.  © PR/capelight Pictures/Patrick Redmond/72 dpi

In dieser sehr freien Interpretation steht vor allem Gretel (Sophia Lillis) im Mittelpunkt, die mit ihrem kleinen Bruder Hänsel (Samuel J. Leakey) von ihrer Mutter aus dem Haus gejagt wird.

Der Teenager weigerte sich nämlich, eine Stelle bei einem reichen alten und lüsternen Mann anzunehmen, der ihr zweideutige Angebote machte und sie auf unangenehme Weise von oben bis unten musterte. 

Zwar hätte sie bei ihm keinen Hunger mehr leiden müssen, doch der Preis war ihr verständlicherweise zu hoch. Also geht sie mit Hänsel in dieser düsteren Welt, der vielerorts die Menschlichkeit fehlt, in den Wald. 

Dort erreichen sie irgendwann und mit leeren Bäuchen ein finsteres Haus mit spitzem Dach, in dem eine mysteriöse alte Frau (Alice Krige) lebt, die sie bei sich wohnen lässt und alles tut, um sie bei sich zu behalten.

Doch Gretel und Hänsel spüren, dass mit der Hexe etwas nicht stimmt. Sie verlässt beispielsweise nie das Haus. Dennoch steht auch nach langer Zeit noch immer genau so viel Essen auf dem Tisch, wie bei ihrer Ankunft. 

Und genau hinter diesem kleinen Detail steckt ein schreckliches Geheimnis, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt...

Deutscher Trailer zu "Gretel & Hänsel" mit Sophia Lillis und Alice Krige

"Gretel & Hänsel" besticht handwerklich, doch die Umsetzung der Geschichte hat Schwächen

Die Hexe (Alice Krige) sieht durch Make-up und Kostüme hervorragend aus und passt perfekt in einen Horrorfilm.
Die Hexe (Alice Krige) sieht durch Make-up und Kostüme hervorragend aus und passt perfekt in einen Horrorfilm.  © PR/capelight Pictures/Patrick Redmond/72 dpi

Diese Geschichte hat Perkins allerdings nur durchwachsen umgesetzt. Auf der einen Seite bewegt sich sein Werk handwerklich auf absolutem Spitzenniveau.

Doch auf der anderen Seite ist die äußere Hülle zwar schön geraten, die inneren Werte, in diesem Fall Drehbuch, Erzähltempo, Storyführung und Dramaturgie, können aber nur bedingt überzeugen.

Das ist bedauerlich, denn zu Beginn ist das große Potenzial, das "Gretel & Hänsel" hat, erkennbar. 

Hier reißen das geniale Szenebild, die großartige Ausstattung, die überragende Kameraführung und die düsteren Locations noch mit und sorgen für eine dichte Atmosphäre.

Dadurch entsteht schon in den ersten Zügen eine Grundspannung, die aber leider nicht über die an sich kurze Laufzeit von 87 Minuten aufrecht erhalten werden kann.

Denn schon nach gut 20 Minuten beginnt sich der Stil abzunutzen. Zudem merkt man schnell: wirklich erschreckend oder gruselig ist der Film in keiner Sekunde.

Die Horroreffekte dürften nur Neulinge oder sehr schreckhafte Menschen zum Zusammenzucken bringen. Ansonsten beschränken sie sich auf den Faktor Ekel. Der kommt aber erst im letzten Drittel auf, was in der heutigen Zeit schlichtweg nicht reicht, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Deshalb gibt es im Mittelteil einige langatmige Sequenzen.

Sophia Lillis und Alice Krige können die Probleme von "Gretel & Hänsel" nicht überspielen

Gretel (Sophia Lillis) schaut sich in dem finsteren Haus um und entdeckt einige schreckliche Sachen.
Gretel (Sophia Lillis) schaut sich in dem finsteren Haus um und entdeckt einige schreckliche Sachen.  © PR/capelight Pictures/Patrick Redmond/72 dpi

Das liegt am zu gediegenen Erzähltempo, durch das dem Film die Dynamik fehlt. So wiederum vermag er es nicht, das Publikum zu fesseln.

Auch die holprige Dramaturgie hat daran ihren Anteil, denn dadurch gibt es zu wenige Highlights, weshalb eine echte Spannungskurve nicht existiert und man "Gretel & Hänsel" distanziert betrachtet.

Emotional mitgerissen wird man also nicht. Das ist besonders deshalb bitter, weil die Darstellerinnen  sehr gute Leistungen zeigen. Das Zusammenspiel von Lillis ("ES Kapitel 2") und Krige ("Star Trek: Der erste Kontakt") ist erstklassig.

Erstere beweist ein weiteres Mal, warum sie trotz ihrer lediglich 18 Jahre schon so gute Rollen bekommt. Sie erdet ihre Figur, verleiht ihr eine gewisse Hintergründigkeit und zeigt sich ausdrucksstark.

Krige hat - auch dank des erstklassigen Make-ups, der finsteren Kostüme und der Ausstattung -  eine diabolische Ausstrahlung.

Man merkt: hinter ihrer beherrscht-freundlichen Fassade steckt etwas ganz anderes, viel gefährlicheres. Doch den Machern gelingt es leider nicht, Kriges überragendes Spiel für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. So wirkt sie zwar phasenweise bedrohlich, doch bekommt keine Szenen spendiert, in denen sie das auch wirklich demonstrieren kann.

"Gretel & Hänsel" hat einen eigenen Ansatz, dessen Potenzial aber nicht ausgeschöpft wird

Die menschenfressende Hexe (r., Alice Krige) wohnt in einem düsteren Haus mit spitzem Dach. Gretel (l., Sophia Lillis) und Hänsel (Samuel J. Leakey) finden und betreten es.
Die menschenfressende Hexe (r., Alice Krige) wohnt in einem düsteren Haus mit spitzem Dach. Gretel (l., Sophia Lillis) und Hänsel (Samuel J. Leakey) finden und betreten es.  © PR/capelight Pictures/Patrick Redmond/72 dpi

Perkins hat mit seiner Interpretation des Klassikers durchaus einen eigenen und anderen Ansatz, in dem er die Charaktere und deren Entwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Doch damit geht er nicht in die Tiefe und braucht mehrfach auch zu lange, um zum Punkt zu kommen. 

Das sind zwei der Hauptgründe, warum sein Werk zwar fantastisch aussieht und eine interessante eigene Welt kreiert, die nach mehr Filmen oder sogar einer Serie schreit, aber dennoch nicht funktioniert. 

Hier haben Drehbuch und die Umsetzung trotz ausgefeilter Dialoge dann doch zu viele Schwächen. 

Ein wenig mehr Feinschliff hätte Wunder bewirken- und den Streifen zu einem exzellenten Genrefilm machen können. 

Davon ist er am Ende aber mehrere Klassen entfernt.

Das ist wirklich schade, weil die visuellen Reizpunkte groß sind und bleiben. Mehrfach öffnet man vor Erstaunen und Anerkennung den Mund und muss sich selbst wieder daran erinnern, ihn zu schließen, weil einem solch brillante Bilder voll finsterer cineastischer Schönheit gezeigt werden.

Trotz dieser hohen Qualität in Sachen Szenebild, Ausstattung, Kameraführung, Locations und Kostüme kann "Gretel & Hänsel" storytechnisch aus erwähnten Gründen aber nur bedingt überzeugen. Dafür haben Geschichte, Erzähltempo, Dramaturgie und die Charakterentwicklung zu große Schwächen und ist er als Horrorfilm schlichtweg nicht gruselig genug.

Titelfoto: PR/capelight Pictures/Patrick Redmond/72 dpi

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