Von Wolfgang Jung
Kirchheim - Harald Glööckler (61) ist weg. Vier Jahre Berlin liegen hinter ihm, nun zieht es den schillernden Modemacher in die Provinz. In die Pfalz, nach Kirchheim. Garten statt Großstadtdschungel.
Wer ihn in seinem dortigen Château Pompöös besucht, merkt schnell: Glööckler ist nicht einfach umgezogen. Er sucht Abstand. "Es wurde mir schlicht zu viel", sagt der 61-Jährige. Berlin möge er weiterhin. "Aber ich bin jetzt mal raus."
Durchgestylt und im Scheinwerferlicht: Eigentlich kennt man den in Maulbronn (Baden-Württemberg) geborenen Künstler nur so. Aber schon im RTL-Dschungelcamp überraschte er 2022 viele mit tiefgründigen Gedanken.
Glööckler hatte sich einst beim Teleshopping einen Namen gemacht und entwirft unter dem Begriff "Pompöös" von Mode und Schmuck über den Hundenapf mit Krönchen bis zur Tapete fast alles.
Make-up, glitzernde Kleidung und ein pechschwarzer Bart sind zum Markenzeichen geworden.
Ikarus darf laufen, Glööckler darf atmen
Nun also Kirchheim, das rund 2000 Einwohner zählende Weindorf, in das Glööckler erstmals 2015 gezogen war. Seine Freunde in der Hauptstadt hätten Verständnis, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Berlin sei anstrengend, schmutzig und energieraubend geworden.
Kirchheim ist Lebensmittelpunkt, aber sein Terminkalender ist voll. Basel, Wien, Frankreich - Glööckler bleibt unterwegs. Doch wenn er zurückkehrt, sagt er, wartet ein Ort, der sich wie ein Zuhause anfühlt.
Vor allem aber ist da der Garten. In Berlin habe er diese Ruhe vermisst. Dort sei seine Popularität zuletzt noch einmal geradezu explodiert. In Kirchheim kann er aufstehen, Kaffee trinken, den Hund hinauslassen und in den Tag kommen.
Glööckler braucht die Ruhe
Doch Glööckler bleibt Glööckler. Sein Rückzug ist keine Auszeit. In Basel steht eine Modenschau an, zudem arbeitet er an einer Auktion im Kunsthaus Bad Vilbel. Eine Taschenkollektion kommt, eine neue T-Shirt-Kollektion, eine Kaftan-Linie. Podcasts und Streamingformate entstehen. Im Oktober steht eine Vernissage in Hamburg an. Und bei der Frankfurter Buchmesse will Glööckler ein neues Buch präsentieren.
Und da ist die Show "Jede Frau ist eine Prinzessin" in Berlin. Die Hauptstadt bleibe Teil seines Lebens, sagt er. Nur eben nicht mehr Mittelpunkt. Vier Jahre Großstadt haben etwas in ihm verschoben.
Er habe es vermisst, aus dem Haus zu gehen, ohne sich zurechtzumachen, sagt er. In Kirchheim sei das möglich. Hier muss Harald beim Schritt vor die Tür nicht erst zu Glööckler werden.