Collien Fernandes leidet unter Anfeindungen und Hass: "Ging mir vor der Anzeige besser"
Berlin - Collien Fernandes (44) hat sich erneut öffentlich zu Wort gemeldet und spricht in einem Interview über die psychischen Folgen ihrer Anzeige gegen Ex-Mann Christian Ulmen (50).
Der "Süddeutschen Zeitung" erklärte die Schauspielerin, sie habe mit heftigen Reaktionen zu kämpfen. Sie erhalte Hassnachrichten und Drohungen, die psychische Belastung durch die öffentliche Reaktion auf ihre Vorwürfe sei enorm.
Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: "Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt."
So ergehe es auch vielen anderen Frauen in ihrer Position: "Auch das schilderten mir viele Frauen: Der erste Schmerz sei die Tat, der zweite die Stigmatisierung, die folgt, sobald man den Mund aufmacht. Man sei eine rachsüchtige Ex, die lügt, und so weiter."
Viele Betroffene würde es daher vorziehen, ihre Erfahrung nicht öffentlich zu machen. Collien Fernandes: "Ich verstehe immer mehr, warum so viele Frauen so etwas nicht zur Anzeige bringen. Man hört in dem Kontext oft: Ich halte nicht aus, was danach passieren wird."
Für die 44-Jährige erklärt sich daraus auch die große Wut so vieler Frauen, die nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ulmen in zahlreichen deutschen Städten auf die Straße gingen.
Collien Fernandes: "Es braucht diesen Aufschrei der Menschen"
"Denn jeder hat es entweder selbst erlebt oder kennt ein Opfer, aber irgendwie kennt keiner einen Täter. Die beschuldigten Männer wollen es immer nicht gewesen sein. Sie sind ja alle Feministen", so Collien.
"Ich glaube, es braucht diesen Aufschrei der Menschen da draußen, um zu sagen: Es reicht, jetzt bitte endlich echter Feminismus von Männern und keinen Pseudo-Feminismus."
Zudem bedeute ihre Erfahrung einen schwerwiegenden Vertrauensverlust: "Ich habe das Gefühl, dass ich meinen ehemaligen Ehepartner erst nach vielen Jahren richtig kennengelernt habe, eigentlich erst nach 15 Jahren. Und wenn 15 Jahre nicht ausreichen, um jemanden wirklich zu kennen, wie lang soll ich dann jetzt bitte daten?"
Hintergrund des Falls sind schwere Vorwürfe gegen Christian Ulmen. Fernandes wirft ihm vor, über Jahre Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber mit zahlreichen Männern kommuniziert zu haben. Zudem soll er laut ihrer Darstellung pornografische Inhalte verbreitet haben, die ihr ähneln sollten. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

