BW-Wahl: Sascha Binder zum neuen SPD-Fraktionschef gewählt

Stuttgart - Das Endergebnis liegt vor: Die Grünen mit Cem Özdemir (60) haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg in einem knappen Rennen vor der CDU gewonnen.

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist entschieden: Die Grünen haben vor der CDU gewonnen, die AfD belegt Platz 3.

Der 60-jährige frühere Bundesminister Özdemir dürfte jetzt Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne), werden, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr antrat.

Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel (37) kommt nur auf Platz zwei.

Die AfD ist mit deutlichen Zuwächsen drittstärkste Kraft, die SPD schafft es knapp in den Landtag, wie auf der Internetseite des Statistischen Landesamts ersichtlich war.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 Bleibende Erinnerung an Sieg: Grüne lassen sich Wahlkampf-Symbol tätowieren

FDP und Linke haben es nicht über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft.

Alle Informationen rund um die Landtagswahl in Baden-Württemberg findet Ihr hier im TAG24-Liveticker.

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10. März, 16.49 Uhr: Sascha Binder wird neuer SPD-Fraktionschef

Nach der Wahlschlappe der SPD bei der Landtagswahl hat die neue Fraktion den bisherigen SPD-Generalsekretär Sascha Binder (43) einstimmig zum Fraktionschef gewählt.

Das teilte eine Fraktionssprecherin mit. Er folgt damit auf Andreas Stoch (56), der noch am Wahlabend seinen Rückzug als Partei- und Fraktionschef angekündigt hatte.

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Einstimmiges Votum für Sascha Binder (43): Der SPD-Generalsekretär übernimmt ab sofort die Führung der Fraktion.  © Uli Deck/dpa

10. März, 16.37 Uhr: Ex-AfD-Chef Meuthen schwer enttäuscht

Der frühere AfD-Chef Jörg Meuthen (64) zieht sich aus der aktiven Politik zurück.

"Ich gebe alle Parteifunktionen auf, bleibe nur einfaches Parteimitglied", sagte er der "Bild"-Zeitung. Als Vize-Landesvorsitzender sei er bereits zurückgetreten und werde auf dem Bundesparteitag der Werteunion auch nicht mehr für den Bundesvorstand kandidieren.

"Dieses Wahlergebnis war eine wirklich heftige Enttäuschung." Meuthen war im Wahlkreis Kehl angetreten und hatte dort nur 0,8 Prozent der Erststimmen bekommen.

Vom Wahlergebnis für seine Partei zeigt Jörg Meuthen (64, AfD) sich tief enttäuscht.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

10. März, 15.20 Uhr: CDU gibt sich unversöhnlich

Zwei Tage nach der Landtagswahl gibt sich die CDU extrem unversöhnlich und stellt hohe Anforderungen an die Grünen für anstehende Gespräche zur Regierungsbildung.

Die Stimmung sei kühl, sagte Vize-Regierungschef und Innenminister Thomas Strobl (65, CDU) kurz vor einer Sitzung der neuen und alten CDU-Fraktion der Deutschen Presse-Agentur.

Das politische Klima in Baden-Württemberg sei aus den Reihen der Grünen "nachhaltig vergiftet" worden. Strobl gilt als Brückenbauer in der grün-schwarzen Koalition und als ein CDU-Politiker, der eigentlich besonders gut mit den Grünen kann.

Es sei ganz viel Vertrauen zerschlagen worden, sagte Bauministerin und CDU-Vorstandsmitglied Nicole Razavi. Nun müsse Cem Özdemir einen Weg finden, "von wirklich ganz unten dieses Vertrauen wieder aufzubauen".

Thomas Strobl (65, CDU) findet deutliche Worte für das derzeit zerrüttete Verhältnis der Parteien.  © Marijan Murat/dpa

10. März, 15 Uhr: Holt Özdemir Boris Palmer ins Kabinett?

Seit dem Wahlsieg der Grünen wird darüber spekuliert, ob Cem Özdemir (60, Grüne) Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmerin (53) in sein Kabinett holen könnte.

Laut einer vor der Wahl veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wünscht sich gut ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg, dass der 53-Jährige nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene übernimmt.

Auch bei der Bekanntheit liegt Palmer weit vorne: Fast vier von fünf Befragten (79 Prozent) kennen ihn.

10. März, 8.20 Uhr: SPD will Wahlschlappe aufarbeiten

Nach der heftigen Wahlschlappe bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg will die SPD ihr schlechtes Abschneiden in den nächsten Monaten genau aufarbeiten.

Die Wahl und das Ergebnis solle mit externer Begleitung umfassend analysiert und evaluiert werden. Das soll auch auf vier Regionalkonferenzen passieren, zu der alle Mitglieder eingeladen werden sollen.

Bis zum Sommer will die SPD dann auch einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Parteichef Andreas Stoch (56) bestimmen.

Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas (57), der Spitzenkandidat Andreas Stoch (56, m) und der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil (48) sichtlich enttäuscht: Die SPD hat mit 5,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl eingefahren.  © Tobias Schwarz/AFP POOL/dpa

9. März, 22.03 Uhr: Hagel bietet Rücktritt an - CDU-Landesvorstand lehnt ab

Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel hat nach seiner knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl der Partei seinen Rücktritt angeboten.

Das Angebot sei klar und einstimmig abgelehnt worden, sagte Landesgeneralsekretär Tobias Vogt und bestätigte einen Bericht des SWR.

Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel (37) hat nach seiner knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl der Partei seinen Rücktritt angeboten.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 21.20 Uhr: Grünen-Politikerin weist Schuld an CDU-Niederlage von sich

Die Grünen verdanken ihren Wahlsieg in Baden-Württemberg aus Sicht ihrer Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer nicht einem umstrittenen Video von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel, das sie verbreitet hatte.

"Wenn ein einzelnes Video eine Wahl entscheiden könnte, dann hätten wir ein grundsätzliches Problem", sagte die Karlsruherin den "Badischen Neuesten Nachrichten". "Ich glaube, die Menschen haben sehr bewusst gewählt."

Zwei Wochen vor der Wahl hatte Mayer in sozialen Medien einen acht Jahre alten Clip gepostet, in dem Hagel von den "rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin schwärmt. Unionspolitiker werfen den Grünen eine Schmutzkampagne vor. Die CDU landete bei der Wahl knapp hinter den Grünen.

"Wenn ich das Wort von der Schmutzkampagne höre, muss ich mich schon sehr zusammenreißen", sagte Mayer der Zeitung. "Ich finde es schwierig, als "die Schuldige" für die Wahlniederlage der CDU verantwortlich gemacht zu werden." Das sei sehr einfach gedacht und eine gefundene Ausrede dafür, sich keine Fehler einzugestehen. "Ich bin also froh, wenn langsam wieder Ruhe einkehrt."

Ein altes Video mit Äußerungen von CDU-Kandidat Hagel sorgte für Wirbel im Wahlkampf: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (30) hatte es verbreitet – und wehrt sich nun gegen Vorwürfe.  © Elisa Schu/dpa

9. März, 19.17 Uhr: "Herablassende Arroganz" - CDU greift Özdemir frontal an

Eigentlich müssen Grüne und CDU in Baden-Württemberg zu einer Regierung zusammenfinden, aber die Stimmung zwischen den Parteien könnte derzeit nicht feindseliger sein: Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit des Regierungschefs greift die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir nun frontal und persönlich an.

"Diese herablassende Arroganz der Äußerungen von Özdemir verwundert uns doch sehr", teilte CDU-Landesgeneralsekretär Tobias Vogt der Deutschen Presse-Agentur am Abend mit. "Im Grunde ist es exakt die Verlängerung des fragwürdigen Stils der Grünen im Wahlkampf. Das ist Ampel-Sprech."

Zuvor hatte Özdemir den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und Vorschläge aus der CDU zu einer Teilung der Macht scharf zurückgewiesen.

Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit hat die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir (60, Grüne) frontal angegriffen.  © Marijan Murat/dpa

9. März, 16.13 Uhr: Hagel sieht "keinen Automatismus" für Koalition mit den Grünen

Der unterlegene CDU-Spitzenkandidat bei der Wahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, hat harte Verhandlungen mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition angekündigt. "Was wir inhaltlich vor der Wahl gesagt haben, bleibt inhaltlich auch nach der Wahl richtig", sagte Hagel am Montag in Berlin in der CDU-Zentrale. "Da gibt es keinen Automatismus zur Bildung einer Landesregierung."

Hagel verwies darauf, dass die CDU nur knapp unterlegen sei und auf genauso viele Sitze im Landtag komme wie die Grünen. Diese Situation sei "neu" und "einmalig" in Baden-Württemberg. Er werde am Montagabend mit den CDU-Landesvorstand und am Dienstag mit der Landtagsfraktion über das weitere Vorgehen beraten.

Mit Blick auf Forderungen aus der CDU, die Amtszeit bei der Führung der Regierung zwischen Grünen und CDU aufzuteilen, blieb Hagel vage. "Klar ist: Patt heißt Patt", sagte er. "Daraus erwächst ein klarerer inhaltlicher Anspruch, den wir haben, sollten wir zu Koalitionsverhandlungen kommen - und da gehört alles auf den Tisch und alles auf den Prüfstand."

Manuel Hagel (37, CDU) hat harte Verhandlungen mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition angekündigt.  © Michael Kappeler/dpa

9. März, 15.31 Uhr: Söder - Schmutzkampagne schuld an Hagel-Niederlage

CSU-Chef Markus Söder sieht eine "Schmutzkampagne" als ausschlaggebenden Grund, dass die CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp nicht stärkste Kraft geworden ist.

Man sei ein bisschen traurig, denn "ohne diese zwei Videos" wäre Manuel Hagel (CDU) vor seinem Kontrahenten Cem Özdemir (Grüne) gelegen, sagte Söder nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. "Ohne diese Schmutzkampagne wäre es anders ausgegangen", sagte er. "Darum tut uns das leid, und wir finden es unmöglich und erwarten da auch noch mal eine Diskussion drüber an der Stelle."

Hagel war in der heißen Wahlkampfphase wegen zweier Videos in die Schlagzeilen geraten. Zunächst hatte eine Grünen-Bundestagsabgeordnete ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren "rehbraunen Augen" schwärmt. Hagel räumte zwar gleich ein, dass das "Mist" gewesen sei, doch das Video ging viral.

Wenige Tage später sorgte ein weiteres Video gleich für neue Kritik: Hagel geriet beim Besuch einer Schule vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander und machte bei dem Auftritt alles andere als eine gute Figur.

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