Zockt Simon Desue seine Fans ab? YouTuber in unseriöses Angebot verstrickt

Hamburg - Wie lange dauert es, bis Simon Desue (28) seinen Ruf völlig verspielt? Jetzt wirbt der YouTube-Star (4,35 Mio. Abonnenten) erneut für ein unseriöses Angebot. Es geht um Fake-AirPods. 

In mehreren Instagram-Stories warb Simon Desue kürzlich für nachgeahmte AirPods.
In mehreren Instagram-Stories warb Simon Desue kürzlich für nachgeahmte AirPods.  © Montage: Screenshot/Instagram/simondesue

Die günstigste Variante des Originals bietet Apple derzeit für 174,45 Euro, die teuerste für 271,95 Euro an. Kein Wunder, dass günstigere Nachahmer-Produkte gefragt sind. 

Die vom 28-Jährigen in mehreren Stories auf Instagram (2,1 Millionen Abonnenten) vorgestellten Kopfhörer sollen normalerweise 99,99 Euro kosten, es gebe aber gerade 50 Prozent Rabatt, sodass sie für 49,95 Euro zu haben sind. Bei der Abnahme von mehreren Exemplaren verspricht der Anbieter einen Mengenrabatt. 

Normalerweise müssen Influencer solche Postings mit "Werbung" kennzeichnen. Da Joshua Weißleder, der sich hinter dem Künstlernamen Simon Desue verbirgt, aber im Dezember von Hamburg nach Dubai ausgewandert ist, gilt das nicht für ihn. 

In den letzten Wochen bewarben mehrere Influencer Fake-AirPods, wie das Funk-Format "offen un' ehrlich" berichtet. Dabei soll es sich um billige Schrott-Ware aus China gehandelt haben, die eigentlich um die 5 Euro kostet, aber für das Zehnfache verkauft werde. 

Um solche handele es sich bei ihm nicht, verspricht Simon Desue, verrät aber nicht, wieso. Der 28-Jährige preist in seinen Stories die Fake-AirPods mit dem Namen QualiPods als die besten auf dem Markt an und verlinkt den Shop. "Ich sag' euch, Digga, die sind heftig." 

Seine Abonnenten sollen schnell zuschlagen, denn den Preis-Rabatt gebe es nur bis Donnerstag 18 Uhr. Doch mehr als 24 Stunde danach ist das vermeintliche Sonderangebot immer noch da. 

Foto auf Shop-Seite ist anscheinend gestohlen

Links ist das Originalfoto der Frau zu sehen, rechts die mutmaßlich gestohlene Version.
Links ist das Originalfoto der Frau zu sehen, rechts die mutmaßlich gestohlene Version.  © Montage: Screenshot/uk.pcmag.com, Screenshot/qualipods.de

Das lässt stutzig werden und erinnert an den Zeitdruck, den Weißleder bereits für Interessenten seiner "Instagram University" sowie seiner "10k Masterclass" aufbaute

Weitere Indizien lassen an der Glaubwürdigkeit des Angebots zweifeln. 

Beachtenswert sind in diesem Zusammenhang die auf der Internetseite des QualiPods-Anbieters gezeigten Fotos. 

Dort ist beispielsweise das Bild einer blonden Frau mit AirPods in den Ohren zu sehen. 

Eine Bilder-Rückwärtssuche bei Googel ergibt, dass es sich um einen Ausschnitt eines Fotos handelt, das das PCMag im Jahr 2019 in einem Artikel verwendete.

Auf Nachfrage bestätigte der Pressesprecher des Magazins aus den USA gegenüber TAG24, dass das Foto PCMag gehöre und nicht anderweitig eingekauft wurde. 

Eine Erlaubnis zur Nutzung des Bildes auf qualipods.de liege nicht vor. 

Das PCMag werde sich nun um die Urheberrechtsverletzung kümmern, sagte der Sprecher. 

Gesammelte Indizien und verschickte Fragenkataloge

Simon Desue musste Mitte Januar in Hamburg vor Gericht erscheinen. (Archivbild)
Simon Desue musste Mitte Januar in Hamburg vor Gericht erscheinen. (Archivbild)  © Georg Wendt/dpa

Weitere Anzeichen für eine zumindest fragwürdige Internetseite sind:

  • Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler
  • ein erst seit dem 1. Juli gültiges Sicherheitszertifikat, was auf eine erst frisch eingerichtete Seite hindeutet
  • ein intransparentes Bewertungssystem (angeblich wurden 2403 Bewertungen abgegeben, das Produkt gibt es aber weder bei Amazon, eBay oder anderen bekannten Shops)
  • Produktbewertungen im Facebook-Kommentar-Stil, aber "Mehr Kommentare anzeigen" funktioniert genauso wenig wie darauf zu antworten
  • kein Eintrag bei Google
  • die Verwendung von Logos der Marken goop, Vice, YouTube und Bustle, ohne dass auf diesen Seiten der Begriff QualiPods auftaucht 

Immerhin gibt es ein Impressum. Demnach steckt die QuickShipping Gbr aus Hamburg hinter der Seite. 

TAG24 wollte von dem Unternehmen wissen, in welcher Verbindung es zu Weißleder steht. Ist er nur Werbebotschafter oder gar Gesellschafter? Dass beide aus Hamburg stammen, kann Zufall sein, sie könnten sich aber auch kennen.  

Außerdem wollte TAG24 wissen, seit wann die Firma existiere, ob sie auch andere Produkte verkaufe, woher das Foto der jungen Frau stammt, wie die Bewertungen entstanden sind, wieso die oben genannten Marken-Logos auf der Seite sind und ob die Firmen zugestimmt haben. 

Weißleder bekam ebenfalls eine schriftliche Anfrage, in der zu seiner Verbindung zur QuickShipping Gbr gefragt wurde und ob er die Shop-Seite erstellt oder dabei geholfen hat, da sie von der Machart seinen bisherigen Seiten sehr ähnelt. 

Sowohl die QuickShipping Gbr als auch der 28-Jährige ließen die gesetzte Frist ohne Antwort verstreichen.

Titelfoto: Monateg: Georg Wendt/dpa, Screenshot/Instagram/simondesue

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