Romantiker des Rock: Nick Cave & The Bad Seeds bei den Filmnächten

Dresden - Manche nennen ihn Schmerzensmann, seine Musik wird auf Hochzeiten und zu Begräbnissen gespielt, jedes seiner Konzerte gemahnt mittlerweile an eine Andacht für Tausende: Nick Cave (68) gilt seit Jahrzehnten als einer der letzten großen Romantiker der Rockmusik. Am Sonntag gibt er mit seiner Band The Bad Seeds ein Konzert bei den Filmnächten am Elbufer.

Nick Cave (68) 2005 bei der Londoner Premiere der TV-Serie "The Death of Bunny Munro", die auf einem Roman von ihm beruht.  © IMAGO/Anadolu Agency

Nick Cave vereint Kult, Charisma und Poesie in einer Person. Stets im schwarzen Anzug besingt er Schmerz und Hoffnung, Apokalypse und Erlösung mit derselben Dringlichkeit.

Mit den Bad Seeds, jener multinationalen Formation, die 1983 im West-Berliner Exil aus den Trümmern seiner australischen Post-Punkband The Birthday Party hervorging, hat Cave ein Werk geschaffen, das sich Kategorisierungen entzieht, das zwischen düsterem Gospel, literarischer Ballade und eruptivem Rock changiert.

Mitunter wird Cave als "Godfather of Goth" tituliert, eine Zuschreibung, die er laut Interviewaussagen allerdings verabscheut.

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Mit ungestümem Krach begann Caves musikalische Karriere, als er mit dem Multiinstrumentalisten Mick Harvey und dem Einstürzende-Neubauten-Frontmann Blixa Bargeld als Gitarrist die Bad Seeds gründete, damals war er ein ausgemergelter Heroin-Junkie.

Das noch rohe Debütalbum "From Her To Eternity" erschien 1984. Eine ungestüme Live-Performance des Titelstücks hat Regisseur Wim Wenders, bis heute enger Freund von Cave, in seinem Film "Der Himmel über Berlin" (1987) dokumentiert.

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Einem breiten Publikum wurde er 1996 bekannt

Der Superstar im engen Kontakt zu seinem Publikum bei einem Konzert 2004.  © Megan Cullen

Mit den Jahren wurde Cave clean, begann sich zu häuten, ließ den scheppernden Untergangspoeten hinter sich. Er singt seitdem von seelischen Abgründen, Todeskandidaten auf dem elektrischen Stuhl ("The Mercy Seat"), Sucht und Kriminalität.

Seit dem Album "The Good Son" (1990) experimentiert er zudem mit melancholischen Piano-Balladen. Einem breiten Publikum wurde er 1996 bekannt, mit dem morbid-poppigen Album "Murder Ballads", aus dem er "Where the Wild Roses Grow" als Single auskoppelte.

Das Duett mit Popstar Kylie Minogue verschaffte ihm einen für Fans der frühen Phase unwahrscheinlich geglaubten Hit. Bei Konzerten führt er ihn jedoch selten auf.

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18 Studioalben, unzählige Nebenprojekte, Filmmusiken und literarische Arbeiten Caves stehen mittlerweile zu Buche. In jüngerer Zeit verarbeitete Cave den tragischen Tod zweier Söhne auf den Alben "Skeleton Tree" (2016) und "Ghosteen (2019) - ergreifende, fast sakrale Trauergesänge, vom mittlerweile festen musikalischen Partner Warren Ellis kongenial mitarrangiert.

Banausen bezeichnen Cave deshalb mitunter als "Depri-Sänger". Was Unfug ist und längst überholt: Das jüngste Album "Wild God" (2024) feiert mit schwelgender Orchester-Opulenz längst wieder das Leben und einen optimistschen Blick nach vorn.

Das Konzert in Dresden ist ausverkauft

Schmerz und Trost, Dunkelheit und Licht finden auf der Bühne zusammen, dort entfalten die Songs ihre Kraft, Cave und seine Bad Seeds interpretieren sie teils flüsternd und zerbrechlich, dann wieder kraftvoll und entfesselt. Von Zeremonien ist die Rede, wenn man über Konzerte von Cave spricht, der sich in seinen Songs immer wieder auf Gott und die Bibel beruft: Der Sänger sitzt mal still am Klavier, dann wieder schreit, tanzt und rockt er, badet zumeist in der Menge am Bühnenrand, berührt die Hände des Publikums, als wären die Konzerte Predigt und Messe zugleich.

Konzertfotos zeigen, wie Cave huldvoll durch das Meer ausgestreckter Arme wandelt. Konzerte, bei denen sich Cave Handys in der Regel verbittet: "Put you fucking Phones away!" - dieser Aufruf ist verbrieft. Cave bevorzugt einen engen, dafür echten Kontakt zu und mit seinen Fans.

Das Konzert am Sonntag bei den Filmnächten ist ausverkauft. Es beginnt um 20 Uhr (Einlass: 18 Uhr).

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