Freiwillig kinderlos: Frauen müssen noch immer mit heftigem Gegenwind rechnen

Leipzig/Halle - In Deutschland bleibt aktuell jede fünfte Frau kinderlos, der Großteil von ihnen freiwillig. Der MDR-Beitrag "Ich möchte nicht Mutter sein!" beschäftigte sich mit den Gründen - aber auch mit den teilweise verachtenden Reaktionen auf gewollte Kinderlosigkeit.

Stellt man sich gegen den Lebensentwurf "eigene Familie", hat man mit Gegenwind zu rechnen. (Symbolbild)
Stellt man sich gegen den Lebensentwurf "eigene Familie", hat man mit Gegenwind zu rechnen. (Symbolbild)  © 123rf/sorapop

In der Sendung kommt die Wahl-Hallenserin Annika zu Wort, die einen steinigen Weg bis zur Sterilisation hinter sich hat. Denn sie wusste schon immer: Sie will keinen eigenen Nachwuchs bekommen: "Ich kann mit Kindern nichts anfangen. Es funktioniert einfach nicht."

Ihr Partner Paul kann ebenfalls auf eigene Sprösslinge verzichten. "Das ist keine Welt, in die ich derzeit Kinder setzen will", erklärt er.

Auf der Suche nach einer Praxis für ihre geplante Sterilisation hing Annika tagelang am Hörer: "Die meisten haben mich am Telefon ausgelacht und Dinge gesagt wie 'Kommen Sie wieder, wenn sie 35 sind und zwei Kinder haben'."

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Skurril: Als Paul beim Arzt eine Vasektomie anfragte, wurde ihm diese sofort zugesichert - ohne Wenn und Aber.

Nach Ansicht der beiden Lebenspartner lassen sich diese unterschiedlichen Reaktionen wohl noch immer auf veraltete Frauenbilder zurückführen: Nicht nur in der Bibel, sondern auch während der NS-Zeit war die Rolle der Frau als Mutter fest und unausweichlich definiert. Das hängt noch immer in vielen Köpfen fest.

Trotz allem Widerstand - selbst der Anästhesist wollte ihr noch kurzfristig davon abraten - ließ Annika sich schließlich sterilisieren. Einen Schritt, den sie bis heute nicht bereut: "Ich hab geheult, ich war so glücklich." Eine Studie der Dualen Hochschule Gera-Eisenach gibt ihr Recht: 95 Prozent der befragten gewollt kinderlosen Frauen bereuen ihre Entscheidung nicht.

In vielen Köpfen sind die Rolle der Frau und Mutter untrennbar miteinander verbunden.
In vielen Köpfen sind die Rolle der Frau und Mutter untrennbar miteinander verbunden.  © 123RF/nastyaofly

Leipziger Verein will Frauen den Weg zur Sterilisation erleichtern

Auch die Gründerin des Leipziger Vereins "Selbstbestimmt steril" ließ sich sterilisieren. Entgegen vieler Erfahrungsberichte verlief der Prozess bei ihr angenehm unkompliziert. Um Frauen es zukünftig ebenso leicht zu gestalten, hat ihr Verein eine interaktive Karte mit insgesamt 66 bundesweiten Sterilisations-Anlaufstellen erstellt.

Ihr könnt den "MDR Zeitreise"-Beitrag "Ich möchte nicht Mutter sein!" in der Mediathek ansehen.

Titelfoto: 123RF/nastyaofly

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