Crystal Meth aus Langeweile: "Kann den ganzen Tag Drogen nehmen, warum nicht?"

Leipzig/Kahla - Die synthetische Droge Crystal Meth macht sich seit Jahren im mitteldeutschen Raum breit. Doch nicht nur große Städte wie beispielsweise Leipzig, sondern vor allem auch ländliche Gegenden sind extrem betroffen, wie die MDR-Dokumentation "Crystal Meth – Wie eine Droge die Provinz im Griff hat" zeigt.

Während Alex (17) über Crystal Meth schwärmt, bereitet sein Kumpel (16) die nächste Dosis der Droge vor...
Während Alex (17) über Crystal Meth schwärmt, bereitet sein Kumpel (16) die nächste Dosis der Droge vor...  © Screenshot/MDR-Mediathek

Sie gilt heutzutage als eine der gefährlichsten Drogen und überschwemmt die an Tschechien und Polen angrenzenden Bundesländer förmlich: Crystal Meth.

Vor allem in Kleinstädten und Dörfern gibt es mittlerweile immer mehr Konsumenten, so auch in Thüringen. Das kristalline Rauschgift ist hier verhältnismäßig günstig und vor allem einfach zu bekommen.

Dem Thüringer Kriminalitätsatlas 2019 zufolge wurden in 67 Dörfern, Klein- und Mittelstädten zum Teil deutlich mehr Rauschgiftstraftaten gezählt als im Durchschnitt des ganzen Freistaats.

Doch was bringt die oft wohlbehüteten jungen Menschen dazu, sich einer solchen Gefahr für ihr Leben auszusetzen?

"Es macht glücklich, man ist extrem konzentriert, man ist ausdauernd, man hat unendlich Energie", sagt der 17-jährige Alex aus Kahla, einer Kleinstadt südlich von Jena, während sein Kumpel (16), der nicht erkannt werden möchte, die zu einem weißen Pulver zerdrückte Substanz mit einem Geldschein durch die Nase zieht.

Alex ist nach eigenen Angaben clean, doch im ersten Moment fällt es schwer, ihm zu glauben. Ein wenig aufgeregt schwärmt er regelrecht von der Droge, die ihn Schulabschluss und Ausbildung gekostet hat. Bei seinen Prüfungen in der 10. Klasse sei er auf Crystal gewesen, erzählt er. Davor habe er immer mindestens eine Nacht durchgemacht.

Dass die Droge nicht nur seinem Körper, sondern auch seinem Verstand schadet, ist ihm bewusst. Man vergisst, in welcher Reihenfolge man bestimmt Dinge tun muss, sagt er.

... und zieht sie vor der Kamera durch die Nase.
... und zieht sie vor der Kamera durch die Nase.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Mitten in Thüringen: Absturz trotz behüteter Kindheit

Alex versucht seinen Weg im Leben zu finden, ohne dafür Drogen zu brauchen. Wird das gelingen?
Alex versucht seinen Weg im Leben zu finden, ohne dafür Drogen zu brauchen. Wird das gelingen?  © Screenshot/MDR-Mediathek

Eigentlich ist Alex in sicheren Verhältnissen aufgewachsen, beide Eltern haben in ihren Jobs gut verdient und konnten ihm viele Wünsche erfüllen. Und trotzdem rutschte der junge Mann immer mehr in den Crystal-Sumpf ab. Langeweile?

"Kann sein, dass es schon Langeweile ist. Es gibt halt wenige Freizeitangebote und man kann einfach auch den ganzen Tag Drogen nehmen, warum nicht?", zuckt der 17-Jährige mit den Schultern.

Es sei zudem viel einfacher, in seinem Heimatort Crystal zu kaufen als beispielsweise in Jena. Bestätigt auch sein Kumpel, der damit dealt und es angeblich meist innerhalb einer Viertelstunde los ist – in einem 7000-Seelen-Ort.

Inzwischen konsumiere Alex "nur noch" Cannabis, habe aber noch immer mehrere Kontakte in seinem Telefon, die er anrufen könne, wenn er lieber die härteren Sachen wolle.

Letztendlich ging seine Abhängigkeit soweit, dass er wegen Beschaffungskriminalität vor Gericht stand. Mit einem Jahr Jugendhilfeeinrichtung, um seine Sucht therapieren zu lassen, kam er glimpflich davon.

Der Weg führte ihn in eine Einrichtung nur für Minderjährige mit Suchtproblemen in Hessen. Dort herrschen strenge Regeln und es gibt viele Gruppengespräche, in denen Alex lernen soll, über jegliche Handlungen und deren Wirkung nachzudenken.

Ob ihm das gelungen ist und wie andere Süchtige damit umgehen, wenn die Droge ihnen alles wegzunehmen droht, was einer vernünftigen Lebensgrundlage dient, seht Ihr in der Doku "Crystal Meth – Wie eine Droge die Provinz im Griff hat" in der MDR-Mediathek.

Titelfoto: Screenshot/MDR-Mediathek

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