Pößneck - Lange geplant und doch schiefgegangen: Der erste Versuch der Familie Strelzyk aus Thüringen, die DDR in einem selbst gebauten Ballon zu verlassen, schlug krachend fehl. Schlimmer noch, jetzt war ihnen die Stasi auf den Fersen. Doch an Aufgeben war gar nicht zu denken, wie Teil zwei der ZDF-Doku "Ballonflucht aus der DDR" zeigt.
So emotional die Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1979 für Frank Strelzyk begann, so endete sie auch. Erst musste sich der damals 15-Jährige quasi von der nichts ahnenden Oma verabschieden, um nur einige Stunden später enttäuscht ins heimische Pößneck zurückzukehren.
Kurz zuvor waren er, seine Eltern Doris und Peter sowie der kleine Bruder Andreas nur wenige Meter vor der innerdeutschen Grenze abgestürzt. Mit der Feuchtigkeit, die die zu durchdringende Wolkendecke mit sich brachte, hatte niemand gerechnet.
Der Stoff des Ballons sog sich voll, das Gas reichte nicht, der Absturz aus mehr als 1000 Metern Höhe war unausweichlich. Alle kamen dank weicher Landung in Bäumen mit dem Schrecken davon, aber der Plan, der DDR den Rücken zu kehren, war gescheitert.
Nachdem die Strelzyks realisiert hatten, dass sie es ganz knapp nicht über die Grenze geschafft hatten, traten sie die Heimfahrt an. "Wir haben gebetet, dass uns niemand sieht", erzählt Frank in der Doku.
Vor allem Vater Peter hatte daran zu knabbern, dass ihr Plan nicht funktioniert hatte. "Mir kam es so vor, als wenn der Vater an diesem Tag um zehn Jahre gealtert wäre", so sein Sohn. Er sei regelrecht zusammengebrochen, weil sie dem Ziel so nahe waren, es aber doch nicht erreicht hatten.
Polizei und Stasi ermitteln nach Entdeckung des abgestürzten Ballons
Zwei Wochen später fand ein Forstarbeiter den noch im Baum hängenden Ballon in der Nähe von Bad Lobenstein. Volkspolizei und Stasi begannen ihre Ermittlungen, schalteten sogar eine Zeitungsannonce, um Hinweise auf die mutmaßlichen Flüchtlinge zu bekommen.
Indes hatten sich Peter Strelzyk und Günter Wetzel wieder zusammengetan und schmiedeten einen neuen Plan - diesmal musste ein Ballon her, der beide Familien trug. "Das war die Geburtsstunde für den letzten großen Ballon", berichtet Frank.
Günter Wetzel ließ sich sogar extra krankschreiben, um Zeit zum Nähen zu haben. Sein Freund graste währenddessen die ganze DDR ab, um an den verschiedensten Orten Stoffe zu finden, ohne Verdacht zu erregen.
Ganz ohne Tests starteten die acht Personen am 16. September ihren letzten Versuch. Wieder ging schief, was nur schiefgehen konnte: Das letzte Seil durchzuschneiden, gelang nicht gleich, der Ballon fing Feuer, Frank verletzte sich, der Stoff des Fluggeräts riss.
Als plötzlich Scheinwerfer unter dem Ballon auftauchten und dann auch noch das Gas leer war, sahen die Wetzels und die Strelzyks sich schon in den Fängen der Stasi. Wieder stürzte der Ballon aus großer Höhe zu Boden, wieder herrschte die Unsicherheit vor, auf Ost-Gebiet gelandet zu sein.
Doch alle Sorgen waren umsonst: "Wir haben geschrien. Alles, was in der Lunge war, haben wir rausgeschrien vor Freude", erinnert sich Petra Wetzel an den glücklichen Augenblick zurück, als sie realisierten, dass sie die Grenze hinter sich gelassen hatten.
Neue Existenz im Westen, aber Stasi hatte Familien immer im Blick
Beide Familien bauten sich in Bayern eine neue Existenz auf und wurden bis zum Fall der Mauer 1989 von der Stasi ausspioniert.
"Aufbruch in die Freiheit" läuft direkt im Anschluss an "Der Plan" am Dienstagabend, um 21 Uhr, bei ZDFinfo. Die ganze Doku "Ballonflucht aus der DDR" findet Ihr außerdem in der Mediathek.