"In aller Freundschaft"-Star Udo Schenk über seine Rolle: "Er gefällt mir, wie er ist"

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Leipzig - Die ARD-Erfolgsserie "In aller Freundschaft" (IaF) ist in der Sommerpause. Ab 1. September wird die laufende 29. Staffel mit Folge 1145 "Keine Abkürzung" fortgesetzt. Schon kommenden Mittwoch (22. Juli) gibt es einen großen Auftritt bei den Leipziger Filmnächten, mit zwei der künftigen Folgen und einem Dutzend der Schauspielerinnen und Schauspieler. Darunter auch Udo Schenk (73) alias Dr. Kaminski, einer der Publikumslieblinge. Schenk stammt aus Wittenberg, war viele Jahre Theaterschauspieler und ist gefragter Synchronsprecher. TAG24 sprach mit ihm.

Als Dr. Rolf Kaminski tritt Udo Schenk (73) stets elegant im Dreiteiler auf.
Als Dr. Rolf Kaminski tritt Udo Schenk (73) stets elegant im Dreiteiler auf.  © MDR

TAG24: Herr Schenk, haben Sie ein passendes Nietzsche-Zitat zum Tage?

Udo Schenk: Lieber würde ich Ihnen eine Anekdote erzählen, die erklärt, wie ich erstmals mit Nietzsche in Berührung kam. Das war im Theater Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt. Ich bin in der DDR sozialisiert worden, bevor ich das Land 1985 verließ. Als Schauspielschüler spielte ich unter anderem in Karl-Marx-Stadt, wo auch Peter Sodann engagiert war. Der hatte die Wände der Kantine mit Sprüchen tapeziert, darunter das Nietzsche-Zitat: "Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht." Inhaltlich ist dieser Satz nicht mehr vermittelbar, dennoch bewies Sodann damals Mut: Nietzsche wurde im Realsozialismus gemieden, der Staat tat alles dafür, dass er den Leuten nicht in die Köpfe kam.

TAG24: Ihre IaF-Figur, der Urologe Rolf Kaminski, ist ein intellektueller Zyniker mit philosophischer Vorliebe für Friedrich Nietzsche und Nicolás Gómez Davila. Er ist ein ziemlich einzigartiges Profil im deutschen Fernsehen. Inwieweit durften Sie die Figur mitentwerfen?

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Schenk: Erfunden hat den Kaminski die Dramaturgie. Ich fand den Charakter interessant, deshalb bin ich zum Casting gegangen. Dort hatte ich einige Szenen mit Alexa Maria Surholt zu spielen, die in der Serie die Verwaltungs-Chefin Sarah Marquardt ist. Offenbar war meine Interpretation die stimmigste von allen. Mitgewirkt an der Definition der Rolle habe ich insofern, dass ich mit Sorge dafür getragen habe, dass der Charakter Kaminski nicht aufweicht, dass er der kantige Einzelgänger bleiben konnte, der er von Beginn an war.

Udo Schenk im TAG24-Interview: Kaminski soll ein Außenseiter bleiben

Ab und an kann Dr. Kaminski auch mal seine weiche Seite zeigen.
Ab und an kann Dr. Kaminski auch mal seine weiche Seite zeigen.  © Rudolf Wernicke/Saxonia Media/MDR/dpa

TAG24: Kaminski, kann man den Fan-Posts im Netz entnehmen, gehört zu den beliebtesten Figuren der Serie. Was mögen Sie an ihm, was missfällt Ihnen?

Schenk: Er gefällt mir, wie er ist. Er ist ein klar umrissener Charakter. Am wichtigsten ist, glaube ich, dass man ihn so sein lässt. Dramaturgisch gesehen heißt das, dass er nicht in allzu viele Seitenstränge eingebunden wird und zu den anderen Figuren Distanz wahrt. Der Reiz der Figur liegt darin, dass sie Außenseiter ist.

TAG24: Inwieweit müssen Sie Kaminski ins Privatleben mitnehmen. Werden Sie auf der Straße um Diagnosen gebeten, weil man Sie für einen Arzt hält?

