Olympia-Held Fabian Hambüchen über verpasste Jugend: "War mir alles scheißegal"
Köln/Bergisch Gladbach - Fast zehn Jahre liegt der Gold-Triumph von Fabian Hambüchen (38) bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro inzwischen zurück. Nun hat der Ex-Turner verraten, wie hart sein Weg an die Spitze wirklich war - und wie viel er dafür opfern musste.
"Ich habe mit vier damals angefangen", erinnert sich der heute 38-Jährige im BILD-Podcast an seine ersten Schritte in der Turnhalle. Schnell sei ihm dann klar geworden, dass er irgendwann nicht nur die größte Sportbühne überhaupt betreten, sondern dort auch alle anderen Athleten in den Schatten stellen will.
Diesem großen Traum ordnete er in seiner Jugend alles unter. Während seine Altersgenossen auf Partys die Sau herausließen, gerne mal einen über den Durst tranken und einfach ihre Freizeit genossen, wuchs Hambüchen selbst überwiegend in der Turnhalle mit harter Arbeit, Training und ganz viel Magnesia auf.
Bereuen tut er das nicht. "Das war mir alles scheißegal", meint Hambüchen, der aufgrund seiner nur 1,68 Meter Körpergröße einst auf den Namen "Turnfloh" getauft wurde. Einzig eine Sache bereut er heute: Dass er nicht zu seinem eigenen Abi-Ball gegangen ist, sondern stattdessen im Trainingslager war. "Das ist das Einzige, was ich nicht nachholen kann", erzählt er.
Die logische Folge der harten Arbeit: In Athen gab der gebürtige Bergisch Gladbacher mit 16 Jahren sein olympisches Debüt und qualifizierte sich im Einzel für die Finals am Reck und im Mehrkampf. Es folgten EM-Titel am Reck in den Jahren 2005 und 2007 sowie die Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften 2007.
Der erste große Karriereknick kam dann bei Olympia 2008. Statt auf Platz eins landete der damalige Top-Favorit nur auf dem dritten Rang. Hambüchen war anschließend so enttäuscht, dass er seine Bronzemedaille kaum anschauen konnte. "Ich habe das Ding gehasst", erzählt er. Schließlich sei der dritte Platz für ihn "die größte Niederlage überhaupt" gewesen.
Fabian Hambüchen opferte für Gold-Triumph seine Karriere
Und auch vier Jahre später in London sollte sich sein großer Traum noch nicht erfüllen: Er erreichte nur Silber. Viel zu wenig für den ehrgeizigen Athleten. "Ich war zu sehr bei den Medaillen und nicht bei dem, was ich selbst beeinflussen kann", weiß er nun.
Weitere vier Jahre später stand er schließlich vor der Wahl: Entweder seine seit Jahren verletzte Schulter operieren oder alles riskieren. Er entschied sich für das "All In".
Obwohl er monatelang nur eingeschränkt trainieren konnte und sich nur gerade so für Olympia qualifizierte, gelang ihm am 16. August 2016 der ganz große Wurf: Hambüchen holte sich endlich die Goldmedaille.
"Das war der schönste Moment", erinnert er sich fast zehn Jahre später. Doch sein Sieg hatte einen Preis: "Am nächsten Tag konnte ich den Arm wieder nur 90 Grad heben." Trotzdem weiß er: "Wenn du alles einem Ziel unterordnest und es wirklich hundert Prozent angehst, dann kannst du es schaffen."
Titelfoto: Bildmontage: Toshifumi Kitamura / AFP, Thomas Coex / AFP

