Leipzigerin Luisa kämpft gegen das Jobcenter: "Sehen nicht, dass ich mir jeden Tag den Arsch aufreiße"

Leipzig - Luisa (31) aus Leipzig ist alleinerziehende Mama von zwei Söhnen, die besonders viel Aufmerksamkeit brauchen. So gern sie in Vollzeit arbeiten gehen möchte, es ist einfach unmöglich. Gleichzeitig will das Jobcenter, dass sie aus der angeblich zu großen Dreizimmerwohnung auszieht, trotz aller Umstände.

Für die 31-jährige Luisa ist das Wichtigste, dass sie mit ihren Söhnen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben kann.  © ZDF/Sarah Storch

"Ich kämpfe darum, dass wir hier in unserer Wohnung bleiben können", erzählt die 31-Jährige in der ZDF-Doku "37 Grad Leben". Das Problem: Das Jobcenter gibt vor, wie groß eine Wohnung sein darf, möchte, dass sie mit ihren Kindern in eine kleinere Wohnung zieht.

"Die Nebenkosten schießen aufgrund der Inflation durch die Decke", so Luisa. Weil das Amt sich weigert, den Mehrbetrag zu übernehmen, zahlt sie monatlich 190 Euro drauf. Geld, das sie zum Leben mit ihren fünf und acht Jahre alten Jungs bräuchte. "Knapp bei Kasse sind wir immer."

Doch ein Umzug käme einer Katastrophe gleich - zu sehr sind die drei einerseits an Schule und Kita, andererseits an therapeutische Maßnahmen in der Nähe ihres Zuhauses gebunden.

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Luisas kleiner Sohn hat Anpassungsstörungen, der Große eine Konzentrationsschwäche. In beiden Fällen ist mehr und intensivere Betreuung nötig als bei anderen Kindern.

Als wäre das nicht herausfordernd genug, ist immer die Angst da, dass Menschen über sie und ihren Nachwuchs urteilen. "Was sie nicht sehen, ist unsere prekäre Lebenssituation. Dass ich komplett überarbeitet bin, mir jeden Tag den Arsch aufreiße, dass wir überhaupt durchkommen."

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Leipzigerin Luisa will im Kampf gegen die Behörden auf keinen Fall aufgeben

Drei Stunden pro Tag fährt die Leipzigerin Essen aus, ist auch sonst immer mit dem Lastenfahrrad unterwegs.  © ZDF/Sarah Storch

Neben Einkünften aus Kindergeld, Unterhaltsvorschuss und Grundsicherung fährt die Leipzigerin Essen für einen Lieferdienst aus. Der Job macht ihr Spaß, doch nach der Trennung von ihrem Partner musste sie ihre Arbeitszeit auf drei Stunden pro Tag reduzieren.

Dabei würde sie gern mehr arbeiten, aber das ist unmöglich. Denn einen großen Teil ihrer normalen Woche nehmen bis zu 20 Termine ein, beispielsweise mit Schulassistenten, Kinderpsychologen, dem Jugendamt und verschiedenen Therapeuten.

Und immer muss sie jeden Cent umdrehen, Ausflüge sind nur selten, Urlaub gar nicht drin. Jeden Weg erledigt sie mit ihrem Lastenrad: "Das ist fast schon luxuriös, aber lebensnotwendig für uns."

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Im Kampf um ihre Wohnung bekommt Luisa Unterstützung von Sozialberater Steffen Klötzer. Er findet es toll, dass das Jugendamt die 31-Jährige bei allem unterstützt. Dass die an den Problemen mit dem Jobcenter beteiligte Stadt, ihr das Leben schwermacht, versteht er nicht.

Der Lebens- und Arbeitswille der zweifachen Mama "nötigt mir großen Respekt ab", sagt er. Luisa ist eine Kämpferin: "Ich tue niemandem den Gefallen und stürze ein. Ich möchte jedem beweisen, dass ich das schaffe."

Folge eins von "37 Grad Leben: Knapp bei Kasse" mit dem Titel "Arm trotz Arbeit" seht Ihr am Sonntagmorgen, um 9.03 Uhr, im ZDF. Wer sie verpasst hat, kann sie sich jederzeit als Stream in der Mediathek ansehen.

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