"Raya und der letzte Drache" kommt düster daher: Gier der Menschen zerstört die Welt!

Deutschland - Ganz großes (Heim-)Kino! "Raya und der letzte Drache" ist seit dem 4. Juni endlich auch im Abo von Disney+ enthalten und ein Meisterwerk für die ganze Familie.

Die junge Raya (l.) und ihr Vater, Oberhaupt Benja, wollen die Welt wieder zu einem besseren Ort machen. Dabei stoßen sie jedoch auf viel Widerstand.
Die junge Raya (l.) und ihr Vater, Oberhaupt Benja, wollen die Welt wieder zu einem besseren Ort machen. Dabei stoßen sie jedoch auf viel Widerstand.  © PR/Disney/Disney•Pixar

Der Film reißt von der ersten bis zur letzten Sekunde dank seiner hohen Qualität und emotionalen Wucht mit. Die Hauptrolle spielt Raya, die zu Beginn kurz eingeführt wird und dann die traurige Geschichte von Kumandra erzählt.

Das war vor 500 Jahren ein großes, vereintes Land, in dem alle Menschen Seite an Seite mit Drachen in Harmonie lebten. Es war das Paradies auf Erden. Dann jedoch tauchten mit den Druun Schattengestalten auf. Sie vermehren sich, indem sie Leben verzehren und verwandeln jeden, den sie berührten, auf der Stelle in Stein.

Die Drachen kämpften für die Menschen, doch sie behielten nur dank Sisudatu die Oberhand, die die Kräfte der anderen magischen Wesen in sich bündelte und die Druun besiegte.

Anschließend kehrten zwar alle Stein-Menschen wieder ins Leben zurück, doch der Preis war sehr hoch. Denn die Drachen kamen nicht wieder. Lediglich Sisus Edelstein blieb übrig. Doch anstatt ihn zu ehren, bekriegten sich die Menschen gegenseitig, um den letzten Rest Magie für sich zu gewinnen. Grenzen wurden gezogen, Kumandra in die fünf Länder Herz, Schweif, Klaue, Kamm und Zahn aufgeteilt, die untereinander verfeindet waren und viele Vorurteile gegeneinander hegten.

Daran zerbrach die Welt jedoch nicht. Sondern erst, als Raya ins Spiel kam. Ihr weiser und weitsichtiger Vater Benja und sie sind die Hüter des Edelsteins und laden die anderen Nationen zu sich ein, um endlich wieder Frieden zu schließen. Raya wird jedoch von Namaari aus Zahn hintergangen. Ihr Vater "Ba" wird angeschossen, die Menschen der anderen Länder kämpfen um das Juwel - und zerbrechen es in fünf Teile! Die Druun kehren augenblicklich zurück und greifen an...

Deutscher Trailer zu "Raya und der letzte Drache" von Walt Disney

"Raya und der letzte Drache" ist Disneys neustes Meisterwerk

Disneys Ausnahmefilm beeindruckt mit Kreativität, einer fantasievoll gestalteten Welt und wunderschönen Animationen.
Disneys Ausnahmefilm beeindruckt mit Kreativität, einer fantasievoll gestalteten Welt und wunderschönen Animationen.  © PR/Disney/Disney•Pixar

Diese Geschichte haben die Regisseure Don Hall ("Baymax - Riesiges Robowabohu") und Carlos Lopez Estrada ("Blindspotting") herausragend umgesetzt. Ihnen ist einer der besten Disney-Filme dieses Jahrtausends gelungen - und das will schon etwas heißen!

Die Kreativköpfe verbinden Fantasy-Elemente mit stark choreografierten Kampfszenen, satter Action, Endzeitstimmung, einer Story voller Werte und sorgen mit auflockernden Sequenzen immer wieder für Situationskomik und Erheiterung.

Dabei holen sie das Publikum auf einer tief schürfenden Ebene ab, weshalb man von Beginn an voll in die spannende Welt von "Raya und der letzte Drache" eintauchen kann. Gerade Erwachsene werden viele Parallelen zur Realität entdecken. Wie gewohnt lässt Disney viele Zwischentöne und universelle Themen einfließen, die auch für Kinder verständlich aufbereitet werden.

