Gefangen im Netz der Täter: Zürcher Tatort wird zum nervenaufreibenden Thriller
Zürich - Dieser Fall beginnt im Dunkeln und hört dort nicht auf. In "Tatort: Könige der Nacht", der am heutigen Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten läuft, geraten Tessa Ott (Carol Schuler, 39) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, 47) in ein Geflecht aus Gewalt, Ausbeutung und Lügen.
Alles startet mit einer scheinbar harmlosen Pizza-Lieferung: Fahrradkurierin Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi, 37) wird Zeugin, wie zwei Vermummte eine Leiche verschwinden lassen und entkommt nur knapp.
Doch zur Polizei kann sie nicht. Moya lebt illegal in Zürich, versteckt sich unter falschem Namen bei ihrer Freundin Sanaa Mukambo (Nancy Mensah-Offei, 37).
Als kurz darauf die Leiche des Sexarbeiters Ruben Jovanov (Yves Weckemann) am Limmatufer auftaucht, wird klar: Das war kein Zufall.
Während Moya um ihr Leben fürchtet, stoßen Ott und Grandjean auf ein System, in dem Macht, Geld und Abhängigkeit eng miteinander verwoben sind. Eine Spur führt zu Richter Dr. Urs Jacobi (Stefan Merki, 63), der offenbar glaubt, sich Nähe kaufen zu können.
Als Sanaa bei einem mysteriösen Autounfall stirbt, eskaliert der Fall endgültig. Und plötzlich ist klar: Die Täter sind näher, als alle denken.
Lohnt sich das Einschalten bei der Tatort-Folge "Könige der Nacht"?
Und wie! "Könige der Nacht" liefert genau das, was ein moderner Tatort können sollte. Der Einstieg ist stark, fast schon filmisch inszeniert, und zieht sofort rein. Dazu kommen intensive Szenen, echte Spannung und Momente, in denen es körperlich richtig zur Sache geht.
Besonders Nambitha Ben-Mazwi überzeugt als Moya Alemu. Ihre Darstellung trägt den Film, vor allem in den emotionalen Schlüsselmomenten.
Aber auch das Ermittlerinnen-Duo funktioniert hervorragend: Carol Schuler spielt Ott nahbar und zerrissen, während Anna Pieri Zuercher als Grandjean kontrolliert und fokussiert bleibt. Diese Dynamik gibt dem Film Stabilität. Auffällig ist der fast internationale Look.
Vieles erinnert an US-Krimiserien - mit klaren Figuren, Tempo und einem Team, das ineinandergreift. Auch Basil Eidenbenz (33) bringt als neuer Kollege Justus Reynier frischen Wind rein, auch wenn er hier und da leicht überzieht und einige Überraschungen parat hat.
Inhaltlich kratzt der Film an großen Themen wie Migration, Ausbeutung und moralischen Grauzonen, ohne sich darin zu verlieren.
Genau das funktioniert: spannend, dicht erzählt und mit genug Haltung, ohne belehrend zu wirken. Am Ende bleibt ein Tatort, der mitreißt, unterhält und gleichzeitig etwas zu sagen hat. Einer, bei dem man nicht aufs Handy schaut, sondern dranbleibt. Stark!
Titelfoto: SRF/Sava Hlavacek

