"Das Leben ist auch ohne geil!" Schwestern sagen dem Alkohol Lebewohl und erleben eine Überraschung

Hamburg - Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen Alkohol für sie ganz selbstverständlich zum Alltag gehörte, haben die Schwestern Chrissie (43) und Franzi (38) unabhängig voneinander beschlossen, nüchtern zu leben. Und das, obwohl sie eigentlich liebend gerne feiern gehen! Dass sich das aber nicht ausschließen muss, darüber sprechen sie seit Ende April in ihrem Podcast "Sternhageldoll - Nüchtern voll dabei". Wenige Wochen vor ihrem ersten Live-Auftritt erzählen die beiden Wahlhamburgerinnen im TAG24-Interview, wie sich ihr Leben seit dem Alkoholverzicht verändert hat.

Chrissie (43, r.) und Franzi (38) zu Gast in der Hamburger TAG24-Redaktion. Ihr langfristiges Ziel mit ihrem Podcast? "Wir möchten gerne als coole Marke rund um das nüchterne Leben wahrgenommen werden und eine Anlaufstelle für Menschen werden, die gar keinen oder weniger Alkohol trinken wollen oder sich einfach von unserem Weg inspirieren lassen!"  © Alice Nägle/TAG24

TAG24: Erst vor einem halben Jahr ist eure erste Folge erschienen, jetzt steht schon eure erste Live-Aufzeichnung an. Was hat sich seitdem verändert?

Chrissie: Tatsächlich ganz schön viel, womit wir nicht gerechnet hätten. Die Grundidee war, ganz entspannt darüber zu sprechen, wie es eigentlich ist, nüchtern durch diese Welt zu gehen. Das Interesse an dem Thema ist aber tatsächlich sehr hoch!

Franzi: Wir dachten, jeder hat ja einen Podcast, um Gottes willen. Wir probieren es einfach mal. Dass die Resonanz so groß ist, hat uns positiv überrascht.

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TAG24: Was ist die häufigste Rückmeldung, die ihr bekommt?

Chrissie: Viele finden gut, wie wir das Thema angehen. Oft sind Podcasts übers Nüchternsein schnell im Suchtspektrum verhaftet und bekommen dadurch eine gewisse Schwere. Wir wollen das Thema bewusst leicht angehen und einen Lifestyle-Podcast machen, der nicht die Überschrift "Sucht" trägt. Unser Anliegen ist, den Leuten zu zeigen, dass das Leben auch ohne Alkohol ziemlich geil ist und Spaß macht.

Franzi: Wir wollen niemanden belehren, sondern von unseren eigenen Erfahrungen erzählen. Wenn jemand das inspirierend findet, freuen wir uns natürlich.

TAG24: Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr Ende 2025 mit dem Trinken aufgehört habt?

Franzi: Bei mir gab es keinen bestimmten Moment, sondern es war eine Entwicklung. Ich habe mir immer wieder vorgenommen, am Wochenende nicht zu trinken, und dann ist es doch wieder passiert. Ich habe, gerade wenn ich betrunken war, auch viel Mist gebaut. Das hat mich nachhaltig belastet, nicht nur emotional, sondern natürlich auch wegen des Katers. Irgendwann habe ich gedacht, vielleicht würde es mir helfen, einfach mal nicht zu trinken.

Chrissie: Bei mir war es ähnlich. Es war ständig Party, Kater, Party, Kater. Montags in die Woche zu starten und zu merken, dass man eigentlich erst einmal ein Wochenende zur Erholung braucht, war mir irgendwann zu viel. Ich hatte die Schnauze voll, war neugierig und wollte es einfach ausprobieren.

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"Melde dich, wenn du wieder trinkst!"

Die beiden Schwestern sind weiterhin Genusstrinker, nur eben ohne Alkohol. Gerne greifen beide auf alkoholfreie Alternativen zurück: "Es geht nicht nur um den Geschmack, sondern auch darum, welche Situationen wir mit einem bestimmten Getränk verbinden."  © Madita Eggers/TAG24

TAG24: Hattet ihr seitdem mal wieder Lust, etwas zu trinken?

Chrissie: Ich erinnere mich an eine Situation auf einer Dachterrasse eines Restaurants. Es war Sonntag, die Sonne schien, und ich dachte: "Boah, jetzt wäre ein Bier schon ein bisschen geil." Das Gefühl war aber nur ganz kurz da. Danach habe ich ein alkoholfreies Bier getrunken, und das war genauso gut.

Franzi: Bei mir war das sogar erst letzten Freitag. Ich musste funktionieren, weil wir eine Podcastaufnahme hatten, und mir ging es mental nicht besonders gut. Da dachte ich kurz, dass ein Schluck Sekt vielleicht helfen würde.

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Ich habe es aber nicht gemacht. Und das ist der entscheidende Punkt. Wenn man es schafft, ist das ein großartiges Gefühl!

