Hamburg - Im BSW tobt ein offener Machtkampf. Die Bundesspitze will die Thüringer Fraktion zum Ausstieg aus der Brombeerkoalition drängen. Dies lehnt Katja Wolf (50), die Chefin des Landesverbands, jedoch ab. Der Streit war am Donnerstagabend großes Thema in der Sendung von Markus Lanz (57). Dabei verriet Journalist Reinhard Bingener (47) ein überraschendes Detail über das Vorgehen des BSW.
So erzählte der Gast: "Die Partei ist wirklich zerrüttet." Ende letzten Jahres habe ein Landesparteitag in Sachsen-Anhalt das Ziel gehabt, BSW-Mitgliedern, die sich mit Thüringer Vertretern ausgetauscht und getroffen hätten, eine "Kontaktschuld" zur Last zu legen. "Die wurden aus dem Landesvorstand entfernt", berichtet der 47-Jährige.
Lanz unterbrach ihn fassungslos: "Im Ernst jetzt?", zeigte er sich völlig überrascht, woraufhin Bingener sagte: "Ja, das war so." Auch die ebenfalls anwesende Katja Wolf bestätigte die Schilderung.
Weiter offenbarte der FAZ-Redakteur, dass während der Versammlung ein Teilnehmer aufgestanden sei und beklagt habe, dass ihn der Umgang der Partei "an die düstersten Zeiten des Stalinismus" erinnere, wo man vor die Halle gebeten und erschossen worden sei.
"Das war natürlich übertrieben, aber es gab so ein bisschen wieder, welcher Grad von Zerrüttung – und das ist ja auch im Umfeld von Sahra Wagenknecht nicht das erste Mal der Fall – aber jetzt inzwischen auch im BSW herrscht", so Bingener.
"Zeit"-Journalistin über BSW-Plan: "Dürfen nicht in einem Boot mit der CDU und der SPD sitzen"
Markus Lanz wollte im weiteren Verlauf der Sendung verstehen, welchen Plan die Spitze der Bundespartei mit Blick auf Sachsen-Anhalt verfolgt. "Warum soll das BSW in Thüringen die Thüringer Landesregierung zum Scheitern bringen?", fragte er.
Dazu erklärte Anne Hähnig (38), Politik-Ressortleiterin bei der "Zeit", dass Wagenknecht nach dem verpassten Einzug in den Bundestag ihr politisches Projekt retten möchte und deshalb fest davon überzeugt sei, dass dies nur funktioniere, wenn das BSW keine Regierungsverantwortung innehabe.
"Wir dürfen nicht in einem Boot mit der CDU und der SPD sitzen. Wir sind etwas anderes. Wir sind dagegen. Wir sind gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Wir sind für eine andere Sozialpolitik. Wir machen nichts mit denen zusammen", schätzt Hähnig die Denkweise der BSW-Gründerin ein.
Die komplette, rund 76-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.