"Gute alte Zeit": Wie "Willi Schwabes Rumpelkammer" das Fernsehen der DDR prägte

Leipzig/Berlin - Ob öffentlich-rechtliches oder privates Fernsehen, Pay-TV oder die verschiedensten Streaming-Anbieter – heutzutage gibt es unendlich viele Möglichkeiten fernzusehen. Denken wir 50 Jahre zurück, freuten sich die Menschen über zwei Fernsehprogramme. Welchen Stellenwert das Fernsehen in der DDR hatte, zeigt die MDR Zeitreise mit ihrer Dokumentation "Wir sahen OST – DDR-Fernsehen zwischen Kult und Kommunismus".

Der Deutsche Fernsehfunk ging 1952 auf Sendung. Anfangs lag der Programmschwerpunkt auf Bildung, Kultur und Information – alles im Sinne des Sozialismus.
Der Deutsche Fernsehfunk ging 1952 auf Sendung. Anfangs lag der Programmschwerpunkt auf Bildung, Kultur und Information – alles im Sinne des Sozialismus.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Von vielen früheren DDR-Bürgern hört man immer wieder, man habe am liebsten Westfernsehen geschaut. Doch obwohl das DDR-Fernsehen zeitweise nicht den besten Ruf unter den Bürgern des sozialistischen Staats hatte, waren gewisse Unterhaltungssendungen absolute Publikumsmagneten.

Als der Deutsche Fernsehfunk (DFF) 1952 auf Sendung ging, diente er vor allem als politisches Instrument zur sozialistischen Bildung.

Das Programm wurde von der Parteiführung der SED bestimmt – Kultur, Bildung und Information standen im Vordergrund. Unterhaltung forderte man auch, sie spielte aber zuerst eine untergeordnete Rolle.

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1969, pünktlich zum 20. Jahrestag der DDR, wurde das zweite Fernsehprogramm in Farbe in Betrieb genommen. Schließlich wollte man nicht länger hinter Westdeutschland zurückbleiben, wo das Farbfernsehen bereits seit zwei Jahren verfügbar war.

"Das Westfernsehen war immer eine große Konkurrenz", so der Soziologe Dr. Uwe Breitenberg. Gab es attraktive Shows im Westfernsehen, wollte man der Bundesrepublik etwas entgegensetzen.

Jedoch hatten anfangs nur wenige DDR-Bürger Freude daran, denn Farbfernsehgeräte konnte sich kaum jemand leisten, sie kosteten rund 5000 Mark der DDR. "Das war etwa das Fünffache eines Durchschnittslohns eines Arbeiters in der DDR", so Medienwissenschaftler Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz von der Universität Leipzig.

Wer dennoch ein Gerät erstanden hatte, hatte oft nur wenig Freude daran, denn viele Sendungen wurden weiter in Schwarz-Weiß produziert, und auch das Programm ließ zu wünschen übrig. Doch die Zuschauer wollten endlich mehr und bunter unterhalten werden!

Pünktlich zum 20. Jahrestag der DDR wurde das zweite Programm und damit das Farbfernsehen vorgestellt.
Pünktlich zum 20. Jahrestag der DDR wurde das zweite Programm und damit das Farbfernsehen vorgestellt.  © Screenshot/MDR-Mediathek

"Ein Kessel Buntes": Künstler aus dem Westen für den Osten

Die Unterhaltungssendung "Willi Schwabes Rumpelkammer" war zwischen 1955 und 1990 der Dauerbrenner unter den DDR-Bürgern – alle liebten den Schauspieler.
Die Unterhaltungssendung "Willi Schwabes Rumpelkammer" war zwischen 1955 und 1990 der Dauerbrenner unter den DDR-Bürgern – alle liebten den Schauspieler.  © Screenshot/MDR-Mediathek

Nachdem auch die Staatsführung das eingesehen hatte, wurde in den 70er-Jahren aus dem DFF das Fernsehen der DDR – das Programm wurde, sehr zur Freude der Zuschauer, endlich grundlegend reformiert. Neue Unterhaltungsformate schossen wie Pilze aus dem Boden.

Unvergessen sind vor allem Sendungen wie die Samstagabendshow "Ein Kessel Buntes", die ab 1972 über die Bildschirme flimmerte. In einer aufwendigen Produktion traten meist Künstler aus dem Westen auf, was bei den Bürgern unglaublich beliebt war. Die Show erreichte in ihren Spitzenzeiten eine Sehbeteiligung von 71 Prozent.

Bereits seit 1955 gab es die Live-Übertragung "Willi Schwabes Rumpelkammer". Der Schauspieler Willi Schwabe (†76) zeigte hier auf einem Dachboden Ausschnitte aus alten Filmen, erzählte Anekdoten über Berühmtheiten wie Johannes Heesters (†108) oder Heinz Rühmann (†92) und präsentierte alte Requisiten.

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"Das war die Erschaffung einer Illusion, einer guten alten Zeit, nach der die Menschen ganz offensichtlich eine große Sehnsucht empfinden", so Film- und Fernsehkritiker Knut Elstermann.

Die "Rumpelkammer" machte Schwabe über Nacht zum Star. Ursprünglich waren von dieser Sendung lediglich sechs Folgen geplant gewesen, doch sie entwickelte sich zum Dauerbrenner, der bis 1990 fast 400 Mal über die Bildschirme flimmerte. Ihre höchste Zuschauerquote lag bei 54 Prozent.

Auf solche Zahlen kam die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" zeitweise nicht einmal annähernd. Die öffentliche Meinung über DDR-Fernsehnachrichten war regelrecht katastrophal. Kein Wunder, erfuhren doch die Menschen vor den Flimmerkisten nur das, was die Parteiführung wollte.

Wie Nachrichtenjournalisten in der damaligen Zeit den Spagat zwischen Parteivorgabe und Wirklichkeit überhaupt bewältigen konnten und was man versuchte, um die Glaubwürdigkeit wieder zu erhöhen, erfahrt Ihr in der kompletten Doku in der MDR-Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage / Screenshot/MDR-Mediathek

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