"Der Todesmarsch von Brünn": Sudeten-Deutsche - das ewige Tabu?

Von Björn Strauss

Sachsen/Tschechien - Die Jugend weiß davon kaum etwas: Aber das Verhältnis von Tschechen und Deutschen war lange Zeit belastet. Aber es gibt nach und nach eine Entlastung der gespannten Beziehungen - der MDR beleuchtet das Thema und bemüht sich um eine gemeinsame Aufarbeitung.

MDR-Intendantin Karola Wille (61) ist stolz auf die tschechisch-deutsche Zusammenarbeit.
MDR-Intendantin Karola Wille (61) ist stolz auf die tschechisch-deutsche Zusammenarbeit.  © DPA/MDR

Wenn Corona keinen Strich durch die Shopping-Rechnung macht, haben Sachsen und Tschechien kein Problem, die Grenzen zu überschreiten. Heute ist besonders der Shopping-Tourismus in der Region von Vorteil für beide Seiten. Das war nicht immer so.

Lange Zeit ging es um die frühere Gewaltherrschaft und Vertreibung. Eine zweiteilige Dokumentation vom MDR blickt auf die Geschichte "an der Grenze".

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"Jahrzehntelang war die Vertreibung der Sudetendeutschen 1945 in Tschechien ein Tabu-Thema, das bis heute nachwirkt", so MDR-Intendantin Karola Wille (61).

Jetzt, 75 Jahre nach Kriegsende, hat sich ein tschechisch-deutsches Autorenteam zusammengetan, um "dieses schwierige historische Kapitel gemeinsam aufzuarbeiten".

Drei Millionen Sudetendeutsche gezwungen, ihre Heimat verlassen

Zusammenarbeit zwischen "Ceska Televize" und MDR: Eine zweiteilige Dokumentation läuft am morgigen Dienstag und am 1. Dezember, jeweils um 22.10 Uhr, im MDR-Fernsehen.
Zusammenarbeit zwischen "Ceska Televize" und MDR: Eine zweiteilige Dokumentation läuft am morgigen Dienstag und am 1. Dezember, jeweils um 22.10 Uhr, im MDR-Fernsehen.  © MDR

"Ich möchte die Offenheit und Bereitschaft der Verantwortlichen des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Prag hierbei besonders hervorheben", so Wille.

Das Projekt sei ein Ergebnis der seit Jahren engen Zusammenarbeit zwischen dem MDR und dem tschechischen Sender "Ceská televize".

Im ersten Teil des Filmes geht's zurück in die Zeiten der Vertreibung nach 1945 sowie deren Vorgeschichte - die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in der Tschechoslowakei. Durch die Vertreibung (auf Tschechisch "Odsun") waren drei Millionen Sudetendeutsche gezwungen, ihre Heimat verlassen.

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Davon zeugen noch Orte wie Königsmühle (Kraluv mlýn) im Erzgebirge - sie sind zum Symbol für diese Geschichte geworden: Alle 53 Bewohner wurden nach dem Krieg Opfer der sogenannten wilden Vertreibungen.

Der Todesmarsch von Brünn

Aus Königsmühle (Kraluv mlýn) wurden alle 53 Bewohner nach dem Krieg Opfer der sogenannten wilden Vertreibungen.
Aus Königsmühle (Kraluv mlýn) wurden alle 53 Bewohner nach dem Krieg Opfer der sogenannten wilden Vertreibungen.  © MDR

Rosemarie Ernst ist die wohl letzte in Königsmühle geborene Deutsche, sie erzählt im Film vom Trauma, das die monatelange Odyssee nach Deutschland bei ihr und vielen der Vertriebenen hinterließ. Heute lebt Rosemarie Ernst in Oberwiesenthal - in Sichtweite zu ihrem Heimatort Königsmühle.

Besonders junge Tschechen und Deutsche sorgen dafür, "dass die Erinnerung an Königsmühle erhalten bleibt", so der MDR. In dem Film kommen neben Zeitzeugen auch die tschechische Schriftstellerin Katerina Tucková oder Petr Miksícek, Mitbegründer der Gruppe Antikomplex, zu Wort.

Im zweiten Teil der Doku geht's vom Kriegsende bis ins Heute. Ein Überlebender erinnert sich an den "Todesmarsch von Brünn". 1945 wurden 27.000 deutschsprachige Einwohner aus der Stadt getrieben. Wie viele von ihnen den über 50 Kilometer langen Fußmarsch überlebt haben, sei nicht bekannt. 2015 hat sich die Stadt Brünn (Brno) bei allen Opfern dieser Jahre entschuldigt.

TV-Tipp: Historiker aus beiden Ländern geben einen spannenden Einblick in den Stand der Aufarbeitung. Teil eins der Doku "Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland" läuft am morgigen Dienstag im MDR, Teil zwei am 1. Dezember (jeweils um 22.10 Uhr). Außerdem sind die Beiträge in der MDR-Mediathek abrufbar.

Titelfoto: MDR

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