Tatort "Sashimi spezial" enttäuscht auf ganzer Linie

Ludwigshafen – Ein junger Fahrradkurier taucht im Polizeipräsidium auf, will eine Selbstanzeige machen, doch dazu kommt es nicht mehr. Marc Weinert (Dario Scheffler, 25) verlässt im "Tatort - Sashimi spezial" das Gebäude und wird kurz darauf von einem Lieferwagen überrollt. Fahrerflucht. Helmkamera und Tablet verschwunden. Für Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, 64) und Johanna Stern (Lisa Bitter, 42) sieht das nicht nach einem tragischen Verkehrsunfall aus, sondern nach Vorsatz.

Johanna (Lisa Bitter, 42) und Dr. Özcan (Kailas Mahadevan, 47) können den Fahrradkurier nicht retten, nachdem er überfahren wurde.
Johanna (Lisa Bitter, 42) und Dr. Özcan (Kailas Mahadevan, 47) können den Fahrradkurier nicht retten, nachdem er überfahren wurde.  © SWR/Benoît Linder

Die Ermittlungen führen am Sonntag, um 20.15 Uhr im Ersten, zum Kurierdienst "Velopunks", einem selbstverwalteten Kollektiv, das mit Idealismus, Gemeinschaftssinn und Tempo gegen den rauen Markt antritt.

Offiziell glaubt man dort an einen Unfall. Schließlich gehört der tägliche Kampf zwischen Auto- und Fahrradfahrern in Ludwigshafen zum Geschäftsrisiko. Doch die Kommissarinnen wittern mehr.

Als sich spontan die Gelegenheit bietet, steigt Stern selbst aufs Rad und übernimmt Weinerts Touren, ohne offizielle Absprache.

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Ein riskanter Undercover-Einsatz, den Odenthal deckt, sogar vor dem Leitenden Polizeidirektor. Während sich ihre Kollegin durch Lieferdruck, interne Loyalitäten und gefährliche Routen strampelt, durchleuchtet Odenthal mit ihrem Team die Geschäftsbeziehungen der Firma.

Schnell wird klar: Hinter Sushi-Bestellungen wie "Sashimi spezial" verbirgt sich womöglich mehr als roher Fisch.

Lohnt sich das Einschalten beim Ludwigshafener "Tatort"?

Lena (Ulrike Folkerts, 64) und Mara (Davina Chanel Fox, 29) sind von Johanna's (Lisa Bitter) Alleingang nicht begeistert.
Lena (Ulrike Folkerts, 64) und Mara (Davina Chanel Fox, 29) sind von Johanna's (Lisa Bitter) Alleingang nicht begeistert.  © SWR/Benoît Linder

Selten fiel ein Urteil so deutlich aus: Dieser "Tatort" enttäuscht auf ganzer Linie.

Ulrike Folkerts liefert als Lena Odenthal routiniert ab, doch selbst ihre Präsenz kann nicht kaschieren, dass viele Szenen seltsam leblos bleiben. Lisa Bitter bekommt mit Sterns Undercover-Einsatz eigentlich starkes Material. Doch emotionale Ausbrüche fühlen sich gespielt an, nicht durchlebt.

Auch im Ensemble hakt es gewaltig. Besonders irritierend: Davina Chanel Fox (29). Sie agiert in ihrer Rolle als Polizeianwärterin Mara Hermann mit einem hörbar hineingedrückten Dialekt, den sie weder konsequent durchhält noch klar artikuliert. Teilweise nuschelt sie derart, dass selbst bei hoher Lautstärke kaum zu verstehen ist, was gesagt wird. Authentizität sieht anders aus.

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Handwerklich ist es nicht besser. Die tödliche Kollision? Durch Kameraeinstellungen "gelöst", die mehr verstecken als zeigen und dennoch erkennen lassen, dass der Radfahrer am Transporter vorbeifährt. Hinzu kommen willkürlich gesetzte Schnitte. Dialoge brechen abrupt ab, Figuren antworten auf Aussagen, die nie getätigt wurden. Gespräche verlaufen ins Leere.

Der Fall ist früh durchschaubar. Statt packendem Krimi entsteht der Eindruck einer überambitionierten, aber schlecht umgesetzten Idee. Dieser "Tatort" strampelt wie seine Figuren, kommt aber erzählerisch keinen Meter voran.

Titelfoto: SWR/Benoît Linder

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