"Nicht schlau genug": Markus Lanz von Selbstzweifeln geplagt
Hamburg - Er ist einer der bekanntesten Moderatoren im Deutschen Fernsehen: Markus Lanz (57). Doch trotz seines jahrelangen Erfolgs plagen selbst den größten TV-Profi immer wieder Selbstzweifel.
Immer wieder begleiten den Podcaster Unsicherheiten: "Nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug", zählt Lanz im Gespräch mit "Stern" seine Zweifel auf. "Aber vielleicht hat es genau deshalb mit mir und Deutschland so gut gepasst: immer zweifeln, immer hinterfragen."
Gebürtig kommt der 57-Jährige nämlich aus Italien und wuchs mit einem Bruder und einer Schwester in Südtirol auf. Selbstzweifel werden nach Aussage des Moderators oft als Makel beklagt. "Aber ich glaube, dass es genau der Zweifel war, der Wunsch, es immer noch ein bisschen besser zu machen, der dieses Land so erfolgreich gemacht hat."
Generell habe er als Kind bereits früh arbeiten müssen, etwa auf Kartoffeläckern und in Hotels als Tellerwäscher. "Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt." Doch genau diese Erfahrung war es, die ihm den Antrieb gegeben habe, aus diesen Gegebenheiten herauszukommen.
"Herumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leute haben. Und es war auch mein Minderwertigkeitskomplex", erklärt er dazu weiter. Heute führe er ein selbstbestimmtes Leben. Es sei seiner Meinung nach "das Beste, was man erreichen kann."
Markus Lanz über Parodien: "Das ist die höchste Form der Anerkennung"
Über die jahrelange Arbeit im TV-Geschäft entwickelte sich bei dem 57-Jährigen fast schon eine Art Markenzeichen: Der Zeigefinger am Kinn, während er weit nach vorne gebeugt seinen Gesprächspartnern zuhört und Fragen stellt. Häufig eine Steilvorlage für Karikaturen und Parodien auf Social Media.
Was Lanz von diesen überspitzten Darstellungen hält? "Das ist die höchste Form der Anerkennung. Meine Kinder zeigen mir auch immer, wenn mich mal wieder jemand im Netz nachgemacht hat", gesteht der Moderator. Lanz ist Vater von drei Kindern. "Aber ich sitze davor und bin der Meinung: Das bin doch gar nicht ich. Dabei bin ich es wahrscheinlich zu einhundert Prozent."
Was ihn an dem Markus Lanz stört, den er in den Parodien erkennt: "Ich rutsche ständig auf meinem Stuhl umher, fuchtele mit den Händen herum, und diese Parodien überzeichnen das noch mal." Es werde damit ein Mann gezeigt, der nach Aussage des TV-Profis besser im Radio statt im Fernsehen aufgehoben wäre.
Titelfoto: Georg Wendt/dpa
