Jan Josef Liefers gibt Medien Schelle und holt zum Corona-Rundumschlag aus

Berlin - Ironisch überspitzter Appell von Jan Josef Liefers (56)! Der Schauspieler und Musiker äußert sich in einer Videobotschaft kritisch zum Journalismus in Corona-Zeiten und zu der Pandemie-Politik der Bundesregierung. Was hinter der "Alles dicht machen!"-Protestaktion im Netz steckt.

Der Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers (56) mischt bei "Alles dicht machen!" mit. (Archivbild)
Der Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers (56) mischt bei "Alles dicht machen!" mit. (Archivbild)  © Oliver Berg/dpa

"Ich möchte heute Danke sagen", beginnt der politisch aktive "Tatort"-Star am Donnerstag sein ironisches Statement auf YouTube.

Sein Dank gehe "an alle Medien unseres Landes, die seit einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben und dafür sorgen, dass kein unnötiger kritischer Disput uns ablenken kann von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessen Maßnahmen unserer Regierung."

Doch nicht nur mit den Medien und der Corona-Diskurskultur rechnet der Schauspieler gnadenlos ab. Liefers, der wenige Tage vor dem Fall der Berliner Mauer gegen die DDR-Politik auf die Straße ging, und zuletzt verstärkt den Umgang mit der Corona-Krise in schärfsten Tönen kritisierte, urteilt unter anderem auch knallhart über Mediziner.

"Verantwortungslosen, menschenverachtenden Ärzten und Wissenschaftlern, die zu anderen Schlüssen kommen als die beratenden Experten unserer Regierung und die sich mit Professuren an weltberühmten Universitäten und Nobelpreisen schmücken, ich möchte sagen, tarnen, dürften wir keine Bühne geben", meint der Schauspieler voller Sarkasmus.

Der Künstler ergänzt mit einem Funkeln in den Augen und einem unterdrückten Grinsen: "Schließlich wissen nur ganz wenige Spezialisten, was gut für uns ist."

Der Musiker scheint sich indes auf Medien eingeschossen zu haben. "In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass einige Zeitungen damit alte, überwundene Vorstellungen von kritischem Journalismus wieder aufleben zu lassen", findet Liefers und barmt augenzwinkernd: "Dagegen müssen wir uns wehren. Das dürfen wir nicht zulassen."

"Alles dicht machen!": Jan Josef Liefers setzt auf YouTube Spitzen gegen den deutschen Corona-Kurs

Jan Josef Liefers äußert sich auf Instagram zur bitterbösen Lockdown-Satire #allesdichtmachen

"Tatort"-Star Jan Josef Liefers (56) spart in seinem ironischen Statement nicht mit Kritik an der Corona-Berichterstattung. (Archivbild)
"Tatort"-Star Jan Josef Liefers (56) spart in seinem ironischen Statement nicht mit Kritik an der Corona-Berichterstattung. (Archivbild)  © Oliver Berg/dpa

Sein eindringlicher Appell: "Wir sollten einfach nur allem zustimmen und tun, was man uns sagt. Nur so kommen wir gut durch die Pandemie." Der gebürtige Dresdner schließt mit den Worten: "Bleiben Sie gesund, verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln Sie nicht."

Hintergrund der bitterbösen Lockdown-Satire: Sind Liefers bissige Aussagen für bare Münze zu nehmen? Immerhin appellierte er erst vor wenigen Tagen an die Bundesregierung für die Fortsetzung des Tübinger Corona-Modellprojekts, das nun aber wegen der Bundes-Notbremse nach sechs Wochen abgebrochen werden muss.

Was hat es also mit dem Video auf sich? "Mein Punkt waren die Medien und ihre primäre Berichterstattung im letzten Jahr. Habt Ihr Euch rundherum gut informiert gefühlt? Konntet Ihr Euch aus den Nachrichten eine eigene Meinung bilden? Oder habt Ihr Euch manipuliert gefühlt?", fragt Liefers auf seinem Instagram-Profil.

Weiter übt er Kritik: "Nur halb informiert? Habt Ihr es auch so erlebt, als wären die meisten Journalisten plötzlich einem Chor beigetreten? Mich interessieren Eure Ansichten dazu."

Twitter lief daraufhin am Donnerstagabend heiß. Die Hashtags #Allesdichtmachen, #Niewiederaufmachen und #Lockdownfürimmer landeten im Nu in den Trends ganz oben und gaben weiter Auskunft.

In den sozialen Medien trafen die ironisch-satirischen Clips demnach auf geteilte Meinungen und es zeichnete sich ein weites Spektrum an Reaktionen ab, darunter waren von prominenter Seite unzählige entsetzte Stimmen zu hören. Von rechtsaußen hingegen kamen Claqueure ihrer Wutbürgerpflicht nach.

53 deutsche Schauspieler, darunter auch "Tatort"-Ermittler wie Meret Becker (52) oder Ulrich Tukur (63), führen gemeinsam in der "Alles dicht machen!"-Kampagne in Clips eine scharfe Klinge, zerrupfen teils sarkastisch, teils zynisch die deutsche Corona-Politik und halten dabei auch "Querdenkern" den Spiegel vor. Die Münchner Firma Wunder Am Werk GmbH war laut Impressum vermutlich bei der Aktion federführend. Die offizielle Webseite allesdichtmachen.de ging wegen des Riesen-Ansturms in die Knie und brach am späten Abend vorübergehend zusammen.

Update, 23. April, 1 Uhr: Jan Josef Liefers stellt in einem Twitter-Thread seine Ansichten klar

In der Nacht zum Freitag äußerte sich Liefers in einem Twitter-Thread: "Klartext. Ich setze mich kritisch mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid 19 auseinander. Besonders wegen der in Kauf genommenen Verluste in Kultur und Kunst und der Veranstaltungsbranche. Auch im jüngsten Video, das ein ironischer Kommentar über Prioritäten von Medien sein sollte."

Liefers betonte: "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt."

Und weiter: "Ich bin bei all denen, die zwischen die Fronten geraten sind, den Verängstigten, den Verunsicherten, den Verstörten und Eingeschüchterten, den Verstummten, den Hin- und Hergerissenen. Denen, die während der ständig erneuerten ineffektiven Lockdowns häusliche Gewalt erleiden müssen und bei den unverzeihlichsten aller Kollateralschäden, den Kindern. Gute Nacht zusammen."

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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