Burg/Rietzel - Anja B. (20) hatte ihr ganzes Leben noch vor sich, doch es wurde ihr auf tragische Art und Weise direkt vor ihrer Haustür genommen. Die Crime-Doku "Mord im Dorf" rollt den Fall der jungen Frau aus Sachsen-Anhalt erneut auf.
Es ist Freitag, der 10. Juni 2005. Wie so oft findet man Anja in einer Disco in Burg. Diesmal nur bis kurz vor Mitternacht, denn der Tag war lang. Anja fährt mit ihrem Auto ins etwa 18 Kilometer entfernte Rietzel. Dort wohnt sie bei ihren Eltern.
Sie parkt unter dem heimischen Carport und läuft zum Haus – 30 Schritte trennen Anja von der Eingangstür. An diesem Freitagabend soll sie diese nicht erreichen und auch sonst nie wieder.
Denn Anja wird verschleppt, vergewaltigt, erwürgt und in einem Teich versenkt – und das von niemand Geringerem als ihrem eigenen Nachbarn, Sven B. (23).
Als Anjas Mutter ihre Tochter am nächsten Tag nicht erreicht, ruft sie die Polizei. Sofort beginnt eine groß angelegte Suche mit der Hundestaffel, einem Hubschrauber und zahlreichen Polizisten, erinnert sich Anita Lange, die damalige Kripo-Chefin in Stendal.
Das gesamte Dorf beteiligt sich, darunter auch Sven B. "Es ging wie ein Lauffeuer durch die Bevölkerung unseres kleinen Dorfes", erinnert sich Ortsvorsteherin Doris Kühne. Mittlerweile sind 15 Tage vergangen und von Anja fehlt immer noch jede Spur "Mit Bauchschmerzen geht man nach Hause", so die Kripo-Chefin.
Am 26. Juni 2005 dann der schreckliche Fund: Der Besitzer eines Angelteichs entdeckt im Wasser eine tote Frau. Schnell stellt sich heraus, dass es Anja ist.
"Mord im Dorf": Der Fall der Anja B. (20)
"Es war totale Fassungslosigkeit hier bei uns im Ort", berichtet Doris Kühne über den Ausnahmezustand. Die Kripo schafft es, Parallelen zu zwei vergangenen Fällen zu ziehen.
So wurde die 61-jährige Vera E. von einem vermummten Mann überfallen. Weil sie ihm kein Geld geben kann, fesselt, knebelt und vergewaltigt er sie. Der Zusammenhang: In beiden Fällen wurde das Fessel-Material mit einer Flamme durchtrennt.
Eine Speichelprobe bricht Sven B. schließlich das Genick. Denn seine DNA stimmt mit der überein, die bei der Vergewaltigung der 61-Jährigen gefunden wurde. Das reicht für eine Durchsuchung von seinem Haus aus, welches direkt gegenüber von Anjas Zuhause liegt.
Die Beweise sind erdrückend und so gesteht Sven B. die Tat an Anja. Er erzählt den Ermittlern, wie er die Leiche im Anschluss in ein Schlauchboot wickelte, sie in einen Radanhänger legte und damit zu dem etwa sechs Kilometer entfernten Teich fuhr – dort versenkte er sie.
2006 wird ihm der Prozess gemacht. Sven B. wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine 2021 beantragte Haftentlassung auf Bewährung lehnt das Gericht ab.
Den gesamten Fall könnt Ihr Euch am heutigen Freitag um 20.15 Uhr bei Kabel Eins oder schon vorab bei Joyn PLUS+ ansehen.