"Maria träumt": zwischen Vulva-Bäumen, Nacktmodellen und freier Liebe

Deutschland - Ganz simpel und doch so schön: Am heutigen 19. Januar läuft die französische Liebeskomödie "Maria träumt - Die Kunst des Neuanfangs" im deutschen Kino an. Die TAG24-Filmkritik.

Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois, 46) und Maria (Karin Viard, 56) kommen sich auf der Arbeit näher - aber Maria ist verheiratet.
Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois, 46) und Maria (Karin Viard, 56) kommen sich auf der Arbeit näher - aber Maria ist verheiratet.  © public insight/Julien Panie

Maria (Karin Viard, 56) hat vor vielen Jahren "übergangsweise" zu putzen angefangen, mittlerweile hat sie über 20 Jahre Berufserfahrung als Reinigungskraft und Haushälterin. Als ihre alte Arbeitgeberin stirbt, findet Maria rasch eine neue Anstellung in der Pariser Académie des Beaux-Arts, einer angesehenen Kunsthochschule.

Dort trifft sie auf allerhand kuriose Gestalten wie ihre arrogante Chefin Madame Desnoyers (Lauriane Escaffre, 44) oder die freigeistige Studentin Naomie (Noée Abita, "Ava", 23). Ein echtes Urgestein der Hochschule ist Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois, 46), der im Büro zu Rock 'n' Roll tanzt und übernächtigten Studenten in allen Notlagen unter die Arme greift.

Zwischen den beiden stimmt die Chemie, doch es gibt einige Hindernisse. Da wäre Marias Beziehung zu Oratio (Philippe Uchan, 61), die nach jahrzehntelanger Ehe und Familienstreitigkeiten allerdings zu bröckeln beginnt. Kann man wirklich mehrere Personen gleichzeitig lieben, wie Naomie es behauptet?

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Je länger Maria in der Académie arbeitet, desto stärker wird ihre immer schon präsente künstlerische Ader. Von Schimmel überzogene Kunstwerke, die sie zunächst versehentlich in den Müll geworfen hat, berühren nun ihre Gefühle. Als ein Aktmodell für die Studenten gesucht wird, lässt Maria alle Hüllen fallen. Ihr Mann soll davon jedoch nichts erfahren ...

Deutscher Trailer zu "Maria träumt - Die Kunst des Neuanfangs" mit Karin Viard und Grégory Gadebois

"Maria träumt" dreht sich um die sexuelle Wiederentdeckung jenseits der 50

Jeden Tag entdeckt Maria seltsame, berührende Kunst.
Jeden Tag entdeckt Maria seltsame, berührende Kunst.  © public insight/2022 ADNP TF1 STUDIO FRANCE 3 CINEMA

In "Maria träumt" geht es vordergründig um die Menschen, die ansonsten meistens im Hintergrund der Gesellschaft stehen. Co-Regisseurin Lauriane Escaffre ließ sich unter anderem von ihrer Großmutter inspirieren, die Räume betreten konnte, ohne dass sie jemand wahrnahm.

Die vielseitige, mehrfach ausgezeichnete Karin Viard ("Verstehen Sie die Béliers?") tritt überzeugend als schüchterne Mittfünfzigerin auf, die langsam aufblüht und sich in mehrfacher Hinsicht - auch sexuell - inspirieren lässt.

Regie führten das Doppelgespann Lauriane Escaffre und Yvo Muller, die in "Maria träumt" beide Nebenrollen spielten. Grégory Gadebois ("À la Carte"), der in deren gemeinsamen Kurzfilm "Pile Poil" ebenfalls die Hauptrolle übernahm, kehrt hier als überraschend romantische Figur mit wenigen Worten und sanftem Blick zurück.

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Ungewöhnlich und erfrischend ist die Romanze in besonderer Hinsicht: Frauen über 50 sind auf der französischen Leinwand stark unterrepräsentiert. Zudem liegt zwischen Männern und Frauen im Kino meistens ein Altersunterschied zwischen zehn und 15 Jahren - in der Realität ist das recht selten.

In einem blutbeschmierten Ballkleid steht Naomie (Noée Abita, 23) zwischen lauter Vulven und Penissen - es ist ihr Abschlussprojekt ...
In einem blutbeschmierten Ballkleid steht Naomie (Noée Abita, 23) zwischen lauter Vulven und Penissen - es ist ihr Abschlussprojekt ...  © public insight/2022 ADNP TF1 STUDIO FRANCE 3 CINEMA

Die Kunst spielt eine besondere Rolle in "Maria träumt"

Schon jetzt einer der schönsten Filmküsse des Jahres: Für "Maria träumt" wurden großartige Kunstwerke entwickelt.
Schon jetzt einer der schönsten Filmküsse des Jahres: Für "Maria träumt" wurden großartige Kunstwerke entwickelt.  © public insight/2022 ADNP TF1 STUDIO FRANCE 3 CINEMA

Zugegeben, "Maria träumt" bewegt sich eher auf einer typischen Schiene der leichten, aber seichten Liebeskomödie. Die Hintergründe von Marias Eheproblemen werden nur angedeutet und man wünscht sich, dass ihre Gedichte oder die komplizierte Beziehung zu ihrer Tochter einen höheren Stellenwert einnehmen würden.

Wo wichtige Teile der Liebesgeschichte unter den Tisch fallen, wird stattdessen die Kunst ins Rampenlicht gerückt. Und die will sich auf jeden Fall sehen lassen. In der Académie des Beaux-Arts wurde acht Tage lang gedreht.

Chef-Bühnenbildner David Bersanetti sorgte in Absprache mit den Studierenden für zauberhafte Werke, die oft zu Nebendarstellern werden. Im Fall einer zentralen Kussszene ist das auf besonders schöne Weise gelungen, nahm aber auch ganze zwei Drehtage in Anspruch.

Entstanden ist eine leichte, witzige Liebeskomödie, die leider besonders in der zweiten Hälfte einige Fragezeichen bei den Zuschauenden hinterlässt. Dafür überzeugen allerdings poetische Bilder, ein beschwingter Soundtrack von René Aubry und eine sehr sympathische Besetzung.

Titelfoto: public insight/2022 ADNP TF1 STUDIO FRANCE 3 CINEMA

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