Finanznot der Kommunen: Müssen Eltern bald mehr für die Kita zahlen?

Von Anika von Greve-Dierfeld

Stuttgart - Der Gemeindetagspräsident Steffen Jäger (46) fordert, dass Kommunen in Baden-Württemberg für die Finanzierung der staatlichen Aufgaben einen deutlich höheren Anteil etwa an Umsatzsteuer oder Einkommenssteuer erhalten.

Laut Steffen Jäger (46) herrscht ein finanzieller Notstand in den Kommunen vor. (Archivfoto)
Laut Steffen Jäger (46) herrscht ein finanzieller Notstand in den Kommunen vor. (Archivfoto)  © Bernd Weißbrod/dpa

Das sei unumgänglich, solange es keine grundlegenden Reformen der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Kommunen auf Bundesebene gebe, sagte er den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".

Die Schere zwischen der Finanzausstattung und der Erfüllung von Aufgaben gehe immer weiter auseinander.

Rund 90 Prozent der Südwest-Kommunen hätten bereits heute alle Rücklagen aufgebraucht.

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"Auf Dauer können wir strukturelle Defizite, die nicht durch kommunalpolitische Entscheidungen, sondern durch Bundes- und Landespolitik begründet sind, nicht durch Schulden finanzieren", so Jäger.

Eltern finanziell stärker fordern?

Es steht zur Debatte, ob Eltern von Kita-Kindern bald tiefer in den Geldbeutel greifen müssen. (Symbolfoto)
Es steht zur Debatte, ob Eltern von Kita-Kindern bald tiefer in den Geldbeutel greifen müssen. (Symbolfoto)  © Sebastian Kahnert/dpa

Er regte an, auch über die Kürzung von Subventionen nachzudenken. Als Beispiele nannte er die für die Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe oder auch den Kita-Bereich. Das sei der Teil, der schon jetzt am stärksten subventioniert werde.

"Wir müssen uns die Frage stellen: Welche Standards können wir uns leisten und ab wann kann eine solche Leistung auch in Anspruch genommen werden?" Man werde auch darüber nachdenken müssen, ob Eltern stärker zur Mitfinanzierung herangezogen werden müssten.

In einer Umfrage des baden-württembergischen Gemeindetags vor einigen Monaten unter ihren Mitgliedern hatten vier von fünf Befragten (81,5 Prozent) angegeben, die Stärkung der Kommunalfinanzen sei die wichtigste Aufgabe, die die neue Bundesregierung sofort anpacken müsse.

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Das dazu gerade geschnürte Milliardenpaket sei zwar ein wichtiges Signal, sagte Jäger. Aber: "Die komplette Dramatik wird sich dadurch nicht auflösen."

Titelfoto: Bildmontage: Bernd Weißbrod/dpa, Sebastian Kahnert/dpa

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