Tränen, Streit und ein unerwartetes Baby: Doku enthüllt neue Geheimnisse der Toten Hosen
Düsseldorf - Mit zwölf Nummer-1-Alben und über 18 Millionen verkaufen Tonträgern gehören die Toten Hosen zu den erfolgreichsten Bands aus Deutschland überhaupt. Anlässlich ihres am 29. Mai erscheinenden letzten Albums "Trink aus, wir müssen gehen!" wurde die Gruppe zwei Jahre lang von Regisseur Eric Friedler (54) begleitet.
Herausgekommen ist der 90-minütige Dokumentarfilm "Die Toten Hosen - Das letzte Album". Der Streifen liefert nicht nur ein ungeschminktes Porträt der Düsseldorfer Band samt einer Zeitreise durch 40 Jahre Musikgeschichte, sondern bringt auch das eine oder andere bislang unbekannte Geheimnis ans Licht.
Dass sich Zuschauer zunächst aber auf jede Menge Emotionen einstellen müssen, wird schon nach nicht einmal einer Minute klar. "Ich fühle keine Euphorie. Ich renne jetzt nicht hier raus und sage: 'Toll, dass das jetzt das Letzte war.' Sondern ich bin betrübt", klagt Frontmann Campino (63) mit brüchiger Stimme direkt zu Beginn des Films. Die Veröffentlichung des letzten "Hosen-Albums" löse schlicht etwas in ihm aus, ergänzt er.
Dabei hatten die Punkrocker einige Zeit, sich auf das nahende Ende ihrer Musikkarrieren einzustellen. Zwei Jahre lang wurden sie von Friedler begleitet. Der Regisseur war hautnah dabei, wie sich Campino, Andreas von Holst (61), Michael Breitkopf (62), Andreas Meurer (63) und Vom Ritchie (61) in einem umgebauten Bauernhof im Münsterland einquartierten, um dort mit Leib- und Magen-Produzent Vincent Sorg (52) an ihrem 16. Studioalbum zu feilen.
Die Einblicke für die Fans sind intim. Sie sind dabei, wie die Musiker jeweils in ihren eigenen kleinen Zimmern auf dem Hof übernachten, wie sie sich morgens Nutella-Brötchen schmieren und sich in verschiedenen Stilrichtungen ausprobieren. Selbst vor einem eigenen Oktoberfest-Song schreckt Campino nicht zurück - auch, wenn der seinen Kollegen ganz und gar nicht gefällt.
Tote-Hosen-Frontmann Campino ist noch einmal Vater geworden
Auch Streitigkeiten und Uneinigkeiten innerhalb der Band werden thematisiert. So betont Gitarrist von Holst etwa, dass er mit der Entscheidung, ein letztes gemeinsames Album aufzunehmen, nicht glücklich ist. "Ich hätte mich nicht so entschieden", betont er.
Schlagzeuger Ritchie klagt hingegen, dass er auch nach 27 Jahren noch immer "der Neue" sei, das auch immer so bleiben würde und man sich sowieso immer nach dem Willen von Frontmann Campino richten müsse. "Wenn dir etwas gefällt und Campi nicht, dann war's das", stellt er klar.
Daneben erfahren auch langjährige Band-Anhänger Neues über ihre Idole: So singt der Frontmann etwa neue Songs traditionell erst einmal ausschließlich in Anwesenheit von Produzent Sorg ein, alle anderen müssen das Studio verlassen.
Und: Der 63-Jährige verrät erstmals, dass er "für mich selbst sehr überraschenderweise" noch einmal Vater geworden ist. Er habe sein Leben daher noch einmal ungeplant neu ordnen müssen. "Ich hatte mir den Weg zur Rente anders vorgestellt, aber das fällt jetzt aus", sagt er.
Campinos bitteres Fazit: "Komme mir vor wie verprügelt"
Besonders nachdenklich wird es immer dann, wenn es näher auf den Veröffentlichungstermin des Albums zugeht - vor allem Campino zieht sich dann zunehmend zurück, um bei Waldspaziergängen neue Ideen zu sammeln und Kraft zu tanken. Am Ende schreibt die Band "40 bis 50" Songs, 16 davon schaffen es aufs letzte Album. Als das Werk vollbracht und alles auf Band ist, zieht Campino ein überraschendes Fazit. "Ich komme mir vor wie verprügelt", sagt er.
Die 90-minütige Dokumentation "Die Toten Hosen - Das letzte Album" ist seit Mittwoch in der ARD-Mediathek abrufbar. Am Samstag feiert sie zudem nach dem DFB-Pokalfinale um 23.25 Uhr im Ersten ihre TV-Premiere.
Titelfoto: Bildmontage: SWR/Donata Wenders (2)

