So gut, dass sie verklagt wurde! Coco Fletcher als Tina Turner in Hamburg

Hamburg - Zum ersten Mal zeigt das Hamburger Hansa-Theater eine Produktion aus der Reihe "Stars in Concert". Mit "Simply The Best – Die Tina Turner Show" feierte am Donnerstagabend eine Hommage an die 2023 verstorbene "Queen of Rock" ihre Premiere. Im Mittelpunkt: Dorothea "Coco" Fletcher, die bereits zu Turners Lebzeiten als ihr Double auftrat. Getroffen haben sich die beiden allerdings nie, dafür wurde Fletcher 2021 von dem Weltstar verklagt.

Vorne Dorothea "Coco" Fletcher als Tina Turner, im Hintergrund eine Original-Aufnahme ihres großen Idols.  © Estrel Berlin

Bereits in den 1990er Jahren trat die gebürtige Amerikanerin in Las Vegas als Tina Turner auf und gewann mehrfach den Preis als beste Doppelgängerin.

Am Donnerstag sah und hörte man dann auch, wieso. Gerade die echten Ausschnitte von Live-Auftritten Turners, unter anderem von ihrer "Break Every Rule"-Tournee von 1988, die hinter Fletcher auf einer Leinwand gezeigt werden, verstärken diesen Eindruck noch einmal.

Die Bewegungen, die gewaltige Stimme und vor allem die Energie auf der Bühne ließen im Hansa-Theater niemanden still sitzen.

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Und das, obwohl Fletcher selbst eigentlich schüchtern sei, wie sie im Gespräch mit TAG24 verriet.

"Tina war schon immer mein Idol. Sie hat mir die Energie gegeben, Dinge zu tun, von denen ich dachte, dass ich sie niemals schaffen könnte", so die Künstlerin.

"Wenn ich ihre Songs singe und ihr Tribute performe, kann ich zu jemandem werden, der ich eigentlich nicht bin. Ich nehme ihre Energie auf. Es ist so schön, auf der Bühne einfach loszulassen. I love it. Es ist ein tolles Gefühl für mich!" Die Leidenschaft, die Turner in ihre Songs packte – auch in jene, die sie "nur" coverte –, habe sie stets beeindruckt. Und genau diese Leidenschaft steckt Fletcher nun in ihre eigene Performance.

Ihre Ähnlichkeit mit dem Original wurde allerdings auch zum juristischen Streitpunkt. 2021 verklagte Tina Turner den Veranstalter auf Unterlassung, weil Coco Fletcher ihr zu ähnlich sehe und Werbeplakate für "Simply The Best" den Eindruck erweckten, der Superstar selbst stehe auf der Bühne. Turner verlor in zweiter Instanz.

Wütend sei sie über die Klage nie gewesen, so Fletcher. "Dahinter steckt eine andere Geschichte, und ich glaube nicht, dass Tina selbst etwas damit zu tun hatte. Es ging um politische Dinge im Zusammenhang mit der Produktion von 'Tina', die nach Berlin kommen sollte."

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Coco Fletcher und Tina Turner verpassten sich knapp

Mit ihrer energiegeladenen Performance steckte Fletcher am Donnerstag das gesamte Publikum im Saal an.  © Moritz Fischinger

Einmal habe Tina Turner sie sogar live performen gesehen, allerdings nicht als Double, sondern bei einem Auftritt bei einem Opernball in der Schweiz.

Eigentlich hätte es danach zu einem persönlichen Treffen kommen sollen. "Der Director kannte sie sehr gut und meinte: Lass uns danach zu ihr gehen", so Fletcher im TAG24-Gespräch. Doch nach ihrem Auftritt war Turner bereits gegangen: "I just missed it!"

Was bleibt, ist die Musik und die Möglichkeit, Turner auf der Bühne noch einmal lebendig werden zu lassen.

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"Simply The Best" versteht sich dabei weniger als kritische Aufarbeitung ihres Lebens als vielmehr als Feier einer außergewöhnlichen Künstlerin, die in Erinnerung bleiben soll.

Die zahlreichen Schicksalsschläge, insbesondere die von Gewalt geprägte Ehe mit Ike Turner (†76), der ihr ihren Namen gab und mit dem sie bis 1975 als "Ike & Tina Turner" auftrat, werden dabei nur am Rande behandelt. Im Mittelpunkt steht die (Live-)Musik.

Mithilfe von Originalvideos, Fotos, Perücken, Kostümen und einem Moderator nimmt die Show das Publikum mit auf eine Reise durch fünf Jahrzehnte Tina Turner – von ihren ersten "Vocal Auditions" Ende der 1950er Jahre als Anna Mae Bullock in St. Louis bis zu ihrer Weltkarriere als Solokünstlerin in den 80ern und 90ern. Mehr als 200 Millionen verkaufte Tonträger und zwölf Grammys machen sie zur "Queen of Rock ’n’ Roll".

Hits wie "What’s Love Got to Do with It", "We Don’t Need Another Hero" und "The Best" machen sie bis heute unsterblich.

Auf der Bühne lebt Coco Fletcher ihre eigene Tina aus. "Simply The Best" ist eine Show von Bernhard Kurz (75), dem Produzenten von "Stars in Concert".  © Estrel Berlin

Standing Ovations und eine "unglaubliche" Energie

Noch bis Oktober ist die Tribute-Show "Simply the Best" im Hamburger Hansa-Theater zu Gast.  © Moritz Fischinger

Dass diese Songs auch Jahrzehnte später noch funktionieren, beweist der Premierenabend eindrucksvoll.

Besonders dann, wenn Fletcher die Bühne ganz für sich einnimmt, ihre Stimme aufdreht und sich die Energie des Originals zu eigen macht. "Alles hier ist live", betont sie. Und genau das macht einen wesentlichen Reiz des Abends aus.

Am Ende gab es Standing Ovations. Fletcher, die nach all den Jahren immer noch nervös vor Auftritten ist, stand sichtlich glücklich auf der Bühne. "Es war fantastisch. Die Energie im Raum war unglaublich", sagt sie nach der Show gegenüber TAG24.

Das Hansa-Theater erweise sich dabei als passende Kulisse für die "generationsübergreifende" Musik.

"Bei uns ist man so nah dran, dass man die Künstler richtig spüren kann und jeden Schweißtropfen sieht", so Theaterleiter Thomas Collien gegenüber TAG24.

Dazu käme die "wunderbare Akustik" des Theaters, die auch gerne mit einem Drink genossen werden darf.

Noch bis zum 12. September und wieder ab dem 13. bis 24. Oktober 2026 gastiert "Simply The Best" im Hansa-Theater. Tickets unter hansa-theater.com

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