Star-Köchin Cornelia Poletto: "Ich bin die Koch-Omi der Branche"

Hamburg - Am Montag ist die Bewerbungsphase für den bundesweiten Wettbewerb "Lokalhelden gesucht" der Firma "VistaPrint" gestartet, der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal stattfindet. Wie schon 2025 sitzt auch dieses Mal Star-Köchin Cornelia Poletto (54) in der Jury und wählt fünf Finalisten aus, die in einem finalen Publikums-Voting die Chance auf 20.000 Euro haben. Im TAG24-Interview sprach die gebürtige Hamburgerin über die besonderen Herausforderungen der Gastronomie.

Cornelia Poletto (54, r.) mit einer der letztjährigen Finalistinnen von "Lokalhelden gesucht": Louisa Boysen, die in Dagebüll ihr eigenes Restaurant "Louisas Heimatküche" führt.  © Louisa Boysen

TAG24: Frau Poletto, wie haben Sie die erste Runde von "Lokalhelden gesucht" erlebt?

Poletto: Ich fand es wirklich toll. Es gab viel positives Feedback, deutlich mehr Sichtbarkeit und auch neue Ideen, die daraus entstanden sind.

Ich bin ja sozusagen schon die Koch-Omi in dieser Branche, aber durch solche Initiativen entstehen wieder tolle neue Kontakte. Manche fragen mich auch weiterhin nach meinem Rat und das macht einfach Spaß. In der Gastronomie geht es schließlich um Menschen und echte Begegnungen. Auch Gäste sollten spüren, dass Gastgeber sich freuen, dass sie da sind.

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TAG24: Ist es üblich, sich in der Gastronomiebranche gegenseitig zu unterstützen?

Poletto: Das Schöne an der Gastronomie ist, dass wir irgendwie alle eine Familie sind. Egal ob in der eigenen Stadt oder auf dem Land - man sucht den Austausch, weil wir alle im selben Boot sitzen.

TAG24: Sie haben auch schon über die besonderen Herausforderungen für Frauen in der Gastronomie gesprochen.

Poletto: Ja, gerade als Frau und Mutter sind diese nicht ohne. Ein Restaurant zu führen, das abends geöffnet hat, während man Kinder betreut - das ist wirklich schwierig. Wie teilt man sich auf? Wer übernimmt wann? Bei uns war das damals auch so. Meine Tochter ist jetzt 24. Wir haben über dem Restaurant gewohnt - Papi und Mami unten im Restaurant.

Erst hat der Sohn vom saarländischen Hausmeister abends auf sie aufgepasst, später hatten wir dann ein Babyfon. Wenn sie sich gemeldet hat, war immer die Frage: Wer geht jetzt hoch? Schaffst du es oder bin ich gerade mitten im Service?

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Cornelia Poletto über "viele kleine Hilferufe"

Cornelia Poletto ist regelmäßig in der ZDF-Sendung "Küchenschlacht" zu sehen.  © ZDF/Gunnar Nicolaus

TAG24: Sie hatten im vergangenen Jahr gesagt, dass die letzten Jahre die härtesten Ihrer Karriere waren. Hat sich die Lage 2025 eher verbessert oder verschlechtert?

Poletto: Wenn ich die Zahlen sehe, hatten wir 2025 rund 39 Prozent mehr Insolvenzen in der Gastronomie als im Vorjahr. Natürlich fing vieles mit Corona an - das war eine enorme Herausforderung. Jeder hat überlegt, was man tun kann. Aber je kleiner und unsichtbarer man ist, desto weniger Möglichkeiten hat man.

Selbst in einer großartigen Stadt wie Hamburg mit vielen Touristen ist es schwierig. Woher sollen die wissen, wo die kleinen, süßen Läden sind? Ich habe das erst kürzlich wieder erlebt. Ich war bei der Küchenschlacht und eine Kandidatin fragte: 'Wo kann man montags in Hamburg essen gehen?' Und wir alle - Tarik Rose, Maurizio Oster und ich - mussten sagen: Montags ist das echt schwierig.

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Bis Tarik auf einen kleinen Laden in der Schanze kam und genau deshalb erzählen wir die Geschichten dieser kleinen Gastronomen: dass die Leute wissen, wo es besondere Orte gibt.

TAG24: Hat Sie bei den letztjährigen Bewerbungen etwas besonders überrascht oder bewegt?

Poletto: Es bewegt einen schon sehr. Viele Geschichten sind positiv, aber es gibt auch kleine Hilferufe. Ich bin seit fast 26 Jahren selbstständig und kenne fast alle der geschilderten Herausforderungen.

Die Gäste wollen aber natürlich nicht hören, dass gerade der Wärmespeicher kaputt ist oder die Markise nicht funktioniert. Wenn jemand fragt: "Frau Poletto, geht es Ihnen gut?", kann man schlecht sagen: "eigentlich nicht". Die Gäste sollen hören: "Schön, dass ihr da seid. Genießt den Abend." Diese Balance ist manchmal wirklich schwierig.

"Lokalhelden gesucht": "Wir hoffen auf noch mehr Bewerber"

Cornelia Poletto und Daniel Engelhardt, Senior Country Marketing Manager von VistaPrint, bei der Vorstellung von "Lokalhelden gesucht" Anfang März in der "Cucina Cornelia Poletto" in Hamburg.  © Tag24/Madita Eggers

TAG24: Gerade aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen stelle ich es mir sehr schwer vor, aus all den Bewerbungen am Ende fünf Finalisten auszuwählen.

Poletto: Für mich sind vor allem die persönlichen Geschichten entscheidend - und der Mut, etwas Außergewöhnliches zu wagen. Manchmal sind es die kleinsten Betriebe mit den tollsten Ideen.

Hier in Eppendorf gibt es zum Beispiel ein junges Paar, das fantastische Pralinen herstellt. Ich habe nur durch Gäste von ihnen erfahren. Dann bin ich selbst hingefahren und war sofort begeistert. Seitdem gibt es ihre Pralinen am Ende jedes meiner Menüs. Und genau um diese Sichtbarkeit geht es.

TAG24: Wird sich der Wettbewerb in diesem Jahr verändern?

Poletto: Eigentlich nicht, wir hoffen natürlich auf noch mehr Bewerbungen, vielleicht hat sich die Aktion inzwischen auch weiter herumgesprochen. Wichtig ist, dass die Gastronomen ihre Geschichte erzählen und ehrlich über ihre Herausforderungen sprechen.

Noch bis zum 12. April können sich kleine Gastronomiebetriebe aus ganz Deutschland für "Lokalhelden gesucht" bewerben.

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