Markus Lanz konfrontiert CDU-Politiker mit Umfrage-Zahlen: Plötzlich verstummt sein Gast
Hamburg - Es war ein skurriler Moment: Am Mittwochabend ist der geladene CDU-Politiker Sepp Müller (37) im ZDF plötzlich verstummt, nachdem ihn Markus Lanz (57) mit einem Umfrage-Ergebnis konfrontiert hatte.
Zunächst brachte der Moderator eine Aussage des Bundeskanzlers vor, dass es ein "gutes Jahr für uns" gewesen sei. "Was ist das? Ist das Realitätsverweigerung? Ist das Autosuggestion? Was ist das?", wollte Lanz wissen.
Darauf Müller: "Ich gehe fest davon aus, dass Friedrich Merz dort die Außenpolitik gemeint hat. Innenpolitisch müssen wir besser werden." Der Gastgeber bohrte weiter: "Das heißt, Sie sind nicht der Meinung, dass es ein gutes Jahr für Deutschland war?"
Der Politiker wiederholte: "Innenpolitisch müssen wir besser werden. Insbesondere beim Wirtschaftswachstum sind wir nicht da, wo wir hinwollen. Und deshalb kann das kein gutes Jahr für Deutschland in Summe gewesen sein."
Der Moderator merkte, dass er langsam vorankommt, und untermauerte seine Nachfragen noch mit einer Zahl: "87 Prozent sind mit der Bundesregierung unzufrieden", sagte er, woraufhin der Christdemokrat in Schweigen verfiel. Lanz nutzte die Pause und schlussfolgerte: "Nur noch 13 Prozent sind zufrieden mit dem, was Sie machen."
Journalistin Eva Quadbeck über Kanzler-Aussage: "Ist wirklich Quatsch"
Der Bundestagsabgeordnete fing sich im weiteren Verlauf der Sendung wieder und versuchte es mit einer erneuten Erklärung: "Ich kann den Unmut vollkommen verstehen, weil wir eine Erwartungshaltung geweckt haben [...], die wichtige Themen - insbesondere das Wirtschaftswachstum - adressieren. [...] Die Menschen sind unzufrieden und das kann ich nachvollziehen."
Lanz wollte eine Einschätzung der anwesenden Leiterin der RND-Hauptstadtredaktion hören: "Frau Quadbeck, was ist das? Ist das Realitätsverweigerung? Oder ist das ein weiteres Beispiel für einfach schlechte Kommunikation?"
Darauf die Journalistin: "Im Regierungsviertel - und das macht ja nicht nur die Union so - hat sich eine Sportart breitgemacht, dass man alles schönredet. [...] Natürlich ist es wirklich Quatsch, wenn der Kanzler sagt, dass das ein gutes Jahr war."
Es sei "in Teilen" ein verlorenes Jahr gewesen, weil die Koalition nicht schnell genug gearbeitet und ihre Versprechen nicht erfüllt habe. "Und weil es ihr auch nicht gelungen ist, den Leuten so was wie Hoffnung zurückzugeben."
Die komplette, rund 74-minütige Folge mit allen Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: ZDF/Cornelia Lehmann