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Schenk: Ja, wirklich, das kommt vor. Ich antworte gerne freundlich ironisch: "Wenn Sie möglichst bald den Löffel abgeben wollen, dann kommen Sie zu mir in die Sachsenklinik, ansonsten empfehle ich Ihnen, zu einem richtigen Arzt zu gehen." Damit ist das Eis meist gebrochen. Tatsächlich merke ich, dass die Leute sich mir meistens nicht überschwänglich, sondern respektvoll-distanziert nähern. Das hat wohl mit Kaminskis Charakter zu tun.

Für Schenk ist das "IaF"-Team ein "eingeschworenes Ensemble"

Der "IaF"-Cast ist nach vielen gemeinsamen Jahren ein eingespieltes Team.
Der "IaF"-Cast ist nach vielen gemeinsamen Jahren ein eingespieltes Team.  © MDR/Saxonia Media/Markus Nass/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs

TAG24: Wenn wir richtig mitgezählt haben, feiern Sie kommendes Jahr zwanzigjähriges Jubiläum am IaF-Set. Eine lange Zeit. Haben Sie damit gerechnet, als Sie damals eingestiegen sind?

Schenk: Nein, gewiss nicht. Der Erfolg der Figur Kaminski beim Publikum hat sich recht schnell eingestellt, aber dass er so lange anhält, ist doch eine freudige Überraschung für mich. Der Schauspieler Udo Schenk ist in dieser Zeit zum Rentner geworden - ich bin nunmehr 73 Jahre alt. Dennoch kriege ich den jüngeren Kaminski in der Altersanmutung noch glaubwürdig hin, sagt man mir.

TAG24: Was ist es, das IaF für Sie besonders macht?

Schenk: Die Drehbücher sind stimmig, die Geschichten sind nah am wirklichen Leben, die Charaktere überzeugend. Darüber hinaus ist es vor allem das ausgezeichnete Teamwork, von der Produktion über die Maske bis ins Ensemble. Ich glaube, das ist uns allen bewusst, dass wir ein eingeschworenes Ensemble sind, in dem jeder für den anderen einsteht.

TAG24: Sie sind darüber hinaus eine der prominentesten Synchronstimmen des Landes. Sie sind Lord Voldemort!

Schenk: Synchronisieren ist etwas, dass ich gerne mache und schon in der DDR getan habe. Mitunter lernt man noch etwas für den Beruf, wenn man die Kollegen spielen sieht, denen man die Stimme gibt. Ich habe es aber reduziert und mich vor einigen Jahren auf vier Schauspieler beschränkt: Gary Oldman, Ralph Fiennes - Lord Voldemort in den Harry-Potter-Filmen -, Kevin Bacon und Ray Liotta. Liotta ist gestorben, so sind es nur noch drei.

Gibt es eine Zukunft zwischen Dr. Kaminski und Sarah Marquardt?

Mit Klinikchefin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt, 58) verbindet Kaminski eine knisternde Freundschaft.
Mit Klinikchefin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt, 58) verbindet Kaminski eine knisternde Freundschaft.  © MDR

TAG24: Eine Ihrer bekanntesten Synchronrollen ist MI6-Boss "M" in zwei James-Bond-Filmen der Daniel-Craig-Reihe, auch gespielt von Ralph Fiennes. Wenn Sie also wüssten, dass Fiennes auch beim Neustart der Bond-Reihe wieder mit dabei wäre, etwa weil Sie als seine deutsche Stimme wieder angefragt worden wären - würden Sie uns das verraten und somit allen Bond-Fans eine exklusive Information geben?

Schenk: Dazu dürfte ich mit Sicherheit nichts sagen! Könnte ich auch gar nicht, denn ich habe keine Anfrage erhalten. Sollte es so sein, dass Ralph Fiennes als "M" wieder besetzt wird, gäbe ich ihm gerne weiter meine Stimme.

TAG24: Zurück zu IaF. Dort pflegt Dr. Kaminski seit Langem ein vertrautes Verhältnis zu Klinikchefin Sarah Marquardt, das nicht ohne erotische Schwingungen ist. Wann wird endlich was aus den beiden?

Schenk: Kaminski in einer Liaison mit der Klinikchefin, können Sie sich das vorstellen? Würde das zur Figur passen? Ich glaube nicht. Kaminski sollte seine Grenzen nicht überschreiten. Die erotische Spannung darf bleiben.

Titelfoto: MDR

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