Vermieter-Wahnsinn in sächsischer Stadt: Studenten-WG soll mehr als 7000 Euro Nebenkosten blechen
Leipzig - Die Linke feierte am Sonntag einen historischen Wahlerfolg in Berlin. Zentrales Thema im Wahlkampf waren unter anderem die hohen Mietpreise in der Hauptstadt. Das ist aber längst kein Berliner Phänomen mehr.
Das ARD-Magazin "FAKT" hat eine WG in Leipzig besucht. In der Wohnung lebte bis vor vier Jahren noch eine alleinerziehende Mutter. Der Mietpreis lag damals bei 850 Euro warm, bevor der Vermieter Sven Schwarzat der Frau wegen vermeintlichem Eigenbedarf kündigte.
Heute leben dort fünf junge Menschen und zahlen insgesamt einen Mietpreis von 2560 Euro. Für ein 15-Quadratmeter-Zimmer sind beispielsweise 530 Euro fällig.
Noch schockierender war die Nebenkostenabrechnung von 7211 Euro. "Danach gab es eine Mahnung nach zwei Wochen und auf unseren Widerspruch kam keine Reaktion", berichtete einer der Bewohner im ARD-Magazin.
Die beiden Vermieter waren zuvor schon negativ aufgefallen. Sie steckten unter anderem hinter der sogenannten "Horror-WG" mit 14 überteuerten Zimmern und insgesamt zwei Bädern. Überall war Schimmel, die Geräte waren kaputt. Die Stadt Leipzig schloss die WG schließlich. Im Juni wurden die beiden in einer Online-Umfrage der "Interventionistischen Linken" zum "gefräßigsten Miethai" der Stadt gewählt.
"Ich bin entsetzt und empört, dass immer wieder offensichtliche Verstöße gegen geltendes Recht von den beiden vollzogen werden", sagte Juliane Nagel (48), Linke-Stadtrats- und Landtagsabgeordnete.
Inserate für möblierte Wohnungen nehmen stark zu
Die Vermieter wurden bei der Stadt Leipzig mehrfach angezeigt, einige Verfahren laufen noch. Bisher mussten die beiden laut dem ARD-Magazin "FAKT" lediglich Bußgelder von rund 2000 Euro zahlen.
Dass sie mit ihrer Masche durchkommen, liegt vor allem an einem mutmaßlichen Trick, der in Großstädten immer häufiger angewendet wird: Die Wohnungen werden möbliert oder teilmöbliert angeboten.
"Die regulären Inserate sind seit 2015 um über ein Fünftel zurückgegangen, während sich die möblierten und befristeten Angebote in den Metropolen und größeren Städten mehr als verdreifacht haben", so Jonas Zdrzalek vom Institut für Weltwirtschaft Kiel.
Dabei nutzen sie laut Melanie Weber-Moritz vom Deutschen Mieterbund oft die Notlage der Menschen aus: "Die Mieter sind in erster Linie nicht auf der Suche nach möblierten Wohnungen, sondern die allermeisten sind gezwungen, auf solche Angebote zurückzugreifen, weil es keine Alternative gibt."
Die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Stefanie Hubig (57, SPD) plant einen Gesetzentwurf, um die Mietpreise stärker zu regulieren. "Für voll möblierte Wohnungen soll eine Pauschale von 10 Prozent der Nettokaltmiete angesetzt werden können", teilte sie schriftlich gegenüber der ARD mit. Vermieter könnten dann für eine Ordnungswidrigkeit belangt werden. Ob, wann und in welcher Form dieser Entwurf umgesetzt wird, ist offen.
Die ganze Sendung von ARD "FAKT" vom 22. September könnt Ihr in der ARD Mediathek streamen.
Titelfoto: TAG24/Emily Mittmann