TAG24: Macht es die Gesellschaft einem heutzutage leicht, auf Alkohol zu verzichten?

Franzi: Das ist tatsächlich ortsabhängig. In Hamburg finde ich es mittlerweile viel einfacher. Die Menschen schauen einen nicht mehr so komisch an. Im Emsland, wo wir herkommen, waren die Leute früher ziemlich hartnäckig. Da hieß es schnell: "Ach komm, trink doch mal ein Bier!" Es gab auch Leute in unserem Umfeld, die meinten: "Melde dich, wenn du wieder trinkst!"

Chrissie: Man muss aber auch dazu sagen, dass die Leute in unserem Umfeld uns nur als absolute Partymäuse kannten. Solange ich früher nur halbherzig gesagt habe, dass ich nichts trinken möchte, kamen sofort Überredungsversuche. Seit ich klar sage: "Nein, ich trinke nicht", begegnet mir das kaum noch.

TAG24: Geht ihr trotz Alkoholverzicht weiterhin auf Partys?

Franzi: Ja, auf jeden Fall! Wir bleiben häufig sogar immer noch länger als die anderen. Wir finden es schade, wenn Menschen glauben, dass sie ohne Alkohol nicht mehr richtig auf den Kiez gehen oder Konzerte besuchen können. Wir wollen zeigen, dass ein Leben ohne Alkohol nicht bedeutet, auf Spaß und Erlebnisse verzichten zu müssen.

Chrissie: Früher bin ich manchmal nicht eher gegangen, weil ich dachte, ich könnte etwas verpassen. Oder weil ich mir eine Party mit Alkohol schön getrunken habe. Heute möchte ich selbst entscheiden können, ob mir etwas Spaß macht, und nicht erst Alkohol brauchen, um es gut zu finden.

Lotto King Karl als Stargast bei der ersten Live-Aufzeichnung von "Sternhageldoll"

Chrissie und Franzi unterstützen sich gegenseitig auf ihrem nüchternen Weg. Auch ihr Podcast gibt ihnen zusätzlichen Antrieb. "Wir hätten uns aber nie vorgeschrieben, dass die andere ebenfalls aufhören soll. Das muss jeder für sich selbst entscheiden."  © Madita Eggers/TAG24

TAG24: Was hat sich seit dem Verzicht noch verändert?

Franzi: Sowohl körperlich als auch mental einiges. Unsere Haut hat sich verbessert, und auch beim Fitnessgefühl haben wir Veränderungen bemerkt. Bei mir sind außerdem die typischen Montagsdepressionen verschwunden.

Chrissie: Man entwickelt wieder ein stärkeres Vertrauen in sich selbst und entdeckt Seiten an sich neu. Zudem bin ich viel seltener krank. Früher habe ich gefühlt jede Erkältung mitgenommen. Seit ungefähr anderthalb Jahren ist das nicht mehr so. Selbst wenn jemand in meinem Umfeld krank ist, stecke ich mich nicht automatisch an.

TAG24: Wie kam es dazu, dass ihr jetzt schon eure erste Live-Aufzeichnung macht?

Chrissie: Wir haben ein ziemlich gutes Netzwerk. Ein Bekannter von uns ist im Musikbusiness tätig und war direkt begeistert von unserem Podcast. Daraus entstand schließlich die Idee, ob wir nicht einen Live-Podcast in der Großen Freiheit machen könnten. Wir haben nicht lange überlegt und uns entschieden, es einfach zu wagen.

TAG24: Seid ihr aufgeregt?

Franzi: Auf jeden Fall! Wir überlegen schon, wie wir mit der Aufregung umgehen. Ein Glas Sekt können wie sonst können wir ja nicht mehr trinken (lacht).

Chrissie: Wir sind zwar beide in einer Laientheatergruppe aktiv und kennen das Gefühl, auf einer Bühne zu stehen. Aber beim Theater spielt man eine Rolle. Jetzt stehen wir als Chrissie und Franzi auf der Bühne und erzählen unsere eigene Geschichte. Das ist noch einmal etwas ganz anderes.

TAG24: Als prominenten Gast habt ihr Kult-Sänger Lotto King Karl eingeladen. Wie kam es dazu?

Chrissie: Wir haben überlegt, wer gut zu unserem Thema passen könnte. Er ist jemand, der gerne feiert und bei dem Alkohol auch in seinen Liedern eine Rolle spielt. Gerade deshalb finden wir die Kombination spannend. Wir wollen kein Schwarz-Weiß-Denken vermitteln, sondern unterschiedliche Lebensweisen zusammenbringen.

Der erste Live-Auftritt des Podcasts "Sternhageldoll" findet am 21. Dezember um 20 Uhr in der Großen Freiheit 36 auf der Reeperbahn statt. Tickets sind über Eventim erhältlich. Drinks gibt es mit und ohne Alkohol.

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