"M3GAN": Kinderpuppe wird durch Fehlfunktion zum Killer-Roboter

Deutschland - Nach den Horror-Puppen übernehmen nun die Killer-KIs das Töten auf der Leinwand! Am heutigen Donnerstag, dem 12. Januar, erscheint "M3GAN" in den Kinos. Darin will ein Spielzeug nicht so recht auf seine Erfinderin hören. Kritik am Technikwahn verpackt in einen unterhaltsamen Film, der mehr Komödie als Horror ist. Die TAG24-Kritik.

Zunächst wird M3GAN für einen durchschlagenden Erfolg gehalten.
Zunächst wird M3GAN für einen durchschlagenden Erfolg gehalten.  © Universal Studios

Auf dem Weg zu einem Skiurlaub sterben die Eltern der kleinen Cady (Violet McGraw) bei einem tragischen Unfall. Spielzeug-Herstellerin Gemma (Allison Williams, 34) wird zum Vormund ihrer verwaisten Nichte.

Doch sie ist überfordert. Die Robotik-Expertin weiß Cady nicht zu beschäftigen und ist in Gedanken nur bei ihrem aktuellen Projekt, der Hightech-Puppe M3GAN, die über eine beachtliche Künstliche Intelligenz (KI) verfügt.

Kurzerhand bringt Gemma ihre Nichte und das fortschrittliche Spielzeug zusammen, schließlich wurde M3GAN dafür konzipiert, die beste Freundin eines Kindes und eine Verbündete der Eltern zu sein.

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Tatsächlich scheint die Puppe Cady bei der Traumabewältigung zu helfen - das kleine Mädchen kann wieder lachen. Doch im Verborgenen entwickelt M3GAN einen geradezu mörderischen Beschützerinstinkt.

Die Puppe gehorcht immer weniger auf Gemmas Anweisungen und beginnt schließlich, komplett eigenständig zu handeln. Wer Cady in die Quere kommt, bekommt es mit M3GAN zu tun!

Der deutsche Trailer zu "M3GAN"

Comedy statt Horror - "M3GAN" kennt seine Zielgruppe gut

Cady (Violet McGraw, r.), Gemma (Allison Williams, 34) und M3GAN beim gemeinsamen Abendessen.
Cady (Violet McGraw, r.), Gemma (Allison Williams, 34) und M3GAN beim gemeinsamen Abendessen.  © Universal Studios

Das Drehbuch von "M3GAN" stammt aus der Feder von Akela Cooper, die schon mit "Malignant" (2021) bewies, dass sie weiß, wie man eine abgedrehte Horror-Story zu Papier bringt. Wobei: als Horror kann man "M3GAN" eigentlich nicht bezeichnen.

Ganz im Stile von Puppen-Slashern wie "Chucky" hat der Film viele komödiantische Elemente. Die weit hergeholte, beinah trashige Geschichte funktioniert nur, weil der Film sich selbst nie zu ernst nimmt.

Die Rolle des bockigen, heimlich trauernden Mädchens spielt Jungstar Violet McGraw sehr überzeugend. Allison Williams scheint nach "Get Out" (2017) und "The Perfection" (2018) immer mehr zur Genre-Darstellerin zu werden.

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"M3GAN" kennt seine Zielgruppe sehr gut, das wurde bereits durch die kluge Marketing-Strategie in den sozialen Medien beweisen. Auf TikTok, Twitter und Co. generierte der Film mit relativ geringem Budget einen Hype, der sich an den US-Kinokassen auch sofort in Geld umwandelte.

Technikwahn (und Kritik daran), popkulturelle Referenzen, Schnelllebigkeit und (forcierte) Viralität - "M3GAN" liegt voll im Zeitgeist, ob es einem nun gefällt oder nicht. Unter der trashig-lustigen Oberfläche, überspielt von einigen netten Jump-Scares, liegen jedoch auch komplexere Themen.

"M3GAN" hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Ronny Chiengs (37) Charakter flieht vor M3GAN.
Ronny Chiengs (37) Charakter flieht vor M3GAN.  © Universal Studios

So beschreibt der Film, wie Trauerbewältigung im 21. Jahrhundert zur großen Herausforderung werden kann, vor allem für Kinder. Die Versuchungen, sich mit grellem, kurzweiligem Unterhaltungsstoff den Kopf vollzukleistern, sind riesig. Sich ehrlich seinen Emotionen zu stellen, ist schwerer.

Die bereits angesprochene Kritik am Technikwahn und wohl auch am gesamten Kapitalismus, der Gemma zur fremdgewordenen Tante und ihren Boss zum geldgeilen Menschenfeind macht, ist nett gemeint, aber etwas abgehalftert.

Die Menschheit, die sich seit der Industrialisierung ihr eigenes Grab schaufelt, visualisiert durch eine vom Mensch geschaffene, fortschrittliche Puppe, die zum Killer wird - eine Metapher, die es in ähnlicher Form schon zu häufig gab. Doch Chancen, die derartige Innovationen mit sich bringen könnten, werden konsequent weggewischt.

"M3GAN" hat für die geplante Fortsetzung noch viel Potenzial. Die Möglichkeiten, diese intelligente, kindliche Maschine auf der Leinwand ähnlich komplex zu Geltung zu bringen wie die KIs in "Her" (2013) oder "Ex Machina" (2015), sind noch lange nicht ausgeschöpft.

M3GAN scheint Cady zunächst gut bei ihrer Trauerbewältigung unterstützen zu können.
M3GAN scheint Cady zunächst gut bei ihrer Trauerbewältigung unterstützen zu können.  © Universal Studios

Dennoch ist "M3GAN" einen Kinobesuch alle Male wert und ein Deut in die Richtung, wie Filme in Zeiten von TikTok und Co. immer noch mit ernsteren Themen umgehen und ein jüngeres Publikum begeistern könnten.

Die Gefahr, zu sehr ins Oberflächliche und auf die Jagd nach viralen Momenten zu schlittern, ist jedoch groß.

Titelfoto: Fotomontage: Universal Studios

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