Ex-Bundespräsident Gauck vergleicht Deutschland mit bierbäuchigem Mann
Berlin - Geopolitische Krisen und Kriege bestimmen die Tagesordnung. Bei "Caren Miosga" bezog der frühere Bundespräsident Stellung - und griff zu einem bildhaften Vergleich.
In der ARD-Sendung kommentierte der 86-jährige Joachim Gauck die aktuelle weltpolitische Lage.
Bei der Frage, wie es derzeit um Deutschland stehe, wurde Gauck deutlich: "Das ist ein gut genährter Mann mit einem kleinen Bierbäuchlein. Aber früher war er ein Athlet."
Auch mit Europa im Allgemeinen ging der Ex-Bundespräsident hart ins Gericht und sagte: "Wir leben in einer verfetteten Ohnmacht. Wir gucken lieb und denken, dass die Welt schon wieder in Ordnung gerät."
Als es um den deutschen Bundeskanzler und dessen kürzlichen Besuch bei Donald Trump (79) ging, zeigte Gauck durchaus Verständnis: "Der Merz würde doch auch lieber sagen: 'Hör mal zu, Alter, jetzt reicht's!' Aber das kann er nicht."
Deutschland sei "militärisch und wirtschaftlich noch abhängig" von den USA, attestierte Gauck und meinte: "Wir dürfen auch mitunter als Menschen, die in der Politik Verantwortung tragen, nicht das rausposaunen, was uns gerade das Herz schwer macht."
Joachim Gauck kritisiert USA und Regime im Iran
Auch zum Iran-Krieg wurde der ehemalige Bundespräsident befragt: "Es geht ein Riss durch mich selber. Ich sehe die Verletzung der Menschen im Iran und ich finde es angemessen, dass man ihnen von außen hilft", sagte Gauck und machte die Diskrepanz zwischen moralischem Empfinden und politischer Realität deutlich.
Dass die USA massiv zurückfalle auf militärische Macht und das Völkerrecht zunehmend beschnitten sei, nannte Gauck "bedrückend" - kritisierte dabei jedoch auch das iranische Mullah-Regime.
"Ich bin wirklich manchmal froh, nicht im Deutschen Bundestag zu sitzen, weil das, was du fühlst, kannst du nicht immer politisch umsetzen. Du möchtest einerseits unbedingt das Völkerrecht verteidigen, andererseits siehst du Situationen, wo das Völkerrecht nicht imstande ist, bitterstes Unrecht zu beenden", so der 86-Jährige.
Titelfoto: NDR/Thomas Ernst
