Mobbing in ihrer Kindheit belastet Juliane bis heute: "Drückte mich an die Wand und schnürte mir die Kehle zu"
Deutschland - Mobbing beginnt meist in der Schule, doch die Folgen davon spüren Betroffene oft Jahre später noch. Auch Juliane (34) setzt sich bis heute mit den Erlebnissen in ihrer Kindheit und Jugend auseinander.
Die 34-Jährige wurde ab ihrer Einschulung bis zur neunten Klasse von Mitschülerinnen und Mitschülern drangsaliert und gedemütigt, war schließlich auch körperlicher Gewalt ausgesetzt.
Als sie in den Kindergarten ging, war noch alles gut, sie hatte Freunde, war ein ganz normales Kind. Doch dann zog sie mit ihrer Familie in eine andere Stadt in Süddeutschland - ab diesem Zeitpunkt habe sich alles verändert, erzählt sie in der ZDF-Doku "37 Grad Leben".
Nur wenige Wochen nach ihrer Einschulung begannen die Hänseleien, Juliane wurde als dumm und hässlich bezeichnet. Irgendwann wurde es immer schlimmer, das Mädchen wurde ins Gesicht geschlagen, in den Bauch geboxt, getreten, in die Toilette eingesperrt.
Einer der vielen Vorfälle blieb besonders im Gedächtnis: Sie stand auf dem Weg zur Schule an der Bushaltestelle, als ein älterer Junge dazukam. "Er drückte mich aus dem Nichts an die Wand und schnürte mir die Kehle zu", erinnert sich die Mama einer Tochter.
Es war ihre Mutter, die Schlimmeres verhinderte, weil sie die Situation am Fenster sah. Ihr vertraute Juliane ihre Sorgen immer an. "Natürlich hätte ich ihr das gern erspart, es ist ja mein Kind", sagt Katja rückblickend.
Dass Schülerin Juliane gemobbt wurde, interessierte die Schule offenbar nicht
Dass ihre Tochter und das Mobbing von vielen Lehrern der Schule nicht ernst genommen, teils sogar heruntergespielt wurde, können beide bis heute nicht begreifen. Auch ein Schulwechsel war nicht möglich.
All diese Erlebnisse führten dazu, dass Juliane lange dachte, selbst an der Situation schuld zu sein. Sie fragte sich, ob sie es nicht wert ist, "dass man mir hilft, dass ich es vielleicht auch verdient habe, so behandelt zu werden. [...] Ich hatte lange das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin."
Irgendwann sei der psychische Druck so groß gewesen, dass das Mädchen wochenlang starkes Nasenbluten hatte, wenn es aus der Schule kam.
Am letzten Schultag sei dann aber plötzlich eine Last von ihren Schultern gefallen. "Ich wusste, eigentlich kann es nur besser werden. Und es wurde dann auch besser."
Heute arbeitet Juliane voller Herzblut als Erzieherin, möchte sowohl ihren Kindern in der Kita als auch ihrer Tochter vor allem eines vermitteln: Dass sie so, wie sie sind, "genau richtig" sind. Sie möchte sie stark machen, damit ihnen nicht das Gleiche passiert wie ihr.
TV-Tipp: Die ganze Folge von "37 Grad Leben: Mobbing - Unsichtbare Narben" seht Ihr am Sonntag um 9.03 Uhr im ZDF oder schon jetzt im Stream in der Mediathek.
Titelfoto: Bildmontage: ZDF/KUNAMO Film/Simone Matheis, 123RF/lopolo

