Nürnberg - Ein grausamer Mord, ein idyllisches Dorf und ein Verbrechen aus der Vergangenheit, das bis heute tiefe Wunden hinterlassen hat. Der "Tatort: Gottesgarten", der am Sonntag ab 20.15 Uhr im Ersten läuft, hat es gewaltig in sich. Ausgerechnet mit diesem erschütternden Fall feiert Kriminalhauptkommissarin Emilia "Emmy" Rathgeber (gespielt von Rosalie Thomass, 39) ihren Einstand an der Seite von Felix Voss (Fabian Hinrichs, 52).
In einem Nürnberger Stundenhotel wird der Travestiekünstler Elias Schaller (Moritz Bock, 29) mit aufgeschlitzter Kehle aufgefunden. Zunächst deutet alles auf ein Verbrechen im Rotlichtmilieu hin.
Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig: unzählige DNA-Spuren, keine Tatwaffe und kaum brauchbare Hinweise.
Erst die Recherchen von Kollegin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid, 47) führen die Ermittler in die oberfränkische Region Gottesgarten.
Dort stoßen sie auf Elias' Familie und ein lange zurückliegendes Verbrechen, über das offenbar niemand mehr sprechen möchte. Je tiefer Voss und Rathgeber graben, desto erschütternder wird die Wahrheit.
Und plötzlich geht es um weit mehr als die Frage, wer einen Menschen getötet hat.
Lohnt sich das Einschalten beim "Gottesgarten"-Tatort?
Ja, unbedingt! Endlich wieder ein "Tatort", der diesen Namen verdient.
"Gottesgarten" ist ein erschütternder, hervorragend durchdachter Krimi, der von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen anschließend noch lange beschäftigt. Hier stimmt einfach alles.
Besonders perfide ist der Einsatz eines bekannten Schlagers.
Wer "Ohne dich (schlaf' ich heut' Nacht nicht ein)" der Münchener Freiheit liebt, wird dieses Lied nach diesem Film mit völlig anderen Ohren hören. Ausgerechnet die romantische Melodie begleitet grausame Szenen und entwickelt dadurch eine geradezu gespenstische Wirkung. Was eigentlich zum Mitsingen einlädt, wird zum akustischen Albtraum. Das Gemeine daran: Der Ohrwurm bleibt! Noch Stunden später spukt einem das Lied im Kopf herum, allerdings mit Bildern, die man lieber vergessen würde.
Leonard Scheicher (34), Anselm Bresgott (27) und Moritz Bock liefern herausragende schauspielerische Leistungen ab. Gerade in den emotionalen und besonders bedrückenden Momenten wirken ihre Darstellungen so glaubwürdig, dass manche Szenen kaum auszuhalten sind. Auch der Wechsel im Ermittlerteam ist ein echter Glücksgriff. Rosalie Thomass bringt als Emmy Rathgeber eine sympathische, einfühlsame und angenehm unverkrampfte Art mit. Zusammen mit Fabian Hinrichs als Felix Voss entsteht sofort eine wunderbare Dynamik.
Besonders beeindruckend ist aber, wie konsequent "Gottesgarten" seine Geschichte erzählt. Hier wirkt nichts zufällig oder lieblos zusammengeschustert. Die Handlung entwickelt sich Stück für Stück, kleine Details bekommen plötzlich eine Bedeutung und hinter der vermeintlich friedlichen Dorfidylle kommen menschliche Abgründe zum Vorschein, die sprachlos machen. Dabei geht es nicht allein um Schuld, sondern auch um die Frage, was ein Verbrechen noch Jahre später mit seinen Opfern anrichtet und ob Gerechtigkeit überhaupt möglich ist.
Genau so muss ein Sonntagabend-Krimi sein. Bitte mehr davon!