Karl-Heinz (64) nach Mega-Betrug: "Habe hundertprozentig geglaubt, ich spreche mit meiner Tochter"

Leipzig/Bautzen - Immer wieder muss die Polizei von Schockanrufen berichten, durch die Privatpersonen um teils Zehntausende Euro ihrer Ersparnisse gebracht werden. Eines der Opfer hat nun vor laufender Kamera gesprochen.

119 solcher Krügerrand-Münzen übergab das Ehepaar.
119 solcher Krügerrand-Münzen übergab das Ehepaar.  © SCOTT OLSON/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/GETTY IMAGES VIA AFP

Am 29. November 2022 wird Karl-Heinz B. (64) auf seinem Handy angerufen. Zu diesem Zeitpunkt werkelt er gerade an seinem Elternhaus herum, das sein Bruder bewohnt. Am anderen Ende des Hörers meldet sich "Oberstaatsanwältin Braun", die ihm Schlimmes berichtet.

Seine Tochter habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine schwangere Frau ums Leben gekommen sei. Für ein paar Sekunden darf B. mit seinem angeblichen Kind sprechen, das verheult ein paar Wörter spricht. "Wenn irgendwas passiert, ist meine Tochter vollkommen fertig, aufgelöst und weinerlich. Ich habe zu dem Zeitpunkt hundertprozentig geglaubt, ich spreche mit meiner Tochter", erzählt er in der MDR-Sendung "Kripo live".

Sie müsse ins Gefängnis, wenn er keine Kaution in Höhe von 150.000 Euro hinterlege. B. antwortet, er könne nur mit wertvollen Goldmünzen dienen. Der Rentner wird anschließend ausgefragt, ob seine Frau daheim sei und ein Handy besitze und ob es einen Festnetzanschluss gibt. Beide Nummern musste er den Betrügern durchgeben.

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Er läuft in seine Wohnung. Noch bevor er dort eintrifft und mit seiner Gattin über den Fall sprechen kann, rufen die Gangster bei ihr an und verwickeln sie in ein Gespräch. Diesmal ist auch ein "Richter Bach" vom Amtsgericht Bautzen am Apparat.

"Ich habe mich an alles gehalten, weil ich Angst gehabt habe", berichtet der Senior, der 119 Krügerrand-Goldmünzen aus Südafrika zum Stückpreis von 1700 Euro und einen 60.000 Euro teuren Goldbarren in eine auffällig rote Rossmann-Tüte packte.

Polizei weiß: "Sie vermeiden es um jeden Preis, dass die Geschädigten auflegen"

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem Abholer.
Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem Abholer.  © Polizei Görlitz

Zwei Stunden lang wird das Ehepaar anschließend am Telefon gehalten, bis der Abholer an der Adresse in der Bautzner Thrombergstraße eintrifft. Anja Leuschner von der in diesem Fall zuständigen Polizeidirektion Görlitz kennt diese Vorgehensweise: "Sie vermeiden es um jeden Preis, dass die Geschädigten auflegen, weil sie dann die Möglichkeit hätten, sich jemandem anzuvertrauen oder die Polizei zu informieren."

Den Ausweis des Abholers bekommt B. nicht zu Gesicht. Die Betrüger geben an, dass dies ein Sicherheitsrisiko sei, die Boten ohnehin nicht wüssten, was sie transportieren und auch gar keine Ausweispapiere bei sich tragen.

Nach der Übergabe wird das Gespräch für weitere 20 Minuten aufrechterhalten. Nachdem es beendet ist, erfährt B. vom Amtsgericht, dass es dort keinen "Richter Bach" gibt. Ebenso hat seine Tochter keinen Unfall verursacht.

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"Es trifft mich sehr schwer, sag ich ehrlich. Für meine Kinder hätte ich es gebraucht. Und es hätte meine Altersabsicherung sein können", ärgert sich der Geschädigte.

Den Abholer konnte er wie folgt beschreiben:

  • circa 25 bis 27 Jahre alt
  • etwa 1,78 Meter groß mit sportlicher, athletischer Gestalt
  • europäisches, gepflegtes Aussehen
  • trug schwarze Leggings, eine graue Jacke sowie eine schwarze Wollmütze

Hinweise zu dem Gesuchten erbittet die Polizei Görlitz unter der Nummer 03581/468100. Eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro wurde ausgelobt.

Neuer Fall aus Leipzig: 82-Jährige verliert Goldschmuck an Betrüger

Auch in Leipzig funktionierte der Schockanruf. (Symbolbild)
Auch in Leipzig funktionierte der Schockanruf. (Symbolbild)  © 123RF/rioblanco

Ein aktueller Fall spielte sich in Leipzig ab. Hier erhielt eine 82-jährige Frau am vergangenen Freitag den Anruf eines angeblichen Botschaftsmitarbeiters aus Paris. Auch er behauptete, die Tochter hätte einen Unfall verursacht, bei dem ein Kleinkind getötet wurde.

Aufgrund einer erwartbar höheren Strafe in Frankreich wolle er versuchen, das Verfahren nach Deutschland zu verlegen. Wenig später rief ein angeblicher Staatsanwalt die Rentnerin an, der 65.000 Euro verlangte.

"Die ältere Dame hatte so viel Bargeld nicht zu Hause, weswegen sie am Telefon aufgeforderte wurde, Goldschmuck bereitzulegen", sagte Polizeisprecherin Josephin Heilmann am Sonntag.

Der noch nicht bezifferbare Schmuck wurde daraufhin in der Walther-Rathenau-Straße im Stadtteil Liebertwolkwitz einem Mitarbeiter des Staatsanwalts übergeben. Danach telefonierte die 82-Jährige mit ihrer Tochter, wodurch der Betrug offenbart wurde.

Folgende Beschreibung des Abholers liegt vor:

  • circa 1,75 bis 1,80 Meter groß und schlank
  • circa 25 Jahre alt
  • helle Hautfarbe
  • keine Brille, kein Bart
  • dunkelblondes, kurzes, glattes Haar
  • Bekleidung: blousonartiges Oberteil, helle Farbe (grau/weiß) mit unauffälligem Muster, helle Hose

Hinweise gebt Ihr bitte der Kriminalpolizei, Dimitroffstraße 1 in 04107 Leipzig, Telefon (0341) 966 4 6666.

Titelfoto: Bildmontage: SCOTT OLSON/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/GETTY IMAGES VIA AFP, Polizei Görlitz

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