"Neues aus der Welt" bei Netflix: Helena Zengel und Tom Hanks rocken bewegenden Western!

Deutschland - Großes (Heim-)Kino! Der "Oscar"-Kandidat "Neues aus der Welt" läuft seit dem heutigen 10. Februar exklusiv bei Netflix und ist eines der Film-Highlights des noch jungen Jahres!

Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) liest den interessierten Leuten die Neuigkeiten aus der Welt bzw. den USA vor.
Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) liest den interessierten Leuten die Neuigkeiten aus der Welt bzw. den USA vor.  © PR/Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

Das Western-Drama setzt 1870 in Wichita Falls, Nord-Texas, ein. Fünf Jahre nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg reist der frühere Südstaaten-Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) durch die Städte und liest seinen Zuhörern die Neuigkeiten aus der Welt vor.

Die freuen sich über die willkommene Abwechslung und Kidds Fähigkeiten, Geschichten lustig und unterhaltsam zu erzählen, was ihnen die Flucht aus der Realität ermöglicht.

Doch als Jefferson den Ort am Morgen verlässt und weiter reitet, wird er schnell wieder vom wahren Leben eingeholt. Er entdeckt eine überfallene Pferdekutsche und einen aufgehängten Indianer, um dessen Hals die rassistische Botschaft "Texas sagt NEIN! Dieses Land gehört den Weißen" steht.

Wenige Sekunden später sieht und hört er das verschreckte Mädchen Johanna Leonberger (Helena Zengel), das vor ihm flieht. Er verfolgt sie und wird von ihr gebissen, gewinnt dann aber doch ihr Vertrauen. Obwohl Johanna kein Englisch spricht, sondern nur Kiowa, versteht sie, dass Kidd ihr nichts Böses will.

Er nimmt sie mit, um sie in sichere Hände abzugeben. Das erweist sich jedoch als schwierig. Denn sie hat - wie Jefferson selbst - eine äußerst bewegte und tragische Vergangenheit...

Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks, l.) findet und kümmert sich um Johanna Leonberger (Helena Zengel).
Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks, l.) findet und kümmert sich um Johanna Leonberger (Helena Zengel).  © Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

"Neues aus der Welt" von Regisseur Paul Greengrass beeindruckt mit einer tiefschürfenden Story

Regisseur Paul Greengrass (65) hier 2016 beim Dreh von "Jason Bourne" in Berlin, hat mit "Neues aus der Welt" einen herausragenden Film gedreht.
Regisseur Paul Greengrass (65) hier 2016 beim Dreh von "Jason Bourne" in Berlin, hat mit "Neues aus der Welt" einen herausragenden Film gedreht.  © PR/Universal Pictures International France

Diese Geschichte hat der erfahrene Regisseur Paul Greengrass ("Die Bourne Verschwörung", "Das Bourne Ultimatum", "Jason Bourne") brillant inszeniert. Dem Filmschaffenden ist ein vielschichtiges Werk gelungen, das deutlich mehr ist, als ein einfaches Western-Drama.

Unter anderem dank des meisterlichen Drehbuchs und der intelligenten Dialoge reißt die Umsetzung des gleichnamigen Romans von Paulette Jiles aus dem Jahr 2016 auch emotional mit. Denn Greengrass legt viel Wert auf zeitgenössische Themen wie Alltagsrassismus, Politik und Ausgrenzung, untermauert sie mit fließend in die Handlung eingearbeitetem Subtext.

Das wird bereits in einer Szene zu Beginn deutlich: Nachdem Kidd seine junge Gefährtin bei Freunden untergebracht hat, geht er wieder seinem Job nach und liest die News vor. Eine stößt den Anwesenden besonders sauer auf.

US-Präsident Ulysses S. Grant hat angeordnet, dass Texas die Zusatzartikel 13 bis 15 der Verfassung umsetzen muss, bevor es eine Rückkehr in die Union geben kann. Die Abschaffung der Sklaverei, das Wahlrecht für ehemalige Sklaven und die Rückzahlung der Kriegsschulden müssen gewährleistet sein. Ein Mann steht nach dieser Verkündigung wütend auf und ergreift das Wort: "Ich sage Nein. Ich sage, Texas zuerst und zur Hölle mit den Zusatzartikeln." Dafür bekommt er Applaus und Zustimmungsrufe.

Die Stimmung ist anschließend aggressiv, weshalb die anwesenden "Yankee"-Soldaten ihre Waffen ziehen. Kidd schreitet ein und beruhigt die Situation mit seiner Menschlichkeit. Er versteht den Frust der Anwesenden nur zu gut, gibt aber auch zu bedenken, dass die Zeiten allgemein hart sind: "Wir alle leiden. Jeder von uns." Durch diese mitfühlenden Worte löst sich der aufkeimende Hass sofort wieder auf.

