Pößneck - Dieser Fluchtversuch war so spektakulär, dass er schon zweimal verfilmt wurde: Zwei Familien aus Thüringen beschlossen Ende der 70er-Jahre, die DDR mit einem selbstgebastelten Ballon zu verlassen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, verbunden mit allerlei Hürden und auch Gefahren.
Günter Wetzel und Peter Strelzyk lebten mit ihren Familien in Pößneck, lernten sich 1978 bei der Arbeit kennen und stellten schon bald fest, dass sie etwas gemeinsam hatten: Beide wollten sich nicht mehr von der DDR-Führung bevormunden lassen.
Das Leben sei nicht schlecht gewesen, aber: "Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass wir ähnliche Gedanken haben, was die DDR und das System betrifft", erzählt Wetzel, damals gerade 23 Jahre alt, im ersten Teil der ZDF-Doku "Ballonflucht aus der DDR".
Ständig habe man aufpassen müssen, was man sagt - immerhin gab es überall Spitzel. Und so reifte der Plan, die DDR hinter sich zu lassen.
Auch Günters Frau Petra hat mitbekommen, dass die Männer viel über den Westen sprachen. Für sie stand aber eines fest. "Ich habe gesagt, Grenze, Grenzzäune, mit Kindern - auf keinen Fall!" Sowohl Familie Wetzel als auch die Strelzyks hatten je zwei Söhne - mit 14 Jahren war Frank Strelzyk der Älteste.
Wie es der Zufall so wollte, habe Petras Schwester zu dieser Zeit Kataloge und Zeitschriften aus dem Westen geschmuggelt, in einer davon fanden sie einen Bericht über ein Ballonfahrttreffen in den USA.
"Da hab ich diese vielen bunten Ballons gesehen und das war für mich der Auslöser. Ich dachte, die schweben so leicht dahin, da kann gar nichts passieren. Das wär doch eine Möglichkeit, auf diese Weise die DDR zu verlassen", so Günter Wetzel.
Ballon-Test scheitert: "War völlig zerfetzt"
Im März 1978 trafen die befreundeten Paare schließlich die Entscheidung, mit einem Ballon zu flüchten. Mit den Bildern aus der Zeitschrift hat Wetzel ausgerechnet und geschätzt, wie groß dieser wohl sein müsste, damit das Vorhaben gelingen konnte.
"Da war sicherlich auch eine gewisse Blauäugigkeit dabei", sagt er heute. "Wir hatten ja keine Erfahrung und wir haben wirklich dran geglaubt, dass da nix passieren kann."
Nicht nur der Ballon selbst musste aus Hunderten Quadratmetern Stoff mit einer Nähmaschine mit Fußbetrieb zusammengenäht werden, es brauchte auch eine Gondel und einen Brenner. Und stets schwang bei den Vorbereitungen eines mit: die Angst, von der Stasi erwischt zu werden.
So auch bei einem der vielen Tests, die sie durchführten, nachdem das Fluggerät vermeintlich fertig war. Peter und Günter versuchten an einer 30 Meter hohen Felswand in einem Steinbruch, den Ballon mit Luft zu füllen.
Als Peter einen Schatten sah, gerieten beide in Panik, packten alles mehr schlecht als recht zusammen und fuhren nach Hause. Das Ergebnis: Der Ballon "war völlig zerfetzt", sie mussten ihn verbrennen.
Trotz allem wurde ein zweiter Versuch geplant, doch dann entzweiten sich die Familien aus mehreren Gründen. Peter Strelzyk soll nicht mehr vorsichtig genug gewesen sein und jemandem von seinen Plänen erzählt haben, so Wetzel.
Intensiver involviert war dafür Sohn Frank Strelzyk. "Wir haben wirklich darauf gehofft, dass jetzt der Tag X kommt, wir endlich aufbrechen und diese Flucht zu Ende bringen können", erzählt er in der Doku. Tag X kam im Juli 1979, doch er endete im Desaster.
Folge 1 der Doku "Ballonflucht aus der DDR" mit dem Titel "Der Plan" läuft am Dienstagabend um 20.15 Uhr bei ZDFinfo oder schon jetzt im Stream in der Mediathek. Folge 2 "Aufbruch in die Freiheit" kommt direkt im Anschluss um 21 Uhr und ist ebenfalls bereits online verfügbar.