Nach fast 50 Jahren! Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" ein
Von Christoph Driessen
Berlin - Alice Schwarzer (83) stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin "Emma" ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln mit. Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. "Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben", versicherte Schwarzer in einer Erklärung. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!"
"Emma" habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und "gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus" Position bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."
Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin. Die von ihr gegründete "Emma" erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei beschreibt Schwarzer heute so: "Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen so genannten 'Männermedien', die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten."
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei.
2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg auch Folgen für die Abonnentinnenzahl der "Emma" habe. Zwar habe es "für Emmas Friedenskurs" 2023 viel Zustimmung von den Leserinnen gegeben. "Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll wehtun - und tut es auch. Warum tun Leserinnen das bei einem Magazin, das vom Abo lebt?" Sie werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen.
Alice Schwarzer immer wieder in der Kritik
Proteste zog Schwarzer auch mit ihrer Haltung zu Transpersonen auf sich. 2023 forderten 33 Autorinnen und Künstler die Absage einer Veranstaltung mit ihr beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie immer wieder durch "transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen" auffalle.
Schwarzer reagierte empört, sie habe Transsexuelle noch nie angegriffen, versicherte sie der dpa. "Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert." Es müsse möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.
Immer mal wieder kam auch die Frage auf, ob Schwarzer die Leitung der im Zweimonatsrhythmus erscheinenden "Emma" nicht in jüngere Hände geben müsse. 2008 übernahm tatsächlich die Journalistin Lisa Ortgies die Chefredaktion, doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis und Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.
In der am 27. Oktober erscheinenden vorletzten "Emma"-Ausgabe versichert Schwarzer, sie habe im Laufe der Zeit durchaus versucht, "weitere Kolleginnen in unserem Geiste" zu finden, immer wieder auch eine potenzielle Chefredakteurin.
Es gebe auch Journalistinnen, die dafür infrage gekommen wären, doch hätten diese Kolleginnen andere Medien bevorzugt. Begründung: "Da weht der Wind von außen nicht ganz so rau."
Titelfoto: Bildmontage/EMMA/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa

