Hamburg - Der beliebte Vorabendkrimi "Großstadtrevier" feierte vergangene Woche sein 40-jähriges Jubiläum. Sven Fricke mischt seit 2012 als Polizist Daniel Schirmer das PK14 in der Hansestadt auf. Im Interview mit TAG24 verriet der Schauspieler, wie sehr Daniel und Sven in all den Jahren verschmolzen sind und was seine Rolle auch nach 14 Jahren noch so besonders macht.
Lässig in Latzhose und rotem T-Shirt setzte sich der 46-Jährige in den Sessel in der Lounge des Astor Kinos in der Hamburger Hafencity.
Breit grinsend und gut gelaunt erzählte er TAG24 von seinem Leben am Set des Kult-Krimis.
TAG24: Seit 2012 spielst du den Kommissar Daniel Schirmer. Was macht deine Rolle auch nach all den Jahren noch besonders für dich?
Fricke: Ich glaube, das hat was mit dem Spaß, mit dem ich an die Arbeit gehe, zu tun. Das ist natürlich nicht jeden Tag gleich - wer geht schon jeden Tag gleich gerne zu seiner Arbeit? Aber ich würde sagen, wenn man das so auf die Waage legt, dann sind die Tage, an denen ich gerne zur Arbeit gehe, wirklich absolut in der Überzahl.
Auch die Autorinnen und Autoren, die Redaktion, die Produktion helfen ein bisschen. Sie lassen sich für Daniel auch nach 14 Jahren immer noch so Kleinigkeiten einfallen, die es schön machen, die noch mal irgendwie was Neues sind, noch mal was anderes erzählen. Und dann bringt man selbst noch seine Zwetschgen der Kreativität mit an den Arbeitsplatz.
TAG24: Wie hat sich deine Rolle, Daniel, aber auch dein privates Ich, Sven, in den 14 Jahren Großstadtrevier weiterentwickelt?
Fricke: Also ein paar Sachen gelten für uns beide. Wir teilen uns ja einen Körper. Und dieser Körper ist in 14 Jahren - entgegen anderer Hoffnung (lacht) - doch auch ein wenig älter geworden, ein wenig reifer geworden. Und der Vorteil, den sowohl Daniel als auch ich davon haben, ist, dass man bestimmte Dinge nicht mehr tun muss.
Wenn man jung ist, hat man ja ganz oft das Gefühl, man muss jetzt irgendwem irgendwas beweisen. Wenn das auch nur man selbst ist. Ich glaube, je älter man wird, desto besser weiß man, was man kann, was man nicht kann und ist sich diese Beweise nicht mehr schuldig.
Ich glaube, dass Daniel definitiv etwas entspannter geworden ist in manchen Dingen, auch ein bisschen resoluter in bestimmten Positionen gegenüber seinen Kollegen oder Klienten. Er ist sicherer geworden. Also ich würde sagen, wir wissen genauer, - sowohl er als auch ich - was wir wollen und können, was wir nicht mehr unbedingt wollen müssen.
Sven Fricke scannt auch privat falsch parkende Autos
TAG24: Wenn du in deinem Alltag auf Probleme oder knifflige Situationen stößt, fragst du dich dann manchmal: "Was würde Daniel jetzt machen?"
Fricke: Das gibt es schon. Ich glaube, man kann nicht so lange miteinander durchs Leben gehen, ohne dass man jeweils immer an den anderen denkt oder den zumindest als irgendeine Art Filter, mit dem man die Welt beobachtet, mitträgt. Und das ist bei mir auch so. Er ist wie ein guter Bekannter oder ein Freund, den man immer mal wieder trifft und mit dem man schon auch im Austausch steht. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich nach Hause komme und Daniel erst mal abwaschen muss.
Ich merke zum Beispiel, wenn ich mal sehe, dass ein Auto eine Bordsteinabsenkung zuparkt, weil es zu wenig Parkplätze gibt - da denkt der Daniel in mir: "Das geht ja nicht, das ist doch keine Art zu parken, herrje!" Da guckt der Ordnungshüter dann aus meinen Augen heraus.
TAG24: Wenn du auf die ganzen Jahre "Großstadtrevier" zurückblickst, was war dein prägendster Moment in der ganzen Zeit?
Fricke: Ich würde sagen, den prägendsten Moment per se, den gibt es gar nicht. Weil prägend, da denke ich sofort an die Anfänge, an etwas, das einen formt für die Zukunft. Ich glaube, prägend ist, wenn ich jetzt zurückgucke, die Zeit selbst. 14 Jahre "Großstadtrevier". Ich habe mein Abi nach 13 Jahren gemacht. Ich habe noch nichts in meinem Leben so lange gemacht wie diese Serie.
Und auch noch nicht über einen so langen Zeitraum immer mit den gleichen Menschen meine Tage verbracht, meine Arbeit getan. Das prägt. Da hinzugehen, das frisch zu halten mit den Leuten. Eingebettet in so etwas, das prägt mich und mein Denken über mich selbst mehr als jetzt irgendeine spezielle Verfolgungsjagd. Weil da weiß ich schon, das ist Arbeit und da bin ich professionell genug, dass ich das irgendwie einordnen kann. Was nicht heißt, dass es nicht in den 14 Jahren Sachen gegeben hat, die sich sehr fest in mein Denken und in meine Erinnerungen eingebrannt haben, weil ich das nicht gemacht oder erlebt hätte, wenn es nicht das "Großstadtrevier" gegeben hätte.