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Mobbing an Grundschule: 11-Jährige stirbt nach Selbstmordversuch

Mobbing: 11-Jährige Berliner Grundschülerin starb nach Selbstmordversuch

Eine 11-Jährige Berliner Grundschülerin wurde gemobbt. Nun starb sie nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus.

Berlin - Eine 11-Jährige Grundschülerin starb nach einem Selbstmordversuch vor wenigen Tagen im Krankenhaus, Eltern hatten die Schule bereits im Vorfeld auf Mobbing-Fälle hingewiesen und erheben nun schwere Vorwürfe.

Sie schlugen einem 14 Jahre alten Mädchen ins Gesicht, weil sie helfen wollte! (Symbolfoto)

Eine junges Mädchen wurde an einer Berliner Grundschule offenbar so massiv gemobbt, dass sie vor wenigen Tagen einen Selbstmordversuch unternommen hat. Wie der Tagesspiegel berichtet, starb sie später im Krankenhaus.

Nachdem die Schule über den Tod informiert hatte, seien Mitschüler wie Familien schockiert und fassungslos gewesen, die Klassenlehrerin des Mädchens habe sich krank gemeldet.

An der Reinickendorfer Grundschule gab es wohl schon des Öfteren Mobbing-Vorwürfe: „Seit mehr als einem Jahr gibt es massive Mobbingfälle an der Schule. Es wurde immer wieder den Lehrern und der Schulleitung gegenüber angesprochen, vom Elternbeirat, aber auch von Müttern und Vätern, deren Kinder betroffen waren. Doch man hat alle Fälle einfach abgetan – nach dem Motto, das sei doch alles nicht so tragisch, oder die gemobbten Kinder seien ja auch nicht gerade Engel. Darüber weiß auch der zuständige Schulamtsleiter Bescheid. Es soll nicht nur Mobbing zwischen den Kindern, sondern auch Gewalt von einer Lehrerin gegenüber den Schülern gegeben haben. Doch geschehen ist nichts.“ zitiert der Tagesspiegel einen Vater.

Erst vor Kurzem hätten die Eltern des Mädchens erneut auf die verbalen wie körperlichen Attacken einiger Mitschüler auf ihre Tochter hingewiesen.

"Ich war, seit ich mich gegen Mobbing engagiere, schon auf sechs Beerdigungen"

Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl leitete erst im September letzten Jahres in der Nähe der Grundschule eine Veranstaltung gegen Mobbing.

Carsten Stahl, Anti-Mobbing-Trainer und bekannt aus Fernsehsendungen wie "Privatdetektiv im Einsatz", oder "Stahl:hart gegen Mobbing", leitete erst im September letzten Jahres in der Nähe der Grundschule eine Veranstaltung gegen Mobbing.

Er postete nun einen Weckruf auf seiner Facebook-Seite: "Jeden zweiten Tag nimmt sich ein Kind wegen Mobbing das Leben in Deutschland, es macht uns wütend und betroffen, wie mit dem Thema Mobbing in unserer Gesellschaft, und an vielen Schulen im ganzen Land umgegangen wird."

Durch seine Kampagnen gegen Mobbing erreicht Stahl inzwischen bundesweit Menschen und erfährt deshalb immer häufiger von ähnlichen Schicksalen: "Ich halte das bald nicht mehr aus. Ich war, seit ich mich gegen Mobbing engagiere, schon auf sechs Beerdigungen“

Doch wie geht es jetzt weiter? Was passiert nach dieser Tragödie? Die Schule war für Presseanfragen zunächst nicht erreichbar, nach den Winterferien sollen allerdings "angemessene Möglichkeiten" des Trauerns und Gedenkens angeboten werden. Laut Berliner Polizei werde in solchen Fällen immer ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Mehr Informationen zu Anzeigen wegen Gewaltdelikten an der betroffenen Schule gibt es erst in der nächsten Woche.

Zu den weiteren Konsequenzen erklärte Stahl dem Tagesspiegel: „Man will, dass das schnell vergessen wird. Dass niemand über die Fehler des Schulsystems und die Verantwortlichen nachdenkt. Aber wegschauen hilft nicht und vergessen geht nicht. Denn solange sich nichts ändert, wird es immer wieder passieren.“

Normalerweise zieht die Redaktion es vor, nicht über Suizide zu berichten. Da sich der Vorfall aber eine große gesellschaftliche Relevanz hat, hat sich die Redaktion entschieden, es zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Fotos: DPA