Deutscher Trailer zum "Oscar"-Kandidaten "Neues aus der Welt" mit Tom Hanks und Helena Zengel

Helena Zengel beeindruckt in "Neues aus der Welt" und spielt mit Tom Hanks auf Augenhöhe!

Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks, r.) beschützt Johanna Leonberger (Helena Zengel) als drei widerliche Ex-Soldaten sie "kaufen" wollen.
Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks, r.) beschützt Johanna Leonberger (Helena Zengel) als drei widerliche Ex-Soldaten sie "kaufen" wollen.  © PR/Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

Diese kurze Sequenz des 120 Minuten langen Films ist klasse, aber nur einer von vielen herausragenden Momenten. Denn Greengrass gelingt darüber hinaus der Balanceakt, mit einer Handlung, die mehr als 150 Jahre in der Vergangenheit spielt, viele aktuell schwelende Probleme anzusprechen und universelle Themen zu behandeln.

Es geht beispielsweise auch darum, sich seinen inneren Dämonen zu stellen. Die abenteuerliche Reise hilft ihm und Leonberger bei der Selbstfindung und Erkenntnis, was für sie wirklich wichtig im Leben ist. Dass dieser Aspekt und viele weitere eine so glaubwürdige Wirkung haben, liegt vornehmlich am schlichtweg brillanten Zusammenspiel von Hanks ("Forrest Gump", "Philadelphia", "Der Soldat James Ryan") und Zengel ("Systemsprenger") zwischen denen die Chemie erkennbar stimmt.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie die 12-jährige Berlinerin auf Augenhöhe mit dem Mega-Star agiert, der in seiner jahrzehntelangen Karriere 90 Filmpreise (darunter zwei "Oscars") gewonnen hat und für 195 (!) weitere nominiert war.

Daher verwundert es überhaupt nicht, dass die Schülerin unter anderem für den "Golden Globe" und für die "Broadcast Film Critics Association Awards" als beste Nebendarstellerin nominiert ist. Wie in "Systemsprenger" zeigt Zengel auch hier ihr natürliches Schauspieltalent, verleiht ihrer Figur mehrere Ebenen, somit Tiefe und Intensität. Das gilt auch für Hanks, der das Drama darüber hinaus gekonnt erdet.

Weiterer deutscher Trailer zu "Neues aus der Welt" mit Tom Hanks und Helena Zengel

Tom Hanks (64, l.) und Helena Zengel (12) heben "Neues aus der Welt" mit ihrer Schauspielkunst gemeinsam auf ein höheres Level.
Tom Hanks (64, l.) und Helena Zengel (12) heben "Neues aus der Welt" mit ihrer Schauspielkunst gemeinsam auf ein höheres Level.  © PR/Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

"Neues aus der Welt" ist eine echte Filmperle, die mit wunderschönen Western-Aufnahmen verzaubert

Johanna Leonberger (Helena Zengel, v.-l.) und Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) erleben gemeinsam spannende Abenteuer im Wilden Westen.
Johanna Leonberger (Helena Zengel, v.-l.) und Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) erleben gemeinsam spannende Abenteuer im Wilden Westen.  © PR/Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

Hanks und Zengel werden aber auch tatkräftig von der Crew unterstützt. Etwa vom erstklassigen polnischen Kameramann Dariusz Wolski ("Fluch der Karibik" 1-4, "The Walk", "Der Marsianer: Rettet Mark Watney"), der wie gewohnt reihenweise poetische Bilder komponiert, die erkennbar für die große Leinwand produziert wurden, glücklicherweise aber auch im Heimkino gut zur Geltung kommen und die Zuschauer zusätzlich in die Geschichte hineinziehen.

Dank der abwechslungsreichen Locations, aufwendigen Spezialeffekte, des fabelhaften Szenebildes, komprimierten Schnitts, der zeitversetzenden sowie exzellent ausgewählten Kostüme und der mitreißenden, weil stimmigen Musikuntermalung vom achtfach "Oscar"-nominierten James Newton Howard ("Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen", "King Kong", "The Dark Knight") ist die Atmosphäre extrem dicht und die Spannung groß.

Weil auch die Erzählung Hand, Fuß und Hintergrund hat, fiebert man mit und spürt überhaupt nicht, wie die Zeit vergeht. Gerade in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gibt es einige Highlights, weil Hanks hier auch einige Male selbst Deutsch spricht. Leider gibt es hier auch einen kleinen Negativpunkt. Dass der Südafrikaner Neil Sandilands und die New Yorkerin das deutsche Ehepaar Wilhelm und Anna Leonberger spielen, aber nur (sehr) gebrochen Deutsch sprechen, ist völlig unnötig, aber auch die einzige Mini-Schwäche dieses Ausnahmewerks.

Denn "Neues aus der Welt" ist dank des kongenialen Duos Hanks und Zengel, der kraftvollen Geschichte und der fantastischen Umsetzung definitiv eine lohnenswerte Perle mit Tiefgang, die vermutlich noch einige Awards gewinnen wird.

Titelfoto: PR/Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

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