Immer mehr illegale Wohnungs-Bordelle: "Ab dem Moment, in dem du dich verstrickst, kommst du nicht mehr raus"

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Leipzig - Für die Sendung "exactly: Illegale Bordelle in Ostdeutschland" hat sich der MDR in Sachsen und Sachsen-Anhalt auf die Suche nach illegalen Wohnungsbordellen begeben - und ist fündig geworden.

Cathrin Schauer-Kelpin von KARO e.V. setzt sich für Betroffene sexueller Gewalt und von Menschenhandel ein.
Cathrin Schauer-Kelpin von KARO e.V. setzt sich für Betroffene sexueller Gewalt und von Menschenhandel ein.  © MDR

Was in der MDR-Recherche auffällt: In vielen Städten gibt es nur eine Handvoll angemeldeter Bordelle. Eine schnelle Google-Recherche zeigt aber, dass es vor Ort deutlich mehr Angebote gibt. Teilweise werden ganze Häuser mit mehreren Wohnungen angemietet, um möglichst viele Freier zu bedienen.

Cathrin Schauer-Kelpin vom Plauener Verein KARO setzt sich sei Jahren für den Schutz und die Rettung von Prostituierten ein. Auch sie hat einen rapiden Anstieg an Wohnungsbordellen bemerkt.

"Es ist in den letzten Jahren wirklich schwieriger geworden, Frauen rauszuholen", erklärt die Sozialarbeiterin. Das sei vor allem auch dadurch begründet, dass die Frauen illegal aus Lateinamerika, Osteuropa oder Asien einreisen und nach wenigen Tagen wieder an andere Orte gebracht werden. Dahinter steckt ein riesiges System mit vielen helfenden Händen.

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Aktuell werden demnach vielen Frauen aus Asien Jobs in Deutschland in Aussicht gestellt - etwa im Nagelstudio oder einem Restaurant -, danach folgt die Schleusung über Litauen und Polen. In der Bundesrepublik angekommen, nehmen die Zuhälter ihnen ihre persönlichen Dokumente weg und stellen ihnen eine Rechnung über Zehntausende Euros aus. Der einzige Weg, diese Schulden wieder zu begleichen? Prostitution. Und so beginnt der verheerende Kreislauf für viele Frauen.

"Ab dem Moment, in dem du dich verstrickst, kommst du nicht mehr raus", erzählt eine ehemalige Prostituierte aus Osteuropa in dem Beitrag. "Du kannst nur rauskommen, wenn sie dich tatsächlich gehen lassen oder kein Interesse mehr an dir haben."

Nach Einschätzung der Experten im MDR-Beitrag arbeitet ein Großteil der Prostituierten nicht freiwillig in der Branche. (Symbolbild)
Nach Einschätzung der Experten im MDR-Beitrag arbeitet ein Großteil der Prostituierten nicht freiwillig in der Branche. (Symbolbild)  © Andreas Arnold/dpa

MDR-Recherche zeigt: Illegale Wohnungsbordelle nehmen zu

Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein ist schon gegen viele Akteure in der Zwangsprostitution vorgegangen.
Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein ist schon gegen viele Akteure in der Zwangsprostitution vorgegangen.  © MDR

Sowohl Cathrin Schauer-Kelpin als auch eine Mitarbeiterin eines Ordnungsamtes in Sachsen-Anhalt bestätigen: Die Behörden haben erst dann etwas in der Hand und können aktiv werden, wenn die Frauen sich trauen, gegen ihre Peiniger auszusagen.

Das sei laut Schauer-Kelpin leider nicht so leicht: "Die Frauen sehen die Polizei als Feindbild." Auch Scham und Angst vor den Menschenhändlern spielen natürlich große Rollen.

Der Chemnitzer Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein, der im Beitrag ebenfalls zu Wort kommt, wünscht sich deshalb, dass die Politik endlich aktiv wird und eine Gesetzesänderung auf den Weg bringt. Denn ohne die Mithilfe der betroffenen Frauen seien Juristen bei der Anklage von Zwangsprostitution und Menschenhandel oft die Hände gebunden.

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"Ich würde mir wünschen, dass der Staat diesen Frauen hilft, sie dort rauszuholen, indem ihnen Angebote unterbreitet werden, wie sie sich legal in Deutschland aufhalten können und gegebenenfalls auch arbeiten dürfen", so Klein.

Den kompletten "exactly"-Beitrag könnt Ihr ab sofort in der ARD-Mediathek ansehen.

Titelfoto: Montage MDR ; Andreas Arnold/dpa

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