"Drecksvieh!" Anschlag auf Eltern von Leipziger Linken-Politikerin Juliane Nagel

Leipzig - Fast fünf Jahre ist es her, dass auf das elterliche Wohnhaus der Leipziger Linken-Politikerin Juliane Nagel (41) ein Anschlag verübt worden ist. Erst jetzt hat die sächsische Landtagsabgeordnete den Fall aber öffentlich gemacht. Es gibt eindeutige Verbindungen zu einer rechten Gruppierung. 

Die Eltern von Linken-Politikerin Juliane Nagel (41) wurden Opfer eines Anschlags.
Die Eltern von Linken-Politikerin Juliane Nagel (41) wurden Opfer eines Anschlags.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Immer wieder wird Juliane Nagel für ihre linksalternative Meinung kritisiert, angefeindet und bedroht. 2015 traf es allerdings nicht sie selbst, sondern ihre Eltern. 

Ein Mitglied der Leipziger Burschenschaft "Germania" hatte in einem internen E-Mail-Verkehr laut Recherchen der MDR-Sendung "exakt" eindeutig zu einem Anschlag auf Nagels Mutter aufgefordert. 

"Es wird höchste Zeit, dass die Kutsche mal zurück zu Frau J. Nagel fährt. Und wenn dieses Drecksvieh nicht zu schnappen ist, gibt es ja noch die alte ... Mutti... Nagel. Vielleicht findet der eine oder andere Stein seinen Weg in ihre Buchhandlung in der Karl-Liebknecht-Straße." Auf MDR-Nachfrage hat der Verfasser (42) der Nachricht jedoch bestritten, diese geschrieben zu haben. 

Der gebürtige Thüringer und heutige Rechtsanwalt behauptet, nie etwas mit "Germania" zu tun gehabt zu haben, was andere Mitglieder jedoch anders bestätigen. 

Ein Empfänger der Mail behauptete gegenüber "exakt": "Die (...) kenne ich nicht. Es mag sein, dass diese mir wie eine Vielzahl anderer 'Germanen-Mails' zugegangen ist." Zur Kenntnis habe er sie jedoch nicht genommen, "sonst hätte ich dazu auch Position bezogen." 

Stein durchschlägt Fenster von Nagel-Wohnhaus

Nagels Abgeordnetenkollegin Kerstin Köditz (53) kritisierte das Wegschauen des Verfassungsschutzes in Sachen Burschenschaften.
Nagels Abgeordnetenkollegin Kerstin Köditz (53) kritisierte das Wegschauen des Verfassungsschutzes in Sachen Burschenschaften.  © Holm Helis

Im Herbst 2015 wurde aus der Ankündigung Realität. Zwar traf der Stein nicht die Buchhandlung, sondern das Wohnhaus von Nagels Eltern. 

"Der Stein hat das Fenster des Wohnzimmers durchschlagen und ist im Innenraum gelandet. Und wir können eigentlich froh sein, dass da gerade sich niemand aufgehalten hat, sonst hätte auch Schlimmeres passieren können." Bei ihren Eltern habe danach eine große Angst geherrscht - "ob das alles ist, ob jetzt noch mehr passiert".

Einen Tatverdächtigen gab es damals nicht, das Verfahren wurde ergebnislos eingestellt. Durch die kürzliche Offenlegung der internen "Germania"-Chatprotokolle wurde der Fall neu aufgerollt. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt prüfen jetzt, ob es einen Zusammenhang zwischen Mail und Anschlag gibt. 

"Ich war damals schon enttäuscht, dass da offensichtlich nicht viel Kraft aufgewendet wurde und würde mir jetzt erhoffen, dass gerade vor dem Hintergrund der Enthüllungen auch um diese rechte Chatgruppe oder diesen Verbindungslinien zwischen Burschenschaftlern und Neonazis noch mal tief reingeguckt wird", so Juliane Nagel.

Ihre Partei-Kollegin im Landtag, Kerstin Köditz (53), kritisiert, dass Burschenschaften "seit Jahren" kein Thema für den Verfassungsschutz seien. "Ich erwarte, dass hier endlich mal auch in den Sicherheitsbehörden ein Umdenken stattfindet, dass solche Leute nichts in der Bundeswehr und in den sächsischen Sicherheitsbehörden zu suchen haben, dass die Waffenscheine eingezogen werden."

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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