Jane Fonda: "Ich sollte mir das Kinn brechen!"

Von Björn Strauss

Straßburg - Sie war und ist eine "Rebellin in Hollywood" - so der Titel des bezaubernden Films über Jane Fonda (82). Kaum zu glauben: Selbst diese einzigartige Frau galt zunächst als nicht hübsch genug für Hollywood! 

Die junge Jane Fonda in einer ihrer ersten Aufnahmen. Sie ist Schauspielerin, Bürgerrechtlerin und Klimaschutzaktivistin und zweifache Oscar-Preisträgerin.
Die junge Jane Fonda in einer ihrer ersten Aufnahmen. Sie ist Schauspielerin, Bürgerrechtlerin und Klimaschutzaktivistin und zweifache Oscar-Preisträgerin.  © ARTE/Florence Platarets

"Ich sollte mir das Kinn brechen lassen von einem Kiefernspezialisten, um die Wangenknochen zu betonen." 

So beginnt die arte-Doku über die 82-jährige Film-Ikone. "Es war klar, dass ich eine Ware bin - es ging nur um Verkauf..." 

Schnell begriff die Tochter von Henry Fonda (verstorben 2019, beeindruckend im gemeinsamen Film: "Am goldenen See", TAG24 berichtete) das Business, dem sie sich über Jahrzehnte entgegensetzte. "Meine Kiefer und die Nase habe ich behalten, aber falsche Brüste und gefärbte blonde Haare habe ich gehabt und falsche Wimpern zehn lange Jahre." Dann eine Wende!

Jane Fonda verkörpert wie kaum eine andere Kultfigur Mythen ihres Landes und offenbart dabei gleichzeitig auch Widersprüche in den USA. 

arte zeigt eine Dokumentation über die Grand Dame, die alles in einem ist: "Erbin von Hollywoods Star-System und Muse des französischen Autorenfilms, Oscarpreisträgerin und Aktivistin, Feministin sowie Aerobic-Queen bis hin zu "Grace und Frankie" - ihrer wunderbaren "Altersrolle". 

Wer kann schon so viele Facetten in einem einzigen Leben vereinen wie Jane Fonda?

Jane Fonda (heute 82) hier bei den 71. Internationalen Filmfestival in Cannes im Jahr 2018.
Jane Fonda (heute 82) hier bei den 71. Internationalen Filmfestival in Cannes im Jahr 2018.  © Arthur Mola/Invision/AP/dpa

Nach dem Sex-Symbol kam die Aktivistin

Zuletzt lief im ARD-Sommerkino der Film "Book Club - Das Beste kommt noch" mit Jane Fonda im Ersten.
Zuletzt lief im ARD-Sommerkino der Film "Book Club - Das Beste kommt noch" mit Jane Fonda im Ersten.  © Paramount Pictures/ARD Degeto

Ihre persönlichen Etappen sind sehr stark mit denen ihres Heimatlandes verbunden: "Das hübsche Gesicht von Henry Fondas Tochter, 1960 erstmals auf der Leinwand, wurde 1968 vom Bild der Sexbombe Barbarella abgelöst", so die Regisseurin des Films, Florence Platarets. 

Die 70er-Jahre waren geprägt von der "Aktivistin, die der Welt ihr politisches und feministisches Engagement offenbarte". Als 40-Jährige dann ein weiteres Ideal: der neue Körperkult. Aerobic-Queen Jane - im Bodysuit, dünn und mit Föhn-Tolle - ersetzte im kollektiven Unbewussten die kämpferische "Hanoi Jane" (wie sie genannt wurde). 

Sie tauchte 15 lange Jahre ab. Und während des langen Verschwindens aus dem Kino- und Fernsehprogramm "setzte sich für die Nachwelt das Bild einer aktiven und energiegeladenen Frau fest, die aus dem Kampf gegen das Alter eine Aerobic-Routine machte", so der Sender arte, der die Doku im Programm hat. 

Seit 2005 hat Fonda wieder Filmrollen übernommen. Mit 70, auch mit 80 Jahren bekennt sich Jane Fonda dann auch selbstironisch zu ihren "Großmutterrollen, ihren Falten und ihren Schönheitsoperationen". Und: Macht noch immer Werbung...

Die Künstlerin verstand es immer, im Einklang mit ihrem Land, dessen Träumen, Bestrebungen und Enttäuschungen zu stehen. Das Faszinierendste an Jane Fonda - so die Regiesseurin - "ist ihre Art, Amerika zu verkörpern, seinen Legendenbildern zu entsprechen oder aber diese Legenden abzulehnen" - kurz: die verschiedenen Gesichter der USA zu erfassen – und dabei stets integer zu bleiben. Bis heute! Die Doku beleuchtet eindrucksvoll ihr Leben und Wirken.

Jane Fonda politisch: Sie sprach auf einem "Fire Drill Fridays"-Protest auf dem Rasen des US-Kapitols. Es ging um die Notwendigkeit eines gerechten Übergangs von einer Wirtschaft auf Basis fossiler Brennstoffe zu einer Wirtschaft, die auf sauberen, erneuerbaren Energiequellen fußt.
Jane Fonda politisch: Sie sprach auf einem "Fire Drill Fridays"-Protest auf dem Rasen des US-Kapitols. Es ging um die Notwendigkeit eines gerechten Übergangs von einer Wirtschaft auf Basis fossiler Brennstoffe zu einer Wirtschaft, die auf sauberen, erneuerbaren Energiequellen fußt.  © Sue Dorfman/ZUMA Wire/dpa
2019: Jane Fonda als Aktivistin mit Ted Danson (l., Schauspieler aus den USA) werden bei einer Demonstration in der Nähe des Kapitols verhaftet, nachdem sie gemeinsam mit anderen Demonstranten eine Straße blockiert haben, um den Kongress dazu aufzurufen gegen den Klimawandel aktiv zu werden.
2019: Jane Fonda als Aktivistin mit Ted Danson (l., Schauspieler aus den USA) werden bei einer Demonstration in der Nähe des Kapitols verhaftet, nachdem sie gemeinsam mit anderen Demonstranten eine Straße blockiert haben, um den Kongress dazu aufzurufen gegen den Klimawandel aktiv zu werden.  © J. Scott Applewhite/AP/dpa

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TIPP: arte hat neben der Doku "Jane Fonda - Eine Rebellin in Hollywood" (nächste Ausstrahlung, 27. September, 6.30 Uhr) auch noch die "Masterclass mit Jane" (aufgezeichnet im Oktober 2018 in der Cinémathèque française) im Repertoire.

Titelfoto: ARTE/Florence Platarets/dpa

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