Es geht unter anderem um das Überwinden von Hindernissen sowie Vorurteilen, den Kampf für ein besseres Leben, Selbstbestimmung, Familie, Freundschaft, füreinander einzustehen und auch darum, an sich selbst zu glauben sowie andere so zu akzeptieren, wie sie sind. Gerade, wenn sie die ein oder andere Macke haben.

All diese wichtigen Dinge werden exzellent und fließend in die Handlung eingearbeitet, die ohnehin angenehm reif und modern daherkommt. In den Hauptrollen sind dabei vornehmlich starke Frauenfiguren zu finden, die Kindern und Jugendlichen als Vorbild dienen - und mit denen sich auch Erwachsene anfreunden können.

Deutscher Teaser-Trailer zu Disneys "Raya und der letzte Drache"

"Raya und der letzte Drache" überzeugt mit universellen Themen und sehr viel Menschlichkeit

Raya (l.) und Namaari liefern sich einige beeindruckend choreografierte Kämpfe auf anspruchsvollen Niveau.
Raya (l.) und Namaari liefern sich einige beeindruckend choreografierte Kämpfe auf anspruchsvollen Niveau.  © PR/Disney/Disney•Pixar

Besonders positiv: Disney hat glücklicherweise auf eine Liebesgeschichte verzichtet und vertraut der kraftvollen Erzählung, was sich als goldrichtige Entscheidung herausstellt.

So gibt es keine unnötige Ablenkung, ist der Film komprimiert und voller Highlights. Denn obwohl hier durchaus schwere Aspekte des Lebens - wie der Verlust von geliebten Menschen - behandelt werden, stimmt die erzählerische Balance und Struktur durchgehend.

Denn es gibt immer wieder amüsante Szenen, auch Hoffnungsschimmer werden gekonnt an den richtigen Stellen eingearbeitet. Raya, Sisu, drei putzige Affen, ein Baby, ein Berg von einem Mann und ein gewiefter Junge als Schiffskapitän sorgen für angenehme Unterhaltung und einige Lacher.

All diese sympathischen Protagonisten zeigen des Weiteren, wie angenehm es ist, als Team zusammenzuarbeiten und sich nicht einzeln durchs Leben kämpfen zu müssen.

So ist nicht nur das brillante, weil vielschichtige Drehbuch auf einem Spitzenlevel, sondern auch die visuellen Aspekte. Die satte Farbpracht begeistert, dazu sind die Animationen und die abwechslungsreichen Locations in Verbindung mit der dynamischen Kameraführung eine Wucht.

Englischer Originaltrailer zu "Raya and the Last Dragon"

"Raya und der letzte Drache" hat viele charismatische Figuren zu bieten

Sisu (l.) und Raya unterstützen einander bei ihren Zielen.
Sisu (l.) und Raya unterstützen einander bei ihren Zielen.  © PR/Disney/Disney•Pixar

Die Crew durfte sich optisch richtig austoben! Auch allgemein waren der Kreativität in jederlei Hinsicht keine Grenzen gesetzt. Die besten Sachen, für die Disney weltbekannt geworden ist, finden sich auch in diesem Film wieder.

Das gilt unter anderem für die Liebe der Macher zu ihrem Werk und ihren Figuren. Diese ist durchgängig zu spüren und überträgt sich auf die Zuschauer, die dadurch mit den Charakteren mitfiebern. Sie können sich aus einer Vielzahl (im positiven Sinne) eigenwilliger Protagonisten ihren Favoriten heraussuchen.

Aufgrund all dieser Stärken kann man schon jetzt festhalten: Zwar hat die neue Award-Saison gerade erst begonnen, doch jeder andere Animationsfilm wird es richtig schwer haben, diesem Disney-Kracher den Favoritenstatus für den "Oscar" 2022 zu klauen.

Denn wer neben wunderschönen cineastischen Bildern, die einfach ein Augenschmaus sind, auch noch so eine gewichtige und demokratische Geschichte zu erzählen hat, der wird qualitativ nur schwer zu überbieten sein.

"Raya und der letzte Drache" ist nämlich auf einer Ebene mit zeitlosen Disney-Klassikern wie "Zoomania", "Oben", "Ratatouille" oder "Toy Story 4" einzuordnen.

Titelfoto: PR/Disney/Disney•Pixar

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